Bremer Umweltbildung

Bremer Kinder sollen draußen fürs Leben lernen

Damit Kinder die Natur intensiver erleben können, fordert die Bremer Umweltbildung, verstärkt außerschulische Lernangebote in den Schulunterricht einzubeziehen.
07.12.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt
Bremer Kinder sollen draußen fürs Leben lernen

Die Kinderwildnis des BUND, auf dem Foto Klaus Milde als ehrenamtlicher Mitarbeiter, ist einer der Orte, an denen Schüler und Schülerinnen Natur erleben können.

Christina Kuhaupt

„Wenn Kinder intensiv Natur erleben, ist dies ein wichtiger Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung“, sagt Sabine Schweitzer, Leiterin der Koordinierungsstelle Umweltbildung Bremen, „denn zukunftsfähiges Denken und Handeln heißt auch, die Artenvielfalt wertzuschätzen.“ Studien belegten, dass Erwachsene sich nur für Artenvielfalt einsetzen, wenn sie bereits als Kinder in Kontakt mit der heimischen Natur gekommen seien .“

In außerschulischen Lernorten Bremens wie der Kinderwildnis des BUND oder im Blauen Klassenzimmer im Naturschutzgebiet Borgfelder Wümmewiesen seien solche Naturerfahrungen möglich: Kinder lernen dort zum Beispiel heimische Kräuter und ihren Wert für die Gesundheit kennen oder erleben den vielfältigen Kosmos der Wassertiere. Mit solchen Erlebnissen würde Wissen für nachhaltiges Leben wie auch eine emotionale Bindung an die Natur erworben, so Sabine Schweitzer. Doch die Naturentfremdung bei Kindern habe inzwischen weit um sich gegriffen. Verbessert werden könne die Situation, wenn die vorhandenen Umweltbildungseinrichtungen in Bremen intensiver mit Schulen kooperieren würden.

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Eine stärkere Einbeziehung außerschulischer Lernorte, besonders in Corona-Zeiten, hat jüngst auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) gefordert (wir berichteten). Dazu könnten zum Beispiel Jugendfreizeitheime, Museen oder auch Einrichtungen der Umweltbildung verstärkt genutzt werden. Dies würde den geforderten Unterricht in Halbgruppen wesentlich erleichtern, ohne jeweils für eine Gruppe in den digitalen Distanzunterricht umschalten zu müssen.

Mehrere Vertreterinnen von Umweltbildungseinrichtungen in Bremen haben diesen Vorschlag aufgegriffen und fordern von der Bremer Bildungsbehörde eine gemeinsame Strategie. „Angesichts der vielfältigen Angebote der Umweltbildung Bremen müsste es zu einer regelmäßigen und dauerhaften Zusammenarbeit mit Schulen kommen. Dadurch könnte auch das Lehrpersonal entlastet werden“, sagt Sabine Schweitzer.

Umwelt-, Klima- und Naturschutz anschaulich vermitteln

In anderen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen oder Baden Württemberg würde es solche Rahmenvereinbarungen zwischen Schulen und außerschulischen Lernorten bereits geben. „Denn Umwelt-, Klima- und Naturschutz sind zu wichtig für unser aller gemeinsame Zukunft“, sagt Schweitzer, „und in den außerschulischen Lernorten werden sie themenspezifisch Kindern anschaulich und lebendig vermittelt.“

Tanja Greiß, die beim BUND Bremen die Umweltbildung leitet, kann ein Lied davon singen, wie Natur in der Schule meist nur über Sprache und Abbildungen nahe gebracht wird: „Mein Sohn lernte zum Beispiel Schnecken nur durch Fotos und Wörter kennen. Als Aufgabe sollte er die Körperteile einer Schnecke beschriften – ein lebendiges Tier bekam er im Unterricht nie zu Gesicht.“ Das Lernen vor Ort, draußen in der Natur, sei dagegen eine Kontaktaufnahme mit allen Sinnen, und dabei würden sich bei den Schülern von selbst neue Fragen auftun – die Neugier, das explorative Verhalten werde geweckt, so Tanja Greiß.

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Die Umweltbildung Bremen, seit 2007 von der Umweltbehörde unterstützt, koordiniert derzeit zwölf bremische Umweltbildungseinrichtungen, die eine große Vielfalt an Themen zu Umwelt- und Klimaschutz sowie Naturwissen anbieten – von Insekten über Fledermäusen bis zum Erkunden von Wald oder Teich. Der Bedarf seitens der Schulen sei riesig, sagt Sabine Schweitzer. „So hat die Stiftung Nord West Natur zum Beispiel jüngst für das ‚Blaue Klassenzimmer‘ einen weiteren Teich angelegt, um den vielen Anfragen von Schülern gerecht zu werden“, sagt Rebekka Lemb, Geschäftsführerin von Nord West Natur.

Und auch in der kalten Jahreszeit könnten Kinder und Jugendliche in den außerschulischen Lerneinrichtungen aktiv werden – zum Beispiel die Überlebensstrategien von Tieren und Pflanzen im Winter erforschen. „Vogelbeobachtungen sind ja bei kahlen Bäumen und Büschen einfacher“, sagt Tanja Greiß, die auch dafür plädiert, die Natur in unmittelbarer Nähe der Schulen stärker ins Blickfeld zu rücken. „Umweltpädagogen können in die Schulen gehen und dort zum Beispiel wöchentliche Natur-Arbeitsgemeinschaften anbieten. Doch derzeit mangelt es vor allem an Geld für solche Angebote“, sagt Tanja Greiß.

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Die Akteure in der Umweltbildung wünschen sich, dass ein Konzept für eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Bildungsbehörde und außerschulischen Anbietern gearbeitet wird. Und ein solches Konzept solle auch den großen Unterschieden zwischen den Bremer Stadtteilen gerecht werden. „In Bereichen, die vom Bildungsbürgertum geprägt sind, ist bei Kindern oft schon viel Wissen über Natur vorhanden. In sozialen Brennpunkten müssen wir dagegen häufig erst einmal daran arbeiten, eine negative Einstellung zur Natur zu überwinden“, sagt Tanja Greiß vom BUND Bremen.

Weitere Informationen

Die aktuellen Angebote unter der Koordination der Umweltbildung Bremen finden sich unter www.umweltbildung-bremen.de/angebote.

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