Birdrace 2021 mit elf Bremer Teams

Auf der Suche nach seltenen Vögeln

Einmal im Jahr nehmen enthusiastische Vogelfreunde am Birdrace teil: Am Samstag waren sie wieder von früh bis spät unterwegs, um möglichst viele Arten zu sichten. Einer von ihnen ist der Bremer Thomas Kuppel.
09.05.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Auf der Suche nach seltenen Vögeln
Von Joerg Helge Wagner
Auf der Suche nach seltenen Vögeln

Ein Blaukehlchen im gelben Raps – für solche Motive sind Birdracer wie Thomas Kuppel den ganzen Tag unterwegs.

Thomas Kuppel

Ein Birdrace ist nichts für Weicheier und Couch-Potatoes: Mitten in der Nacht rauf aufs Fahrrad, behängt mit Kamera und Proviant, und dann rund 100 Kilometer radeln, um dabei möglichst viele Vogelarten zu sichten. Dieser ebenso ungewöhnlichen wie fordernden Freizeitgestaltung haben sich am Sonnabend deutschlandweit mehr als 2000 Menschen hingegeben - einer von ihnen ist der Bremer Biologe und Vogelkundler Thomas Kuppel.

„Man muss früh raus, wenn man seltene Vögel sehen will“, sagt der 57-Jährige. Vogelzug etwa finde zumeist nachts statt, aber auch der Gesang der gefiederten Freunde sei morgens am intensivsten. Natürlich genießt ein Enthusiast wie Kuppel das nicht nur einmal im Jahr, wenn zum Birdrace gerufen wird. Aber die Veranstaltung des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten (DDA) dient gleich mehreren Zwecken: Zum einen gewinnt man eine brauchbare aktuelle Statistik, was die Verbreitung und Population von Vogelarten im Bundesgebiet betrifft. Außerdem gibt es Unternehmen wie Privatleute als Sponsoren: Die spenden für jede gesichtete und auf Listen festgehaltene Art einen gewissen Betrag, der dann wieder in Naturschutzprojekte des DDA fließt. 2020 kamen so fast 43.000 Euro zusammen.

Thomas Kuppel beobachtet leidenschaftlich gerne Vögel.

Thomas Kuppel beobachtet leidenschaftlich gerne Vögel.

Foto: C. Ruestes Mesalles

Üblicherweise ist das Birdrace sogar eine 24-Stunden-Veranstaltung von Mitternacht bis Mitternacht, bei der sich kleine Teams zur Vogelsuche aufmachen. Im vorigen Jahr waren es 591 Teams mit gut 1700 Teilnehmern, dieses Jahr schon 755 Gruppen. „Lena und die grauen Wölfe“ heißt das vierköpfige Team von Kuppel. Die 19-jährige Lena Thielcke arbeitet allerdings gerade auf der Greifswalder Oie, einer kleinen Ostseeinsel, in der Beringungsstation. Auch die anderen beiden „grauen Wölfe“ fuhren in diesem Jahr jeder für sich in den Norden Bremens. „Diese Coronabedingungen nehmen uns den Spaß, den Tag wie in früheren Jahren gemeinsam zu verbringen“, bedauert Kuppel. Wegen der nächtlichen Ausgangssperren ging es am Sonnabend auch erst um fünf Uhr früh los, und um 22 Uhr war schon Schluss.

Thomas Kuppel schwärmt von seltenen Vögeln, die ihm bei früheren Birdraces vor die Linse kamen: „Super war ein Rotfußfalke. Aber auch an einen sehr seltenen Seidenreiher erinnere ich mich gerne.“ Und natürlich gibt es immer noch Arten, die er unbedingt einmal in freier Natur sehen möchte: „Vor Jahren hat mein Team tatsächlich hier in Bremen einen Schreiadler gesichtet, und ausgerechnet bei diesem Birdrace war ich nicht dabei.“ Aktuell steht bei Kuppel die Lachseeschwalbe ganz oben auf der Wunschliste: „Nur sehr wenige Paare brüten im Neufelder Koog an der Elbmündung“, weiß der Experte. „Ganz selten kommen die dann mal bis nach Bremen.“ Abgesehen davon steht dieser Vogel auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten.

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Bei seinen Exkursionen beobachtet Kuppel auch Dinge, die ihn als Naturfreund beunruhigen. „Es liegt mehr Müll herum als früher, obwohl doch wegen der Pandemie eigentlich weniger Menschen unterwegs sind“, wundert er sich. Und auch die zunehmende Trockenheit der vergangenen Jahre mache sich bemerkbar: „Die Feuchtwiesen sind ruhiger geworden. Man sieht weniger Arten, etwa kaum noch Uferschnepfen.“ Dafür gebe es jetzt deutlich mehr Kraniche, weil die auf den großen Maisäckern mehr Futter fänden.

Seit 2004 findet das Birdrace jeweils am ersten Sonnabend im Mai statt. Kuppel ist dieses Mal allein vom Osterdeich über den Werdersee bis nach Dreye geradelt, dann durch die Leester Marsch. Abends gegen halb zehn schließlich Rückfahrt vom Naturschutzgebiet Neue Weser Richtung Innenstadt. „2022 dürfen wir hoffentlich wieder ohne Einschränkungen zusammen starten“, sagt Kuppel. „Dann können wir unseren eigenen Rekord von 145 Arten aus den Jahren 2016 und 2017 angreifen.“

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