Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ Bremer sammeln Spenden für Kinder in Osteuropa

Seit 17 Jahren engagiert sich Klaudia Laupichler ehrenamtlich als Bremer Sammelstellenleiterin für die Hilfsaktion „Weihnachten im Schuhkarton“ für bedürftige Kinder in Osteuropa.
10.11.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Bremer sammeln Spenden für Kinder in Osteuropa
Von Ulrike Troue

Seit Wochen schon werden in zwölf Ländern Päckchen mit kleinen Geschenken für Kinder in schwierigen Lebenssituationen liebevoll bestückt. Auch Bremerinnen und Bremer sammeln Sach- und Geldspenden für die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“. In Bremen-Nord packen Ehrenamtliche seit mehr als 20 Jahren alljährlich Geschenkkartons für bedürftige Mädchen und Jungen. In Bremen koordiniert Klaudia Laupichler seit 17 Jahren die Hilfsaktion.

Insgesamt 27 Annahmestellen gibt es nach Aussage der ehrenamtlichen Sammelstellenleiterin allein in Bremen. Dort können Spenderinnen und Spender ihre mit Geschenkpapier beklebten Schuhkartons mit Gaben im Wert von maximal 25 Euro abgeben. Bei der Auswahl sollte jeder das Geschlecht und Alter des Empfängerkindes bedenken, rät die Bremer Hebamme aus Findorff, und ein Etikett mit entsprechenden Angaben auf den Karton kleben. Die Bremer Geschenke werden im zentralen Lager in der Vahr gesammelt. Die Räumlichkeiten stelle die Freie Evangelische Brüdergemeinde kostenlos zur Verfügung, informiert Klaudia Laupichler, die selbst Mitglied dieser Gemeinde ist. Von dort müssten die Pakete spätestens Ende November auf die Reise gehen, damit sie rechtzeitig zum Fest in den Zielgebieten vornehmlich in Osteuropa ankommen, erklärt sie.

Lesen Sie auch

Die Präsente würden bei Weihnachtsfeiern mit Tee und Gebäck an arme Kinder verteilt, fährt sie fort. Dazu bekämen die bedürftigen Mädchen und Jungen extra eine Einladung, beschreibt die Findorfferin den Ablauf. Die „Weihnachten im Schuhkarton“-Helfer vor Ort wüssten, wer dazu zähle. „Das ist für viele Kinder ein schönes Erlebnis, ganz spannungsgeladen und manchmal einmalig, weil sie sonst nie Geschenke bekommen“, erzählt die umtriebige Bremerin. Zum Teil würden die Präsentkartons auch mit dem Jeep zu den Kindern gebracht, die in sehr entlegenen Gebieten wohnten.

„Kleine Spielsachen, Legobausätze, Matchboxautos, Puppen, Kuscheltiere oder Schreibsachen sind beliebt“, weiß Klaudia Laupichler. Für manche Mädchen und Jungen seien die Geschenke so einmalig, dass sie sie noch Jahre später in Ehren hielten.

Rückmeldungen motivieren

Spontan fällt ihr ein gebürtiger Rumäne ein, der als Kind durch die Aktion eine Federmappe geschenkt bekommen hat und sie noch heute beim Studium in Deutschland benutzt. Auch eine alleinerziehende Mutter kommt ihr in den Sinn, die bis heute ein Kuscheltier in Ehren hält, das sie für ihr Kind einst dank „Weihnachten im Schuhkarton“ geschenkt bekommen hat.

„Das motiviert“, meint die Findorfferin. Solche positiven Rückmeldungen, auch nach Jahren, sind für Klaudia Laupichler und viele Mitstreiter, unter anderem aus ihrer Kirchengemeinde, ein guter Grund, sich weiterhin für die Aktion zu engagieren.

Seit Oktober bestücken die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer schon Kartons mit aus Spendengeldern finanzierten Geschenken. Obwohl viele Hausfrauen und Rentner die Aktion treu begleiten würden, gebe es jedes Jahr Schwankungen im Helferstab, sagt Klaudia Laupichler. Deshalb seien zupackende Hände immer willkommen. Vor allem während der letzten beiden Packphasen (siehe Info). Im vergangenen Jahr mussten nach Auskunft der Findorfferin in Bremen rund 1800 Schuhkartons in Frachtkartons verladen werden. Mit Bremerhaven seien es rund 3000 gewesen. „Da sind wir schon ganz gut“, beurteilt sie den Beitrag der Hansestädter an der Geschenkaktion für bedürftige Kinder in Osteuropa.

Bedürftigen Kindern eine Freude bereiten

Wie groß die Not der Adressaten ist, davon hat sich die Hebamme vor Jahren mit eigenen Augen überzeugt. Nachdem der Kommunismus in Rumänien durch den Sturz des Diktators Nicolae Ceausescu und dessen Hinrichtung 1989 ein blutiges Ende genommen hatte und ein Jahr später die Bilder von Waisenhäusern mit verwahrlosten Kindern um die Welt gingen, ist Klaudia Laupichler mit vier Freunden aus der Nähe von Wiesbaden mit Hilfstransporten in das Land gereist. In der Nähe von Hermannstadt gab es nach ihrer Auskunft gebürtige Deutsche. Sie seien eine wertvolle Hilfe und zugleich Stützpunkte für die Verteilung, erklärt die freiwillige Helferin, die vor 20 Jahren nach Bremen gezogen ist.

„Wir haben die erbärmliche Situation und das Elend dort gesehen“, erzählt Klaudia Laupichler. Die traurigen Bilder und Erlebnisse führten zu dem Wunsch, den armen Kindern eine Freude bereiten und ihnen weiterhin helfen zu wollen. Und so wurde die Überlegung eines Mitstreiters, die bereits 1993 in den USA entstandene Idee „Operation Christmas Child“ zu übernehmen, in die Tat umgesetzt.

Lesen Sie auch

Das war 1996 der Startschuss für die „Weihnachten im Schuhkarton“-Aktion in den deutschsprachigen Ländern. 2001 wurde daraus „Geschenke der Hoffnung“ und 2019 dann die christliche Hilfsorganisation „Samaritan’s Purse“. Die Aktion ist kontinuierlich gewachsen und geht nun in die 25. Saison. „Gerade in Zeiten der aktuellen Krisen wollen wir jetzt erst recht Kindern Hoffnung schenken“, sagt Rainer Saga als Leiter „Weihnachten im Schuhkarton“ bei „Samaritan’s Purse“.

Info

Zur Sache

358.850 Päckchen gepackt

„Weihnachten im Schuhkarton“ ist eine internationale Aktion, an der sich die christliche Hilfsorganisation „Samaritan’s Purse“ (vorher „Geschenke der Hoffnung“) beteiligt und die von ihr im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz, Südtirol und Liechtenstein) getragen wird. Im vergangenen Jahr haben sich 11 939 Ehrenamtliche aus diesen Ländern für „Weihnachten im Schuhkarton“ engagiert und 358 850 Päckchen für bedürftige Kinder in Bulgarien, Georgien, Kroatien, Lettland, Litauen, Mazedonien, Moldawien, Montenegro, Polen, Rumänien, Slowakei und der Ukraine gepackt.

Weitere Informationen

Eine Übersicht über die Bremer Sammelstellen ist online unter Eingabe der Postleitzahl auf www.weihnachten-im-schuhkarton.org abrufbar. Dort finden sich auch Angaben zum Inhalt und eine Packanleitung. Geschenkkartons können vom 11. bis 13. und 16. bis 23. November jeweils von 15 bis 18 Uhr im Bremer Zentrallager in der Vahr in den Räumen der Freien Evangelischen Brüdergemeinde, Lehrer-Lämpel-Weg 12, abgegeben werden. Zupackende Hände sind ebenfalls willkommen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+