Abgesagte Veranstaltungen haben Konsequenzen Bremer Vereinen und Stiftungen fehlen Spendengelder

Benefizveranstaltungen sind für gemeinnützige Vereine, Stiftungen und Organisationen eine tragende Einnahmesäule. Weil aufgrund der Corona-Beschränkungen das Meiste abgesagt werden musste, fehlen diese Spenden.
04.12.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Bremer Vereinen und Stiftungen fehlen Spendengelder
Von Ulrike Troue

Gemeinnützige Vereine, Stiftungen und Initiativen in Bremen leiden unter der Corona-Krise in doppeltem Maß. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen können sie keine Veranstaltungen anbieten. Zudem fallen Benefizkonzerte oder Turniere aus. Und gerade die sind für die meisten wohltätigen Organisationen tragende Einnahmesäule. Mit anderen Worten: Diese Spenden fehlen. Ein Überblick.

SOS-Kinderdorfzentrum: Das abgesagte „Bremer Weihnachtssingen“ reißt nicht nur ein Loch ins Säckel der „Weihnachtshilfe“ des WESER-KURIER für bedürfte Kinder. Nein, es lässt auch eine Lücke im Budget für Veranstaltungen und Angebote im Stadtteil- und Familienzentrum in der Neustadt aufklaffen, weiß Sylvia Schikker, Pressesprecherin des SOS-Kinderdorfzentrums. Dafür gebe es keine Unterstützung seitens der Stadt. Den Spendenausfall durch diesen gestrichenen Termin und den ausgefallenen „Bremen Eins Adventsnachmittag“ beziffert Schikker auf 6000 Euro. Auch die derzeitigen Spendeneinnahmen lägen unter denen des Vorjahres. „Durch die aktuelle Situation fehlen uns im Stadtteil- und Familienzentrum Einnahmen im mittleren fünfstelligen Bereich“, bilanziert sie für die gesamte Corona-Zeit.

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Bremer Krebsgesellschaft: Mit der Absage der Bremer Gala gegen Krebs im Frühjahr „fehlt ein wichtiges finanzielles Standbein“, berichtet auch Wilfried Hautop als Geschäftsführer der Bremer Krebsgesellschaft. Die Gala für 450 Gäste in der Oberen Rathaushalle wird alle zwei Jahre veranstaltet und bringt dem Verein laut Hautop „deutlich über 100.000 Euro“. Da die Angestellten und Angebote der Bremer Krebsgesellschaft ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert würden, müsse wohl oder übel auf die Notreserve zurückgegriffen werden.

Nun plant das Deutsche Ärzteorchester für den 27. März in der „Glocke“ ein Benefizkonzert für die Bremer Krebsgesellschaft. Doch Wilfried Hautop befürchtet, dass es ausfällt oder nur eine sehr begrenzte Zuhörerzahl zugelassen wird, was finanziell eine „Nullnummer“ wäre. „Es fehlen die Begegnungen“, sagt der Geschäftsführer und empfindet das momentan als größtes Handicap, ohne die geltenden Kontaktbeschränkungen infrage stellen zu wollen. „Aber als Organisation hat man wenig Chancen, sich in Erinnerung zu bringen oder Begeisterung zu wecken“, erklärt Hautop. „Weniger Ansprache bedeutet auch weniger Zuwachs und Spenden.“

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Stiftung Bremer Herzen: Dieser Einschätzung schließt sich Rainer Hambrecht an, Vorsitzender der Stiftung Bremer Herzen und Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Klinikum Links der Weser. Bei den über das Jahr gestreuten Veranstaltungen wie „Bremen läuft 10“, den „Bremer Herztagen“ oder der „Bremer Herzolympiade“ erfahre die Stiftung guten Zuspruch, sagt er, auch in Form von kleinen Spenden, die hilfreich seien. Die mussten wegen der Pandemie immer wieder verschoben werden.

Für das Frühjahr 2021 hätte die Stiftung die dritte „Große-Herzen-Gala“ anvisiert, informiert der Stiftungsvorsitzende. Der im Zwei-Jahres-Rhythmus organisierte Benefizabend mit über 500 Gästen werde ausfallen müssen, bedauert Rainer Hambrecht. Damit bricht der Stiftung Bremer Herzen ein starker „Einnahmeblock“ für die Finanzierung ihrer beiden Aufgabenschwerpunkte weg: der Präventionsarbeit zu Herz-Kreislauferkrankungen (Vorsorge, Gesundheitsförderung) und der medizinischen Forschungstätigkeit im Herzzentrum.

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Trauerland: Gestrichene Benefizkonzerte, Fußball- oder Golfturniere „haben wir deutlich gemerkt“, bekräftigt Yvonne Ritzmann. Sie ist im Verein „Trauerland – Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche“ fürs Fundraising zuständig. „Das Problem ist, dass selbst die Spender oft nicht wissen, wie es weitergehen könnte, und sie zum Teil selber auf Hilfe der Stadt angewiesen sind“, sagt sie. „Das ist alles im Moment schwierig“, bilanziert Ritzmann. Der Verein konzentriere sich deshalb auf seine originären Ziele und habe „online viel für die Kindergruppen gemacht“.

Wilhelm-Kaisen-Bürgerhilfe: Eine kreative Alternative hat die Wilhelm-Kaisen-Bürgerhilfe entwickelt, um Spenden für wichtige Einrichtungen und Projekte zu generieren. Sie hat das traditionelle Bürgermahl zum „Bürgermahl frei Haus“ deklariert und Essen gegen Spende ausgeliefert. Dabei sind 40.836 Euro Spenden für Hilfsprojekte für sozial schwache und benachteiligte Menschen zusammengekommen.

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Bremer Klinikclowns: Benefizveranstaltungen wie das vom Bremer Lions Club Bremer Schüssel ursprünglich geplante Konzert „sind feste Termine, auf die wir setzen können“, sagt Ulrike Stadler von den Bremer Klinikclowns. „Diese Einnahmen fehlen nun zu 100 Prozent.“ Durch laufende Vereinbarungen mit elf Einrichtungen im Großraum Bremen – Kinderkrankenhäuser, Altenpflegeheime und Behinderteneinrichtungen – fallen ihr zufolge laufende Kosten an. „Aber wir sind in der dankbaren Situation, dass wir einen treuen Spenderstamm haben“, sagt Ulrike Stadler. „Wir strecken uns nun nach der Decke, gucken, was machbar ist: Es gehört zum positiven Wesen eines Clowns, mit Hindernissen umzugehen.“ Kindern, Senioren und allen anderen Menschen ein Lachen ins Gesicht zu zaubern, das sei in dieser schweren Zeit verstärkt das Bestreben der Bremer Klinikclowns, so die Sprecherin. „Im Vordergrund steht für uns, dass wir Kinder und älteren Menschen erreichen und dafür neue kreative Wege suchen.“

Beispiele aus der „Schatzkiste“ sind eine Wanderausstellung mit Clownfotos, die auf die Reise durch die Stadtteile geschickt wird. Oder auch kurze Online-Videoclips mit lustigen Szenen, „um ein bisschen gute Laune zu den Menschen zu bringen“ – und Präsenz zu zeigen. Darüber hinaus geben die Bremer Klinikclowns neuerdings bunte Getränkebecher mit den Bremer Stadtmusikanten mit roten Clownnasen als Motiv gegen eine Spende ab sechs Euro ab. Die To-Go-Becher, berichtet Stadler, würden auch Firmen zu Weihnachten verschenken.

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