Unheilbare Nervenkrankheit bekannter machen

Der ALS-Botschafter aus Bremen-Nord

Die schwere Krankheit ALS hat ihm seine erste Frau genommen. Deshalb engagiert sich der Nord-Bremer Knut Marthiens für die Erforschung der unheilbaren Nervenkrankheit und hat eine private Stiftung gegründet.
19.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Frauke Fischer und Ulrike Troue

Die Bremer ALS-Stiftung ist für Knut Marthiens eine Lebensaufgabe geworden. Er hat diese private Stiftung 2016 gegründet, weil er persönlich und mit der Krankheit, der Amyotrophen Lateralsklerose, als Angehöriger leidvolle Erfahrungen gemacht hat. Seine erste Frau ist an der bislang unheilbaren Nervenkrankheit gestorben.

Neuem gegenüber war Knut Marthiens immer sehr aufgeschlossen. Schon während seines Berufslebens hat der studierte Betriebswirt ein großes Interesse für medizinische Forschung entwickelt.

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Bedingt durch die Muskelkrankheit zweier seiner vier Kinder hat sich der 1941 in Berlin geborene Marthiens für die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke engagiert. Durch die Erkrankung seiner ersten Ehefrau 1999 setzte der Nord-Bremer sich intensiv mit ALS auseinander und war oft auch für andere an ALS erkrankte Menschen ein Ansprechpartner.

Von seinem Kontakt zu Thomas Meyer von der Berliner Charité profitieren inzwischen viele Betroffene. Der regelmäßige Austausch mit dem Experten hat Knut Marthiens dazu bewogen, über Jahre dessen Forschungsprojekte zur Bekämpfung der Krankheit durch Spenden zu unterstützen. Letztlich kam es so zur Stiftungsgründung. Gern verweist der Nord-Bremer auf eine umfangreiche Informationsbroschüre zu dem schwierigen ALS-Krankheitsbild von Thomas Meyer, durch die Betroffene wie Angehörige Wesentliches und Wichtiges über die Erkrankung erfahren können.

Möglichkeiten des Umgangs mit der Krankheit

Der ALS-Experte aus Berlin ist in diesem Monat zu Gast auf der Mitgliederversammlung des Stiftungshauses Bremen im Haus im Park am Klinikum Bremen-Ost und wird über die Krankheit, die Möglichkeiten des Umgangs damit und andere Aspekte sprechen. Für seine langjährige Arbeit wird der Wissenschaftler und Arzt aus Berlin darüber hinaus ebenfalls auf Marthiens Betreiben hin am 9. November im Bremer Rathaus ausgezeichnet. „Als Schirmherrin konnte ich Senatorin Claudia Bernhard gewinnen“, freut sich der Pensionär über deren politischen Beistand.

Die Zugehörigkeit zum Stiftungshaus mit ihren weit über 100 Mitgliedern, Vereinen und Stiftungen möchte Knut Marthiens nun stärker nutzen, um die schwere Nervenkrankheit und die private ALS-Stiftung auch in der Öffentlichkeit ALS bekannter zu machen. Seine Stiftung verfolgt das Ziel, nachhaltige Beiträge zur Erforschung der ALS zu leisten. Deshalb fördert sie eine breite Palette wissenschaftlicher und medizinischer Projekte. Zumal die wenigsten Zeitgenossen wissen, dass die Krankheit ALS in der Regel schnell voranschreitet – so schnell, dass vieles, was Krankenkassen an Hilfeleistungen bewilligen, letztlich zu spät kommt.

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Der Nord-Bremer wünscht sich, dass auch hiesige ALS-Patienten und Angehörige mehr über die Erkrankung erfahren, vor Ort bessere Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch erhalten und zu neuen Behandlungsmethoden kommen. Denn bislang ist seinen Angaben zufolge die Medizinische Hochschule in Hannover (MHH) die nächste Anlaufstelle nach für ALS-Betroffene und deren Familien.

Für seine Stiftung hat Knut Marthiens eine Vision: Die ALS in Zukunft aufhalten, rückgängig machen und langfristig heilen zu können und die Lebensqualität von Betroffenen zu verbessern. Daher hofft er auf Spenderinnen und Spender, die die weitere Stiftungsarbeit unterstützen.

Info

Zur Sache

Das ist ALS

Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine schwerwiegende und bisher nicht heilbare Erkrankung des motorischen Nervensystems. Bei ALS kommt es zu einer fortschreitenden und irreversiblen Schädigung oder Degeneration der Nervenzellen (Neuronen). Da diese für die Muskelbewegungen verantwortlich sind, verlieren Betroffene die Fähigkeit, sich zu bewegen, bis hin zu einer möglichen vollständigen körperlichen Lähmung. Genauere Informationen zur Bremer Stiftung gibt es online unter www.bremer-als-stiftung.de.

Weitere Informationen

Wer sich für die Arbeit der Bremer ALS-Stiftung interessiert oder sie unterstützen möchte, findet weitere Informationen im Internet unter www.bremer-als-stiftung.de.

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