Tischgespräch Dort, wo die Überseestadt sündigt

Florian Demits Curry Kitchen war schon ein Foodtruck, als der Begriff noch nicht in Mode war. Und wird auch noch bleiben wenn der Hype vorbei ist. Ein Grund: Hier gibt es ziemlich gute Currywurst und Pommes.
10.12.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Dort, wo die Überseestadt sündigt
Von Temi Tesfay

Es ist ein kalter Freitagmorgen. Wahrlich kein Anlass, um gerne draußen zu sein. Doch wenige Hundert Meter von uns entfernt lassen sich einige unverfrorene Arbeiter nicht davon abhalten, ihr Werk zu verrichten. Am Kopf des Europahafens entsteht das imposante Ensemble von Zech. Florian Demit schaut zur Baustelle und schweigt. Der Anblick der neuen Vision des Bremer Bauunternehmers lässt die Erinnerung an die eigene aufflammen, deren Verwirklichung inzwischen eine Dekade zurückliegt.

„Als ich aus Düsseldorf wiederkam, habe ich hier eine richtig gute Wurst vermisst“, eröffnet Demit, der in Bremen geboren wurde und in der Nähe zum Ruhrgebiet und seiner Ansicht nach wahren Heimat der Currywurst aufwuchs. Neben seinem Vollzeitjob als Bankkaufmann habe er daher spaßeshalber angefangen, Würste zu entwickeln. „Viele Metzger, mit denen ich eine Wurst kreieren wollte, haben abgewunken und gesagt: ,Komm, der kleine Junge'“, kann der seinerzeit 30-Jährige sich noch gut erinnern. Aber schließlich fand er einen Metzger, der offen für seine „Bierlaune“ war. Das Ergebnis war so überzeugend, dass Freunde ihm rieten, aus der lockeren Laune ein ernstes Geschäft zu machen. Der Startschuss für seinen zweiten Karriereweg als Gastronom – mit einem Curry Kitchen genannten Foodtruck.

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Die Baustelle im Blick, erklärt Demit mir seine damalige Standortwahl. „Die Überseestadt war ein aufstrebender Stadtteil. Und ich hatte die ganzen Hundertschaften von Bauarbeitern im Kopf.“ Aber dann seien sie einfach nicht gekommen. „Die hatten alle ihre selbst gemachten Brote dabei“, erinnert er sich lachend zurück. Es ist ein Lachen, das ihm heute gewiss leichter fällt als damals. „Die ersten drei bis vier Jahre waren schon hart. Da lebte man schon von der Hand in den Mund“, reflektiert der Quereinsteiger, der den Grundstein seines Erfolges unerwartet in einem anderen Kundenstamm fand: den Büroleuten. Sie, die in der Überseestadt oftmals keine Kantine hatten, fanden in seinem Chevy Truck den Anlaufpunkt für Deutschlands beliebtestes Kantinenessen überhaupt: Currywurst und Pommes.

Auch ich erinnere mich daran zurück, wie wir früher mit Torben und Sohrab praktisch vom ersten Tag hierher kamen, wenn wir mittags mal nicht Reis-, sondern Heißhunger hatten. Am Motiv meines Besuches hat sich auch heute nichts geändert – und wird sich wohl niemals etwas ändern: Ich habe Lust, zu sündigen.

Die letzte Nuance

Probiert und empfohlen: Darum geht’s nun an die „Gourmet-Metzger-Currywurst“ (3 Euro). Demit probiert zuerst, überlegt einen Moment und vergibt heute eine Neun. „Vom Geschmack natürlich eine Zehn. Sie könnte jedoch knuspriger sein. Das ist die letzte Nuance.“ Stimmt. Sie könnte knackiger sein. Aber ich gestehe, dass mir das vorher nicht aufgefallen war.

„Mega. Schöne Schärfe“, lobt der 41-Jährige im Weiteren die hausgemachte Currysoße und hebt hervor, dass ihr Rezept simpler sei, als man denkt. Der „glatten Zehn“, die er verteilt, muss ich jedoch ebenso glatt entgegnen: Ja, die Soße hält ein, was man im Generellen erwartet. Aber wenn ich ehrlich bin, finde ich die, die ich zu Hause mache, besser.

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Umgekehrtes Spiel bei den uns nun servierten Pommes (3 Euro für die normale Portion). Diese sind nach belgischer Art, sprich: besonders dick. „Eine Acht“, votiert mein Gegenüber, der einerseits die verlässliche Knusprigkeit der stets einmal vorfrittierten Pommes lobt, andererseits jedoch ein persönliches Manko findet. „Die haben jetzt ganz frisches Öl. Es schmeckt aber am besten, wenn es schon ein Tag alt ist. Dann hast du die Röstaromen.“ Es ist einerseits gut, dass mein Gastgeber auf solcher Tiefenebene Kritik übt und seinerseits neidlos von sich gibt, dass Robrahn die besten Pommes der Stadt serviere. Doch andererseits habe ich die Meinung, dass diese hier fast, wenn nicht ebenso gut sind.

Info

Zur Person

Temi Tesfay

hat Hunger auf Bremen. Auf seinen wöchent­lichen Streifzügen durch die heimische Gastroszene hat er schon viele Küchen, Köche und ­kulinarische Schätze der Stadt kennengelernt. Unter dem Titel „Ein Bisschen Bremen“ schreibt er außerdem einen Foodblog.

Weitere Informationen

Curry Kitchen, Konsul-Schmidt-Straße, 28217 Bremen, Telefon 0177/ 766 15 79. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 11 bis 14.30 Uhr, Sonnabend und Sonntag geschlossen. Internet: www.currykitchen-bremen.de. Barrierefrei.

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