Theimann-Leuchten Bremer Traditionsgeschäft macht nach fast 60 Jahren dicht

Der nächste Bremer Traditionsladen schließt: Sigrid Theimann-Haferkamp gibt ihr Lampengeschäft an der Violenstraße zum Februar 2018 auf. Nun sollen wohl Touristenwohnungen entstehen.
20.08.2017, 19:08
Lesedauer: 2 Min
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Bremer Traditionsgeschäft macht nach fast 60 Jahren dicht
Von Pascal Faltermann

Ein Kronleuchter, versehen mit Bronze-Verzierungen aus dem Jahr 1890, für rund 9500 Euro, aber auch einfache Teelichter – die Preisspanne und Auswahl in dem alteingesessenen Lampengeschäft Theimann-Leuchten in der Violenstraße bieten ein breites Spektrum. Nach fast 60 Jahren ist allerdings bald Schluss. Besitzerin Sigrid Theimann-Haferkamp gibt ihr rund 300 Quadratmeter großes Lampengeschäft auf. Zum Februar 2018 gehen die Lichter aus, die Türen schließen.

„Es gab ein paar Interessenten als Nachfolger“, sagt Theimann-Haferkamp. Aber nachdem die alte Vermieterin verstorben war, habe der neue Gebäudeverwalter klar gemacht, dass ein Lampenunternehmen nicht mehr wirklich zeitgemäß sei. Natürlich sei sie etwas wehmütig, sagt die 74-jährige Inhaberin. Als sie die Entscheidung traf, sei aber auch eine Last von ihr abgefallen. Jetzt könne sie sich mit allem abfinden.

Statt des Lampengeschäfts: Touristenwohnungen oder ein Hotel

„Wir hatten eine sehr gute, sehr schöne Zeit hier“, sagt Theimann-Haferkamp. Aus vielen Kunden seien Freunde geworden, und hier habe es noch richtige Kundentreue gegeben. Man habe zwar früh eine Präsenz im Internet gehabt, allerdings mit viel Text und ohne einen Online-Handel. Das hätte ein Nachfolger anders machen können. Gerüchten zufolge sollen aber statt des Lampengeschäfts an dieser Stelle Touristenwohnungen beziehungsweise ein Budget-Hotel entstehen.

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Das inhabergeführte Unternehmen setzte nach Schilderungen der Ladenchefin stets auf Beratung und Kundenbindung. Die Mitarbeiter fuhren auch mal zu den Käufern und wechselten Glühbirnen aus, installierten Kronleuchter oder reparierten Lampen. Wer jetzt in den Laden kommt, wird von Sigrid Theimann-Haferkamp nicht gleich überfallen. Sie will den Kunden Zeit und Raum geben. Wer eine Beratung möchte, mit dem setzt sich die 74-Jährige am liebsten in die Sitzecke auf die gestreiften Sessel und das Sofa um einen italienischen Marmortisch herum. Zwischen alten Schränken, vielen Lampen und Teppichen auf dem Parkettboden versucht sie, möglichst alle Wünsche zu erfüllen. Das könnten dann nur schwer zu beschaffene Glühlampen, Einzelstücke oder Lampenschirme sein, die in jeder Größe, Farbe und aus fast jedem Material passend zur vorhandenen Leuchte gefertigt werden können. Die Ladenchefin nimmt sich aber auch die Zeit, um das richtige Reinigungsspray für einen alten Kronleuchter zu finden. „Ein Reparatur- und Lieferservice ist bei uns selbstverständlich“, sagt Theimann-Haferkamp. Zeitgenössisches Kunsthandwerk ergänzt das Angebot mit Tischen, Spiegeln, Glasprodukten und Bilderrahmen.

Abschiedsreise durch die Toskana

Angefangen hat die Geschichte des Ladens an der Ostertorstraße, Ecke Altenwall, gegenüber der Kunsthalle und dem alten Polizeihaus. Dort leitete die Firmengründerin Anna Theimann eine Filiale der Hamburger Firma Bernhard Gottlob. Ihr Mann fiel im Krieg, als die Tochter Sigrid erst drei Monate alt war. Nach dem Krieg wurde das Geschäft am Schüsselkorb wieder aufgebaut und der Hamburger Betrieb Gottlob bot der Gründerin die Zweigstelle zum Kauf an. Seit 1958 schaffen dann die Leuchten von Theimann die richtige Lichtatmosphäre in Bremen und Umgebung. Die weibliche Dominanz in dem Geschäft setzte die Tochter, geprägt durch das Selbstbewusstsein der Mutter, als promovierte Kunsthistorikerin fort, bis heute.

Seit Anfang der 1970er-Jahre bestimmten dann auch internationale Kontakte das Sortiment. Von Handwerksbetrieben aus Italien (Florenz, Venedig, Toscana) und Frankreich gab es teils extra angefertigte Einzelstücke. 1978 bezog das Geschäft die neuen Räume an der Violenstraße 33 bis 35. Die Fabrikanten und Produzenten will Theimann-Haferkamp auf einer Abschiedsreise durch die Toskana alle besuchen. Denn auch dort sind Freundschaften entstanden.

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