Tag der offenen Tür Bremer Universum feiert 10. Geburtstag

Bremen. Seit zehn Jahren lockt der silberne Wal große und kleine Entdecker in seinen Bauch: Das Bremer Universum feierte seinen zehnten Geburtstag mit einem Tag der Offenen Tür. Und viele Fans kamen, um mitzufeiern.
28.02.2010, 03:50
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Bremer Universum feiert 10. Geburtstag
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Staunen am Eingang. 'Wie?', fragt der Mann, 'wir müssen nichts bezahlen?' Er ist mit Frau und Kind gekommen, hat sich brav an die Kasse gestellt und bereits sein Portemonnaie gezückt. Doch dann ihm wird freundlich beschieden, dass er gleich durchgehen kann. Das Universum - mal mit freiem Eintritt, für lau, wie es in der Einladung heißt. Na dann, nur hinein!

Dem Staunen übrigens folgt bei der jungen Familie schnell die Skepsis. 'Tag der offenen Tür, da wird's bestimmt voll sein', vermutet der Vater, und tatsächlich trifft er sofort auf eine Schlange von Menschen, die sich für die nächste Science Show angestellt haben. Im silbernen Wal jedoch, dort, wo die Hauptausstellung - nein: nicht zu sehen, sondern zu benutzen ist, das ist ja die erfolgreiche Idee des Universum - im Bauch des Wals verteilen sich die Besucher. Platz und Ruhe genug, sich mit den Exponaten zu beschäftigen.

Das Universum feiert Geburtstag, deswegen das Angebot, für die Ausstellung mal keinen Eintritt zu zahlen. Zehn Jahre schon lockt diese schillernde Welt der Wissenschaft in Scharen Besucher an. Jung und Alt halten sich dabei durchaus die Waage, wie sich auch beim Tag der offenen Tür zeigt.

Monika Berger ist mit ihrem Mann und den beiden Enkelkindern gekommen. Sie sitzt mit ihnen vor einem Test fürs Kurzzeitgedächtnis. Spielerisch werden Telefonnummern abgefragt, mal mit sieben, mal gar mit zehn Stellen. Die Nummern scheinen auf und sind wieder weg, mal sehen, wie viele davon haften bleiben. Der Vergnügungswert für die Kinder: geht so. Die Erwachsenen wiederum fühlen sich herausgefordert. 'Die zehn Stellen hab? ich mir gemerkt, danach wusste ich die sieben Stellen aber nicht mehr', erzählt Monika Berger. Schnell sucht sie dann wieder etwas, was den Kindern gefällt. Gibt ja genug davon. Diesen großen Stein zum Beispiel, der in der Luft pendelt und unter den man sich legen kann - ein Gefühl ist das, nicht ohne.

Um die Ecke herum, sprüht jemand Wasser in eine Glaskugel. Es ist ein Universum-Mitarbeiter, der eine Pflanze befeuchtet, an der sich Ameisen gütlich tun. Sie zerschneiden die Blätter und transportieren sie durch eine Glasröhre zu einem Pilz, der von den Pflanzenresten kultiviert wird und als Nahrung für die Ameisen dient. Ein ausgeklügeltes System, um das Überleben zu sichern.

Der Mitarbeiter heißt Dirk Stosik. Er ist Student und hilft seit vier Jahren regelmäßig im Universum aus. 'Die Arbeit hier ist abwechslungsreich, und vor allem kommt man mit vielen Menschen zusammen', sagt Stosik. Die Besucher erlebt er unterschiedlich: 'Manche wollen an die Hand genommen werden, andere wieder lässt man besser in Ruhe, die wollen alles selbst erkunden.' Sein Job gefällt ihm sehr, 'er gibt mir auch beruflich eine gute Orientierung'.

Vieles, was den Besuchern gefällt, einiges davon ganz besonders. Das Dinner im Dunkeln zum Beispiel. Unglaublich, wie die Sinne verrückt spielen, wenn kein Licht da ist. 'Eine Kollegin von mir hat etwas gegessen, was ihr unheimlich scharf vorkam, bis sich herausstellte, dass es Mohnkuchen war', erzählt die Angestellte vor dem Eingang zur Dunkelkammer. Sie hat ein Buch ausgelegt, in dem die Besucher ihre Eindrücke niederschreiben können. 'Spannend', steht da, 'unvergesslich', 'eine neue Welt' und: 'Es war sehr lecker und eine tolle Erfahrung.' Begleitet wird das Dinner von Sehbehinderten, so wird aus dem lustigen Spiel eine dann auch wieder ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Blindsein.

Einer ist da, der hat das Universum gleich nach der Eröffnung besucht und danach erst jetzt wieder, zehn Jahre später. 'Von dem, was ich damals gesehen habe, ist vielleicht noch ein Drittel da', stellt Kay-Uwe Potratz fest. Seine Folgerung: 'Es lohnt sich durchaus, auch in kürzeren Zeitabständen wiederzukommen.' Der 44-jährige Lehrer geht mit seiner Mutter durch die Ausstellung. Am Universum gefällt ihm zunächst schon mal die Architektur, der silberne Wal vor allem. 'Außerdem ist es so schön geräumig.' Potratz will sich heute für lau erst einmal nur einen Überblick verschaffen, Appetit holen, wie er sagt. Später im Jahr geht er wieder hin, dann gegen Eintritt, aber so lohnt es sich auch.

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