Sanierungsarbeiten Warum Bremen rund drei Millionen Euro in das Unibad stecken will

Das Bremer Unibad ist ziemlich marode, eigentlich sollte es schon stillgelegt sein. Nun soll ein letztes Mal Geld in die Anlage gesteckt werden. Hintergrund ist die Verzögerung beim Neubau des Westbades.
03.06.2022, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Warum Bremen rund drei Millionen Euro in das Unibad stecken will
Von Jürgen Theiner

Der Senat wird voraussichtlich ein letztes Mal einen Millionenbetrag locker machen, um den Weiterbetrieb des Unibades bis 2024/25 zu ermöglichen. Die Wissenschaftsbehörde, die für das Gebäude auf dem Universitätsgelände zuständig ist, hat entsprechende Informationen des WESER-KURIER bestätigt. Ob das Bad im Zuge der technischen Ertüchtigung auch wieder für die Öffentlichkeit zugänglich wird, ist dagegen noch offen. Aktuell wird es nur für den Schul- und Vereinssport genutzt.

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Das Unibad ist der Dino unter den Bremer Hallenbädern. 1978 eingeweiht, sollte es mit seinen 50-Meter-Bahnen von Beginn an vor allem eine Heimstätte für den Leistungssport sein. Das Bad hat allerdings auch bei Hobbyschwimmern eine große Fangemeinde. Über 40 Jahre ist die Anlage nun schon in Betrieb, und das sieht man ihr auch an. Die letzte größere Instandsetzungsinvestition liegt bereits sechs Jahre zurück. Seinerzeit wurde das Lüftungssystem umfassend modernisiert, nachdem in der alten Anlage Schimmelpilze und Mineralfasern gefunden worden waren. 1,1 Millionen Euro gab die Universität als Eigentümerin des Gebäudes damals aus.

Zusammenhang mit Westbad-Neubau

Nun soll erneut Geld in die Hand genommen werden. Hintergrund ist die Verzögerung beim Neubau des Westbades in Walle. Nach dem ursprünglichen Zeitplan sollte dieses Projekt bereits abgeschlossen sein, doch es wurde mehrfach zurückgeworfen, unter anderem weil sich die stadteigene Bremer Bäder GmbH als Bauherrin von Planungsbüros trennte. Solange aber die neue Waller Schwimmhalle noch nicht steht, würde eine Schließung des maroden Unibades die Schwimmsportkapazitäten in der Stadt arg einschränken – zumal auch im Vegesacker Kombibad ein größerer Umbau mit zeitweiser Schließung bevorsteht.

In der Wissenschaftsbehörde ist man sich über diese Zusammenhänge im Klaren. Nach Darstellung von Staatsrat Tim Cordßen-Ryglewski hat das Immobilienmanagement der Uni vor rund drei Wochen eine schriftliche Einschätzung zu der Frage geliefert, was nötig wäre, um das Unibad noch mindestens zwei Jahre offenzuhalten. Unverzichtbar wären demnach einige Maßnahmen am Baukörper (Fliesen, Beton- und Beckensanierung). Auch im Bereich Pumpen/Lüftung müsste etwas getan werden, letztlich auch bei Schalttechnik und Beleuchtung. Die entsprechenden Kosten wurden mit rund 1,5 Millionen Euro überschlägig berechnet. Für den sonstigen Erhalt der Infrastruktur müssten demnach jährlich weitere 600.000 Euro veranschlagt werden, sodass für zwei bis drei Jahre mit Gesamtaufwendungen von um die drei Millionen Euro zu kalkulieren wäre.

Gespräche auf Senatsebene

Aus dem Etat der Universität – so viel ist klar – kann das Geld nicht kommen, jedenfalls nicht allein. Die Uni hat zuletzt bereits auf zugesagte finanzielle Zuwächse verzichten müssen, wie überhaupt der gesamte Wissenschaftsbereich aktuell im Fokus weiterer Sparanstrengungen des Senats steht. Woher also die drei Millionen Euro nehmen? Tim Cordßen-Ryglewski ist trotz der angespannten Finanzlage zuversichtlich, dass der Betrag zusammengekratzt werden kann. Es gebe entsprechende Gespräche auf Senatsebene, die ihn optimistisch stimmten, sagt er. Der Staatsrat geht zudem davon aus, dass das Unibad nach der Ertüchtigung nicht nur den Vereinen und dem Schulsport zur Verfügung stehen wird, sondern wie früher auch Freizeitschwimmern. "Wir schaffen jedenfalls die Voraussetzungen dafür", so Cordßen-Ryglewski.

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Fragt man die Bremer Bäder GmbH, klingt das anders. Das städtische Unternehmen ist für die Bewirtschaftung der Bäder zuständig, sowohl in den eigenen Häusern als auch im Unibad. Geschäftsführerin Martina Baden hält es nicht für sinnvoll, sowohl das neugestaltete Horner Bad als auch das Unibad, die kaum einen Kilometer Luftlinie voneinander entfernt sind, für den normalen Publikumsverkehr zu öffnen. "Dafür hätten wir auch gar nicht das Personal", macht die Bäderchefin deutlich. Wenn politisch etwas anderes gewollt sei, brauche die Bäder GmbH einen höheren Betriebskostenzuschuss durch die Stadt. Baden hält es für sinnvoller, am Unibad weiterhin den Schul- und Vereinssport zu konzentrieren.

Dass die Stadt am Unibad einen größeren Betrag in die Instandhaltung stecken will, begrüßt Baden indes. So lasse sich das Ausfallrisiko des Standortes Unibad während der Bauzeit des neuen Westbades deutlich senken. Mit der Schließung und dem nachfolgenden Abriss der abgängigen Westbadhalle rechnet sie "frühestens zum Jahresende". Das neue Westbad, so kalkuliert Baden, könnte dann "Mitte/Ende 2025" seine Pforten öffnen.

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