Bremer Verein betreibt Traditionsbad

Ein ehrenamtliches Sommerbad

Der kleinste Bremer Badesee ist eine Art gemeinschaftlicher Familienbetrieb, denn die Aktivposten des Vereins Freizeitstätte Arberger Sommerbad stellen Betrieb und Erhalt des Traditionsbades sicher.
18.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Ein ehrenamtliches Sommerbad
Von Ulrike Troue
Ein ehrenamtliches Sommerbad

Sebastian Stapper (von links), Marlene Dörnte und Vereinschef Rainer Bergmann gehören zu den Freiwilligen, die den Badebetrieb in der Arberger Rottkuhle sicherstellen.

Frank Koch

Wer an der Arberger Heerstraße den Weg zwischen den Wohnhäusern zur Rottkuhle gefunden hat, staunt nicht schlecht: Der mit rund 2800 Quadratmetern kleinste Badesee Bremens ist mit allem ausgestattet, was Besucher mit einem Freibad verbinden. Mit dem durch Bojen abgetrennten Nichtschwimmer- vom Schwimmerbereich und festem Beckenrand, Sprungbrett, Sanitär- und Umkleidetrakt, Spielplatz, Liegewiese und Kiosk verbreitet er das Flair einer Badeanstalt aus den 1980er-Jahren. Dazu passen auch die niedrigen Preise.

Die Besonderheit ist jedoch: Den Badebetrieb halten ausschließlich Ehrenamtliche aufrecht. Sie haben sich dem Verein Freizeitstätte Arberger Sommerbad angeschlossen und arbeiten regelmäßig freiwillig mit.

Herausforderung bei Sicherstellung der Öffnungszeiten

„Ein Hammerprojekt“, meint Sebastian Stapper – und damit auch viel Arbeit, noch mehr Ehrgeiz und vor allem Einsatzfreude. „Jeder tut etwas für den anderen“, sagt der Hemelinger, der Beiratsmitglied im Vorstand ist. Weil alle berufstätig seien, stelle die Sicherstellung der Öffnungszeiten die größte Herausforderung dar, berichtet Stapper. „Aber bislang haben wir das Glück, dass sich immer jemand findet.“ Vielleicht spiele ihnen in diesem Jahr auch Corona in die Hände, weil nur wenige Menschen verreisen, mutmaßt Oliver Möller. Der Arberger ist selbst seit 25 Jahren fürs Sommerbad aktiv und stellt mit Bedauern fest, dass die Bereitschaft, sich zu engagieren, früher größer gewesen ist.

Die Motivation ist für die beiden sportlichen Männer, den Vereinsvorsitzenden Rainer Bergmann und die anderen 15 bis 20 fleißigen Zupacker im Verein die gleiche: Sie wollen dieses beschauliche Naturbad erhalten – für sich, ihre Kinder, die Arberger, andere Badegäste aus dem Bremer Osten und künftige Generationen.

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„Es ist sehr übersichtlich, familiär, man kennt sich“, sagt Sebastian Stapper und spricht von Familientradition, weil die Kinder quasi ins Ehrenamt reinwachsen würden. Damit ist das beschauliche Bad im Grunde eine Art gemeinschaftlicher Familienbetrieb, der sowohl auf älteren als auch jüngeren Schultern ruht. Als Sven sich erkundigt, ob der weiße Schwimmring seiner Tochter irgendwo gefunden worden ist, zeigt Robin Möller ins Schilf im hinteren Seeufer. „Ich hole ihn morgen raus“, verspricht das mit 15 Jahren jüngste Vorstandsmitglied. Der junge Arberger ist unter anderem fürs Mähen und Bewässern der riesigen Rasenfläche verantwortlich und betreut die Werkstatt, wegen des hohen Eigenleistungsanteils das Herzstück des Bades.

Robin ist seit Saisonbeginn am 13. Juni täglich vor Ort. Ebenso der Vereinsvorsitzende Rainer Bergmann. Dieser ist nach eigener Aussage morgens ab 8 Uhr im Bad, um „klar Schiff zu machen“, und abends der letzte.

Freibad wird seit 1986 ehrenamtlich betrieben

Der 61-Jährige erzählt, dass die eigentümliche Bezeichnung Rottkuhle sich vom plattdeutschen „Verrotten“ ableitet und ursprünglich einen Ort bezeichnete, wo geernteter Flachs verrottete. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wird das Gewässer seines Wissens als Freibad genutzt. „Ich habe in der Rottkuhle schon mein Freischwimmabzeichen gemacht“, blickt er auf die Zeit zurück, als das Sommerbad noch in städtischer Hand gewesen ist. Nachdem das Bad in den 1980er-Jahren verkauft werden sollte, hätten 18 Arberger Bürgerinnen und Bürger 1986 den Verein Freizeitstätte Arberger Sommerbad e. V. gegründet, erinnert sich Bergmann. Dieser betreibt das Freibad seither rein ehrenamtlich und hat das Gelände nach und nach umgestaltet, unter anderem den Spielplatz erweitert und ein Grillpavillon aufgestellt. Die Investitionen zur Attraktivitätssteigerung stammen aus Mitgliedsbeiträgen, Vermietungen für Feiern oder an Vereine, Spenden und Veranstaltungen wie den Weihnachtsmarkt.

GiB - Gemeinsam in Bremen - Arberger Sommerbad - Seebad Rottkuhle - vl. Sebastian Stapper, Marlene Dörnte und Rainer Bergmann

GiB - Gemeinsam in Bremen - Arberger Sommerbad - Seebad Rottkuhle - vl. Sebastian Stapper, Marlene Dörnte und Rainer Bergmann

Foto: Frank Thomas Koch

Als junger Familienvater ist Rainer Bergmann dem Verein 1989 beigetreten. Seit
23 Jahren engagiert sich der Arberger ehrenamtlich im Vorstand, seit 15 Jahren ist er Vereinschef. „Immer viel Arbeit“, lautet sein Fazit. „Wir machen alles selbst“, konstatiert er. Dieses Mal war es besonders viel Aufwand, weil zu den saisonvorbereitenden Arbeiten auf dem Gelände und den Dienstplänen für Kasse und Kiosk noch ein umfassendes Hygiene- und Schutzkonzept mit täglichen Desinfektionsmaßnahmen aufgestellt werden musste.

Marlene Dörnte verbringt im Sommer ebenfalls ihre gesamte Freizeit im Freibad in ihrer Nachbarschaft. „Ich bin wegen der Rottkuhle vor sechs Jahren nach Arbergen gezogen“, sagt die gebürtige Schwäbin. Sie kassiert oft Eintritt und hat dabei wie alle anderen auch immer ein Auge auf das Treiben im See und auf der Wiese. Außerdem organisiert die Mutter eines Sohnes besondere Aktionen für Kinder. Das alles nicht nur, weil sie Menschen mag. „Hier ist alles Natur, kein Plastik, kein Chlorwasser“, stellt Dörnte ihre ökologisch motivierten Beweggründe heraus.

Wer sich an herabfallendem Laub, Tieren und Pflanzen im Wasser oder morastigem Untergrund störe, dürfte keinen Spaß beim Baden im Arberger Sommerbad haben, glaubt Sebastian Stapper. Die geringe Sichttiefe hänge mit dem im Wasser gelösten Eisen zusammen, das die Braunfärbung verursacht, erklärt er.

Exzellente Wasserqualität

„Trotzdem ist die Wasserqualität nahezu exzellent“, weist der dreifache Familienvater aus Hemelingen auf die Ergebnisse der wöchentlichen Kontrollen durch das Wasserwirtschaftsamt hin. Die natürliche Bodenfilteranlage, die von der öffentlichen Hand finanziert worden ist, können Badegäste an den Wasserfontänen auf dem Hügel auf der Liegewiese erkennen. Die eine im dritten abgesperrten Abschnitt des Badesees markiert eine weitere Tabu-Zone. „Da ist der Ruhebereich für die Fische“, berichtet Oliver Möller.

„Wir wollen den Aspekt der Freizeitstätte stärker herausstellen“, erzählt Sebastian Stapper noch. Daher wurden ein Fußballplatz und ein Beachvolleyballfeld angelegt, wo mittwochs ab 19 Uhr Interessierte zum Mixed-Match willkommen sind.

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Weitere Informationen

Das Arberger Sommerbad, Arberger Heerstraße 37, ist bis Mitte September täglich von 14 bis 18 Uhr geöffnet, in den Ferien ab 10 Uhr. Kinder zahlen 1,20 Euro, Erwachsene 2,80 Euro Eintritt, Vereinsmitglieder nichts. Mehr Infos unter www.seen.de/rottkuhle-arbergen.

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