Flexibles Arbeiten

Homeoffice auch nach der Krise

Twitter will allen Mitarbeitern auch nach Corona uneingeschränkte Arbeit von zu Hause aus erlauben. Auch bei vielen Bremer Firmen wird das Thema Homeoffice gerade diskutiert.
14.05.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Homeoffice auch nach der Krise
Von Stefan Lakeband
Homeoffice auch nach der Krise

Unternehmen überlegen zur Zeit, wie sie das flexible Arbeiten aus dem Homeoffice beibehalten könnten.

Sebastian Gollnow

Auch nach der Corona-Pandemie können wohl viele Beschäftigte von zu Hause aus arbeiten. Das zeigen Rückmeldungen aus der Wirtschaft. Demnach überlegen Unternehmen, wie sie das flexible Arbeiten aus dem Homeoffice beibehalten könnten. Prominentes Beispiel ist der Konzern Twitter mit seinen 4900 Beschäftigten. Er will seinen Mitarbeitern erlauben, auch nach dem Ende der Corona-Krise uneingeschränkt im Homeoffice zu bleiben. Auch Firmen aus Bremen denken darüber nach, mobiles Arbeiten von zu Hause auszuweiten.

„Ich bin überzeugt davon, dass das Homeoffice nach der Corona-Krise mehr Verbreitung finden wird als vorher“, sagt Cornelius Neumann-Redlin, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände im Land Bremen. Er bezweifelt aber, dass viele Firmen dem Ex­trembeispiel Twitter folgen werden. „Twitter ist anders aufgestellt als die meisten Unternehmen in Bremen“, sagt Neumann-Redlin. Gleichwohl habe er von Betrieben gehört, die positive Erfahrungen mit dem Homeoffice gemacht hätten.

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Ein Unternehmen ist der Architektur- und Ingenieurdienstleister Sweco. „Wir haben von jetzt auf gleich ganze Teams ins Homeoffice geschickt“, sagt Ina Brandes, Präsidentin für Deutschland und Zentraleuropa. Das habe die Art zu arbeiten verändert. Bei den Infrastruktur- und Großbauprojekten, die Sweco betreue, sei eine reibungslose Organisation wichtig. Die sei durch die Heimarbeit etlicher Mitarbeiter aber erschwert worden. „Deshalb haben unsere Projektleiter ihre Art der Kommunikation überdacht“, sagt Brandes. Das Ergebnis: Die Mitarbeiter seien effizienter geworden.

Schon vor der Pandemie sei die Arbeit aus den eigenen vier Wänden durch eine Betriebsvereinbarung geregelt gewesen; Brandes will nun aber die Arbeitsweise noch weiter flexibilisieren. Ein einhundertprozentiges Homeoffice, wie es der Internetkonzern Twitter erlauben will, soll es bei Sweco aber nicht geben. Dafür sei der persönliche Austausch mit den Kollegen zu wichtig. „Das virtuelle Feierabendbier ersetzt nicht das Gespräch an der Kaffeemaschine“, sagt Brandes. Diese Rückmeldung haben sie auch aus der Belegschaft bekommen.

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Gleiches gilt für das Versorgungsunternehmen Hansewasser. Auch hier habe man festgestellt, dass Mitarbeitern häufig die soziale Komponente der Arbeit fehle, sagt Sprecher Oliver Ladeur. Trotzdem geht er davon aus, dass künftig mehr Beschäftigte von zu Hause aus arbeiten werden. Das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB prüft aktuell, wie Arbeitsweisen, die während der Corona-Krise eingeführt wurden, beibehalten werden können. „Wir wollen nicht zum Ausgangspunkt zurückkehren“, sagt Sprecher Günther Hörbst.

Rund die Hälfte der Mitarbeiter haben zwischenzeitlich aus den eigenen vier Wänden heraus gearbeitet. Um das zu ermöglichen, habe das Unternehmen auch nach Lösungen für Mitarbeiter gesucht, deren Aufgaben sich nicht so leicht ins Homeoffice verlegen ließen. So seien unter anderem Lösungen gefunden worden für Arbeiten, die eigentlich in den Reinräumen stattfänden, und nun zu Hause von Mitarbeitern erledigt werden könnten. Die Angst, sagt Hörbst, dass unter dem Homeoffice die Effizienz des Unternehmens leiden könne, sei unbegründet.

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Vor dem Ausbruch der Pandemie waren laut einer Befragung der Arbeitnehmerkammer im Land Bremen etwa 20 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice tätig – zumindest zeitweise. Wie hoch dieser Wert aktuell ist, ist nicht klar. Er dürfte jedoch deutlich gestiegen sein. Je häufiger Homeoffice in Bremer Unternehmen möglich sei, desto weniger würde gependelt werden, glaubt Nathalie Sander, Sprecherin der Arbeitnehmerkammer. Rund 140 000 Menschen fahren für ihre Arbeit nach Bremen und Bremerhaven. „Diese Menschen verbringen einen Teil ihrer Lebenszeit im Auto oder der Bahn und wären sicher froh, auch von zu Hause aus arbeiten zu können“, sagt sie.

Das kann wiederum positive Effekte auf andere Bereiche haben: Wenn der Arbeitsweg entfällt, kann die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch leichter sein – davon ist Sweco-­Chefin Brandes überzeugt. Sie hält das örtliche und zeitliche flexible Arbeiten daher für einen wichtigen Baustein der Zukunft. Denn durch die Corona-Pandemie sei der Fachkräftemangel nicht verschwunden. Vermehrtes Homeoffice, sagt Brandes, sei eine Möglichkeit, auf potenzielle Mitarbeiter einzugehen und sie vom eigenen Unternehmen zu überzeugen.

Neumann-Redlin von den Unternehmensverbänden spricht sich allerdings gegen das von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) geplante Recht auf Homeoffice aus. Die Firmen – viele durch die Pandemie belastet – stünden gerade vor anderen Aufgaben. „Jedes Unternehmen sollte stattdessen die gesammelten Erfahrungen für sich auswerten und daraus einen Schluss ziehen“, sagt der Hauptgeschäftsführer.

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