Aktion wird am Donnerstag eingestellt Bremer Suppenengel verteilen zum letzten Mal Essen auf der Bürgerweide

Das Zelt der Suppenengel ist in der Corona-Krise für viele Obdachlose zur wichtigen Anlaufstelle geworden. Nun muss es schließen. Diesen Donnerstag wird auf der Bürgerweide zum letzten Mal Essen verteilt.
30.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Suppenengel verteilen zum letzten Mal Essen auf der Bürgerweide
Von Nico Schnurr

Nach vier Monaten ist Schluss: Das Zelt der Suppenengel auf der Bürgerweide wird an diesem Freitag abgebaut. In der Corona-Krise ist die Essensausgabe hinter dem Bremer Bahnhof zur wichtigsten Anlaufstelle für Obdachlose und Bedürftige in der Stadt geworden. Das Versorgungszelt wurde Ende März aufgestellt, als viele Hilfsangebote schließen mussten. Nun öffnen einige Anlaufstellen wieder, und auch auf der Bürgerweide soll Normalität einkehren.

Die Suppenengel haben nach eigenen Angaben zuletzt bis zu 150 Personen täglich auf der Bürgerweide versorgt. Das Essen wurde dem Verein gespendet, einige Restaurants kochten Mahlzeiten für die Obdachlosen. Die Bremer Schausteller hatten den Suppenengeln eines ihrer Festzelte geliehen, die ÖVB-Arena hatte den Platz vor der Halle kostenlos zur Verfügung gestellt. Ab Mitte August soll die Fläche wieder vermietet werden, mehrere Veranstaltungen sind geplant. Auch die Schausteller brauchen ihr Zelt zurück. An diesem Donnerstag wird daher zum letzten Mal Essen an Hilfsbedürftige auf der Bürgerweide verteilt.

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„Uns war klar, dass das Versorgungszelt keine Dauerlösung ist“, sagt Suppenengel-Geschäftsführer Peter Valtink, „als sich die Lage im März zuspitzte, ging es darum, in der Not schnell zu reagieren.“ Die Kantine, die der Verein am Gleis eins des Hauptbahnhofs betreibt, hatte wegen der Corona-Maßnahmen schließen müssen. „Wir wollten die Versorgung aber irgendwie aufrechterhalten, weil durch Corona schon so viel weggefallen war“, sagt Valtink, „also haben wir das Zelt aufgebaut.“

Die Corona-Krise hat die Obdachlosen besonders hart getroffen. Vielen brach das Einkommen weg, als das öffentliche Leben heruntergefahren wurde. Es fehlten Passanten, die sie um Geld bitten konnten, und es lagen kaum noch Pfandflaschen herum, die sie sammeln konnten. „Inzwischen hat sich die Situation etwas entspannt“, sagt Valtink, „in der Stadt ist wieder mehr los, das hilft schon mal.“

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Auch einige Anlaufstellen, die über Monate dicht gewesen sind, öffnen wieder. Der Bremer Treff am Altenwall macht am 4. August wieder auf. Seit einigen Wochen bietet das Café Papagei der Inneren Mission ein Frühstücksangebot an, ab August soll ein Mittagstisch dazukommen. „Der Bedarf ist groß, das hat der Zuspruch für das Versorgungszelt gezeigt“, sagt Katharina Kähler, Leiterin der Wohnungslosenhilfe der Inneren Mission, „wir wollen das jetzt etwas auffangen.“

Die Suppenengel gehen für zwei Wochen in eine Sommerpause. Ab Mitte August werden die Helfer wieder mit Lastenrädern in die Stadtteile fahren und dort Essen austeilen. Eine zentrale medizinische Versorgung wie im Zelt wird es dann nicht mehr geben. Auf der Bürgerweide kümmerte sich die Krankenpflegerin Britta Mennen täglich um mehr als zehn Personen, die etwa mit offenen Wunden zur Essensausgabe gekommen waren.

„Das Angebot hat gut funktioniert, weil es niedrigschwellig war“, sagt Mennen, „die Leute haben sich Essen geholt, und ich war eben auch da, falls jemand Beschwerden hatte.“ Mennen will ihre Hilfe weiter anbieten, nebenan im Nelson-Mandela-Park. Doch sie vermutet, dass dorthin deutlich weniger mögliche Patienten kommen werden.

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„Das Versorgungszelt hatte sich sehr gut etabliert“, sagt Sozialressort-Sprecher Bernd Schneider, „wenn sich zeigen sollte, dass die anderen Angebote die Leute nicht so gut erreichen, müssen wir uns etwas überlegen.“ Suppenengel-Geschäftsführer Valtink plant, im Herbst wieder eine zentrale Versorgungsstelle einzurichten. Ab November soll das Projekt starten. Statt eines Zeltes will Valtink dann zwei Container nebeneinander aufstellen. Anders als das Zelt, das von Sicherheitskräften bewacht werden musste, lassen sich die Container abschließen.

Noch etwas würde Valtink im Herbst gerne anders machen: Er wünscht sich einen Standort, der etwas weniger zentral gelegen ist als die Bürgerweide. „Dort sind wir einigen sicher auch auf die Nerven gegangen“, sagt Valtink. Es habe Beschwerden gegeben, unter anderem von nahegelegenen Hotels. Auch gegenüber dem Sozialressort sei Ärger geäußert worden, sagt Sprecher Schneider.

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„Wo viele Menschen mit Problemen aufeinander treffen, verstärken sich die Schwierigkeiten“, so Schneider, „das war auch hier auffällig, man musste sich ja nur auf der hinteren Bahnhofsseite bewegen, dann hat man das gemerkt.“Wo das nächste Zelt stehen wird, ist noch unklar. Valtink hat den Platz am ehemaligen Güterbahnhof vorgeschlagen. Er hofft auf eine Entscheidung im August. Doch es gibt Bedenken, weil die Fläche nur über einen Bahnübergang zu erreichen ist. „Wir brauchen bald eine Lösung für den Herbst“, sagt Valtink, „auch wenn sich die Lage entspannt hat, ist Corona noch lange nicht vorbei.“

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