Nach New Yorker H&M-Skandal Bremer Verband: Kein Einzelhändler wirft Ware weg

Bremen. Die schwedische Modekette H&M steht in der Kritik, Kleidungsstücke bewusst zu zerstören, statt sie zu spenden. Beim Einzelhandelsverbandes Nordsee Bremen kann man sich nicht vorstellen, dass ein Unternehmen intakte Ware entsorgt. In Bremen würden Warenlager durch Sonderverkäufe geleert.
12.01.2010, 17:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Andrea Suhn

Bremen. Nachdem in der vergangenen Woche nagelneue H&M-Kleidungsstücke zerschnitten in der Nähe einer New Yorker Filiale entdeckt worden sind, ist die schwedische Modekette in der Kritik. Der Vorwurf: Statt die Kleidung zu spenden, habe H&M die Saisonware bewusst zerstört. In Bremen ist das undenkbar, meint der Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Nordsee Bremen, Wolfgang Brakhane.

Wie die „New York Times“ in der vergangenen Woche berichtete, sei in einer New Yorker H&M-Filiale ungetragene Winterkleidung zerstört worden. Demnach sei in der Nähe des H&M-Stores in Manhatten säckeweise unverkaufte warme Winterkleidung gefunden worden. Diese soll teilweise mit Rasierklingen oder Messern zerschnitten und auf diese Weise unbrauchbar gemacht worden sein. Laut „New York Times“ fehlten an Handschuhen die Finger, bei Männerjacken war die Wattierung herausgerissen.

Angesichts der klirrenden Kälte, die den vielen Obdachlosen in New York zu schaffen macht, folgte nach Bekanntwerden der Vorwürfe in verschiedenen Internet-Netzwerken wie Twitter und Facebook harsche Kritik. Auf der Facebook-Fanpage von H&M erklären einige Schreiber, dass sie die Modekette, die für ihre günstige Kleidung bekannt ist, von nun an boykottieren werden. Auf Nachfrage der Times sagte ein H&M-Sprecher, dass die zerstörte Ware nicht den Qualitätsnormen der Marke entsprochen hätte und deshalb nicht gespendet worden sei. Man wolle jedoch die Spendenpraxis künftig noch einmal überdenken.

Die Sprecherin von H&M Deutschland, Swetlana Ernst, wollte auf Nachfrage nichts zu dem New Yorker Fall sagen. „Ich kann nichts kommentieren, was ich nicht selbst gesehen habe, deshalb kann ich dazu nichts sagen“, sagte Ernst. „Man muss  jetzt auch erstmal abwarten, was dort genau passiert ist.“

Laut Ernst gebe es in allen Filialen einheitliche Regelungen, was mit Kleidungsstücken geschieht, die den Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen nicht entsprechen: Saubere und tragbare Ware würde demnach an Hilfsorganisationen wie Caritas oder das Rote Kreuz gespendet. Nur wenn Kleidungsstücke nicht den entsprechenden Anforderungen genügten, würden sie vernichtet werden. „Wenn ein Kunde beispielsweise ein T-Shirt reklamiert, das riesige Löcher bekommen hat oder ein Kleidungsstück durch eine geplatzte Farbpatrone (die H&M als Warensicherung einsetzt,  Anmerkung der Redaktion)  völlig verfärbt ist, wird es entsorgt“, sagt Ernst.

Was geschieht jedoch mit unverkaufter Saisonware, wie unverkaufter Winterkleidung? Wird diese ebenfalls gespendet? Laut Swetlana Ernst gebe es solche "Reste" bei H&M nicht.  „Wir reduzieren unsere Artikel so lange bis wirklich alles weg ist“, sagte sie.

Auch Wolfgang Brakhane, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Nordsee Bremen, kann sich nicht vorstellen, dass ein Unternehmen intakte Ware einfach so entsorgt.  „Kein Händler schmeißt etwas weg“, ist er sich sicher. Durch Sonderverkäufe, wie den inoffiziellen Winterschlussverkauf oder andere Rabatt-Verkaufsaktionen würden die Lager der Händler gut geleert. „Die Warenmenge, die nach den Rabatt-Aktionen tatsächlich übrig bleibt, ist so gering, dass man das eigentlich vernachlässigen kann“, sagt er.

Ware, die dennoch übrig ist, werde entweder erneut eingelagert und in der kommenden Saison wieder zu reduzierten Preis angeboten oder teilweise gespendet. Einige Unternehmen verkauften ihre Mängelware auch in so genannten Outlets, in denen Markenwaren mit kleinen Fehlern zu günstigeren Preisen verkauft wird.

Warum die Kleidung in der New Yorker Filiale zerstört wurde, ist bisher unbekannt. Sicher dürfte jedoch sein, dass ein Obdachloser sich nicht über etwaige Qualitätsmängel oder Verfärbungen beschwert hätte.

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