Handel bietet Grillen und Mehlwürmer an

Bremer Supermarkt nimmt Insektenfood in die Regale

In vielen asiatischen Ländern sind Insekten-Snacks schon lange beliebt, allmählich kommen sie auch in Europa an. Nun hat der erste Bremer Supermarkt Insektenfood mit ins Programm genommen.
09.05.2018, 07:30
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Supermarkt nimmt Insektenfood in die Regale
Von Sara Sundermann

In vielen asiatischen Ländern sind Insekten-Snacks schon lange beliebt, jetzt kommen sie auch in Europa an. Nun hat der erste Bremer Supermarkt Insektenfood ins Programm genommen. Der Aufsteller ist zentral platziert, direkt am Eingang neben den Kassen: Der Rewe-Markt an der Westerstraße in der Neustadt verkauft jetzt Grillen im Glasröhrchen, Schokolade mit gerösteten Mehlwürmern und Energieriegel mit Buffalo-Würmern.

„Insekten zu essen, ist im Trend“, sagt Rewe-Geschäftsführer Florian Gerke. „Vegetarisch, Vegan und Bio waren Trends der vergangenen Jahre, jetzt kommen die Insekten.“ Der Rewe-Markt in der Neustadt ist Gerke zufolge bislang die einzige Filiale in der Stadt, die auf Insektenfood setzt: „Ich bin der Erste, der sich getraut hat.“ In der Neustadt gebe es zudem ein für Neues aufgeschlossenes Supermarkt-Publikum, viele Studenten und junge Leute.

Insekten gelten als besonders nahrhaft und werden von vielen als Lebensmittel der Zukunft gehandelt. Bereits 2013 empfahl die Ernährungs- und Lebensmittelbehörde der Vereinten Nationen den Verzehr von Insekten und schätzte, dass die Tiere bereits bei mehr als zwei Milliarden Menschen weltweit auf dem Speisezettel stehen. In vielen asiatischen Ländern wie zum Beispiel in Thailand gehören Insektensnacks ohnehin zum Alltag, in New York sind sie schon länger im Trend.

Ein Aspekt war für Gerke auch die Nachhaltigkeit: „Unsere Rohstoffe sind begrenzt, und man braucht weniger Wasser, weniger Platz und erzeugt weniger Abgase bei der Zucht von Insekten als bei der Zucht von Rindern.“ Zudem würden Insekten bei der Zucht anders als viele andere Tiere nicht unter den Haltungsbedingungen leiden.

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Zu der Idee, Insektenfood ins Programm zu nehmen, kam es bei Rewe durch die Street Food Karawane, die zuletzt mehrmals auf dem Hillmannplatz gastierte. Dort konnten neugierige Bremer schon Grillen und Würmer testen – dort griff auch Rewe-Mitarbeiter Holger Prüß zu: "Ich habe gekostet und fand die Insekten lecker: Sie schmeckten leicht nussig, und es sind Protein-Bomben."

Für den Verzehr von Insekten gibt es bereits Kochbücher. Wer mag, kann sich ganz simpel ein paar getrocknete Grillen als Eiweißlieferanten über den Salat streuen; es gibt aber auch Rezepte für fruchtige Insekten-Lollis, Schokofondue mit Heuschrecken und Mehlwurm-Quiche.

Momentan werden in Europa vier Insektenarten speziell für den Verzehr gezüchtet: Heuschrecken, Grillen, Mehlwürmer und Buffalo-Würmer. Der Bremer Supermarkt arbeitet mit zwei Zulieferern zusammen und setzt dabei auf regionale Produzenten aus Norddeutschland. Beide Firmen – "Snack Insects" aus Schleswig-Holstein in der Nähe von Hamburg und "Bug Foundation" aus Osnabrück – wurden von Jungunternehmern gegründet, die derzeit noch als Pioniere unterwegs sind.

Geplant sind in der Westerstraße auch Verkostungen vor Ort, und das ungewöhnliche Angebot soll noch ausgebaut werden: Ab Juni sollen auch Insektenburger in dem Neustädter Supermarkt verkauft werden. Die Burger sind die Erfindung eines Start-Ups aus Osnabrück, dessen Gründer zwei gebürtige Bremer sind: Max Krämer und Baris Özel. Die Hauptzutat ihres Burgers besteht aus Buffalo-Würmern, die auf einer Insektenfarm in den Niederlanden gezüchtet werden.

Für die Verarbeitung von Insekten gab es in Deutschland bis vor kurzem keine Vorschriften, das machte den Verkauf hier schwierig. „Nachdem eine geänderte Lebensmittelverordnung in Deutschland in Kraft getreten ist, können wir jetzt mit vollem Elan loslegen“, sagt Max Krämer, der weiterhin in Bremen lebt und gerne im Home-Office aus seinem Büro im Flüsseviertel arbeitet. Der 32-Jährige hat in Bremen Geografie studiert, Baris Özel Betriebswirtschaft; beide sind befreundet und kennen sich seit mehr als 20 Jahren. Auf die Idee für ihre Firma kamen sie durch eine gemeinsame Reise nach Thailand, wo sie Insekten probierten.

Das neue Lebensmittel stößt offenbar auf Interesse: In den ersten zwei Supermärkten, die den Insektenburger verkauften, seien in zwei Wochen über 400 Packungen verkauft worden, sagt Krämer. In Aachen und Süddeutschland gibt es mehrere Supermärkte, die Insektensnacks ins Programm genommen haben. In Norddeutschland dürfte der Bremer Markt einer der ersten sein.

Zu essbaren Insekten wird auch in Bremerhaven geforscht: Rainer Benning ist Professor für Lebensmitteltechnologie an der Hochschule Bremerhaven und beschäftigt sich mit der automatisierten Zucht von Insekten. "Ernährungsphysiologisch sind Insekten sehr gut geeignet, wir sind in Europa aber noch nicht daran gewöhnt", sagt Benning. Je nach Art seien die Proteine sehr hochwertig. "Der Vorteil ist, dass Insekten sehr effizient aus pflanzlichen Proteinen tierische Proteine machen, und wir können tierische Proteine besser verwerten."

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