Kinder in Bangladesch Eine stolze Bilanz

Der Verein „Kinder in Bangladesch“ schließt sich nun einem größeren Verbund an, um die Bildung und Infrastruktur in der Umgebung der Schulen in dem südasiatischen Land noch besser fördern zu können.
15.12.2020, 05:00
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Eine stolze Bilanz
Von Frauke Fischer

Als Vorsitzender des Vereins „Kinder in Bangladesch“ ist Murat Y. Çil froh über das, was er, seine Frau Birthe und weitere aktive Unterstützerinnen und Unterstützer bereits erreicht haben, um die Bildung in dem südasiatischen Land zu fördern. „Wir haben durch unsere Arbeit als Verein in Bangladesch und Deutschland viel bewegen können“, betont der Bremer. „Wir haben eine komplette High-School aufgebaut und deren Unterhalt finanziert“, erinnert Murat Y. Çil an die größte Hilfsaktion. „Wir konnten viele Kinder vor der Kinderarbeit sowie Mädchen vor früher Hochzeit bewahren“, berichtet er.

Man habe die Infrastruktur in einer unterprivilegierten Region in einem der ärmsten Länder der Welt mit positiv beeinflusst, blickt der leitende Oberarzt am Bremer St. Joseph-Stift mit dem Fachgebiet Augenheilkunde zurück – und große Freude über das Erreichte klingt mit. „Viele kleinere Projekte unseres Vereins haben dazu geführt, dass Menschen und speziell die Kinder und Jugendlichen vor Ort eine bessere Ausgangssituation in ihrem Leben bekommen.“

In dem Zusammenhang verweist Çil auf den Bau von Brunnen und außerdem konkrete Hilfen bei individuellen persönlichen Schicksalsschlägen. Der Verein habe zum Beispiel auch Menschen finanziell unter die Arme gegriffen, deren Häuser zerstört wurden.

Bremer Hilfe vor Ort koordiniert

Der Bremer Oberarzt hat sich bis 2019 immer wieder in dem fernen asiatischen Land umgesehen, von den Bremern initiierte Projekte besucht und andere Förderer vor Ort getroffen. Auf diese Weise hat er vor Ort erkundet, wo weitere Hilfen möglich und notwendig sind und die Bremer Hilfe koordiniert. Gemeinsam mit anderen Vorstandsmitgliedern war er zuletzt im April 2019 dort. Dabei haben Vereinschef Çil und sein Stellvertreter Ali Suruz Syed in Dhaka den Ökonom und Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus getroffen und mit ihm Kooperationsmöglichkeiten erörtert.

Das größte Projekt aber ist für Çil der Bau und Unterhalt der High-School in Kurshi. „Sie ist im Laufe des Jahres unabhängig geworden, geht an den Staat über und bedarf dann keiner weiteren Unterstützung mehr durch uns als Verein“, sagt er. „Auf diese Entwicklung sind wir sehr stolz“, schiebt er nach und dankt allen Spendern für deren Unterstützung und Vertrauen.

Doch die Hilfe in Bangladesch ist für den Bremer Arzt und seine Mitstreiter damit nicht beendet. „Wir gehen nur neue Wege“, sagt er. Um noch effektiver arbeiten zu können, hat sich „Kinder in Bangladesch“ mit dem Verein „Netz e.V.“ in Wetzlar zusammen getan. Mit ihm pflegen die Bremer nach Auskunft von Murat Y. Çil schon seit vielen Jahren einen engen freundschaftlichen Kontakt. „Wir haben lange überlegt, wie wir noch mehr Kinder Schulbildung nahebringen können“, sagt er. Seit mehr als 30 Jahren hilft der Verein „Netz e.V.“ in Bangladesch in der Bildungsarbeit und dabei, die Lebensumstände für Kinder und Frauen zu verbessern. Der Wetzlarer Verein mache eine „beeindruckende Arbeit“, findet Çil, es gebe viele „vertrauenswürdige und engagierte Mitarbeiter sowie Mitglieder“.

Durch seine Strukturen und Möglichkeiten sei es dem Verein „Netz e.V.“ auch in der Pandemie gelungen, eine Nothilfe auf die Beine stellen. So konnte mithilfe der lokalen Partner vor Ort 100 000 Menschen im Nordwesten Bangladeschs geholfen werden, so der Bremer Arzt, die drastischen Auswirkungen der Corona-Pandemie etwas abzumildern: Familien bekamen Nahrungsmittel, Schutzmasken und wichtige Medikamente.

Zu dieser Katastrophe kam noch hinzu, dass die Monsunregen in diesem Jahr zu massiven Überflutungen in den flussreichen Regionen geführt hätten, schreibt der Vereinsvorsitzende an die Mitglieder. Tausende Menschen seien seit Juni infolge von wochenlangem Hochwasser obdachlos geworden, hätten ihr Vieh und Nahrungsmittelvorräte verloren. Murat Y. Çil ist daher erleichtert darüber, dass durch die Unterstützung durch den Verein „Netz e.V.“ die Betroffenen ihre Existenzen nach der Flut wieder aufbauen konnten.

Synergieeffekte nutzen

All das sind für ihn wichtige Gründe, ab 2021 enger mit dem Verein „Netz e.V.“ zusammenzuarbeiten. Der Bremer Verein „Kinder in Bangladesch“ soll zum Jahresende aufgelöst werden, „um die Synergieeffekte beider Vereine im Sinne des gemeinsamen Ziels ‚Bildung in Bangladesch‘ noch besser zu nutzen und zu verstärken“, erklärt er. „Im Sinne der Kinder und Jugendlichen in Bangladesch setzen wir unsere ehrenamtliche Arbeit als norddeutsche Dependance von ‚Netz e.V.‘ fort.“

Ein großes gemeinsames Projekt gibt es nach Çils Auskunft bereits. „Inklusiver Zugang zu hochwertiger Grundschulbildung an 44 Dorfschulen in entlegenen Regionen Bangladeschs“, sagt der Mediziner. „Mit diesem Projekt haben wir die Möglichkeit, viele Menschen zu erreichen, denen der Zugang zu Bildung sonst verwehrt geblieben wäre. Und über die Kinder erreichen wir auch deren Familien und ganze Dörfer.“ Die Abdeckung durch staatliche Grundschulen in abgelegenen Gebieten Bangladeschs sei mangelhaft, weiß der Bremer Arzt. Unterstützung bekommt „Netz e.V.“ dafür auch von anderer offizieller Seite. „Dies ist ein Projekt, das größtenteils vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mitfinanziert wird“, so Murat Y. Çil.

Weitere Informationen

Weitere Informationen können Interessierte im Internet unter der Adresse www.kinder-in-bangladesch.de. oder über die Netzzentrale in Wetzlar unter der Telefonnummer 064 41 / 97 46 30 bekommen.

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