Erste Hochrechnung nicht vor 22 Uhr Bremer Wahlabend wird lang

Bremen. Volles Programm am Abend der Bürgerschaftswahl im Fernsehen? Danach sieht es eher nicht aus. Fernsehstationen verhehlen nicht, dass die Neuregelung die TV-Berichterstattung schwierig macht.
20.09.2010, 08:20
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Wahlabend wird lang
Von Wigbert Gerling

Bremen. Volles Programm am Abend der Bürgerschaftswahl im Fernsehen? Danach sieht es eher nicht aus. 'Wir werden nicht in Kurzform berichten, aber in geringerem Umfang als früher', sagt Stefan Raue, Leiter der ZDF-Wahlsendung, zur Perspektive für den 22. Mai 2011. Auch Radio Bremen-Chefredakteur Martin Reckweg verhehlt nicht, dass die Neuregelung mit fünf Stimmen für jeden Wahlberechtigten die Gestaltung des Wahlabends verändert und die Übertragung aus Bremen via Bildschirm nicht einfacher macht.

Am 22.Mai kommenden Jahres ist manches anders als zuvor, was unmittelbar die Wahl, die Auszählung und die Berichterstattung am Abend beeinflusst. Künftig hat jeder der rund 480000 Wahlberechtigten fünf Stimmen statt einer.

Die Wählerinnen und Wähler können ihre Voten parteiübergreifend vergeben und auch die Namen einzelner Parlamentskandidaten ankreuzen. Damit dauert die Auszählung länger, und der Ausgang der Wahl zeichnet sich später am Abend ab als in früheren Jahren.

Doppelte Stimmabgabe

Der 'erste Aufschlag' am 22. Mai 2011 aber ist laut Landeswahlleiter Jürgen Wayand noch wie üblich: Meinungsforscher, die für die Fernsehanstalten unterwegs seien, würden Wählerinnen und Wähler direkt am Wahllokal bitten, ihre Stimmabgabe noch einmal zu wiederholen. Daraus werde für 18 Uhr eine erste Prognose erstellt, wie immer.

Ganz anders aber ist es im kommenden Jahr, weil der ansonsten übliche stete Datenfluss auf sich warten lässt, der bisher am Abend dafür sorgte, dass der eher ungenauen Prognose bald immer verlässlichere Hochrechnungen folgten. Grund ist die schwierigere Auszählung. 'Es müssen fünf Mal so viele Stimmen registriert und dann auch gegengecheckt werden,' so der Landerswahlleiter. So sei es nicht ausgeschlossen, dass eine Hochrechnung womöglich erst gegen 23 Uhr vorliege.

Was aber geschieht am Wahlabend in der Zeit zwischen 18 Uhr bis 23 Uhr? Wie sinnvoll können am Abend die Wahlanalysen, wie verlockend Gespräche mit Politikern sein, wenn nach der ersten Prognose über Stunden der wahre Ausgang der Wahl im Ungewissen bleibt?

Harte Zahlen lange Mangelware

'Wir machen eine Wahlsendung mit der Prognose um 18 Uhr', betont ZDF-Experte Stefan Raue. Und auf jeden Fall werde auch um 19 Uhr in der 'heute'-Sendung vom Wahltag im Bundesland Bremen berichtet. Es sei offenbar nicht ausgeschlossen, dass es dann 'vor 22 oder 23 Uhr keine härteren Zahlen' gebe. Über die genaue Länge der Berichterstattung sei vor diesem Hintergrund noch nicht entschieden. 'Das Zeitfenster ,Lindenstraße? wird durch die Wahlsendung nicht beeinflusst,' sagt Martin Reckweg von Radio Bremen. Die Serie läuft sonntags in der ARD ab 18.50 Uhr.

Die zeitraubende Stimmenauszählung macht die Fernsehübertragungen am 22. Mai nicht einfacher, betont der Chefredakteur in der Hansestadt. Laut Reckweg wird - abgesehen von Beiträgen im 3. Programm von NDR und Radio Bremen - im Ersten am Wahlsonntag von 17.45 Uhr bis 18.30 Uhr übertragen. Auf jeden Fall werde Bremen dann auch in der 'Tagesschau' und in den 'Tagesthemen' berücksichtigt. Ansonsten müsse der weitere Verlauf abgewogen werden - je nachdem, wann die Hochrechnungen eingingen. Generell gelte, es solle 'so viel wie möglich' über die Bürgerschaftswahl in Bremen gesendet werden.

Überlegungen zum Umgang mit den neuen Verhältnisse am 22. Mai laufen auch bei der Deutschen Presseagentur. Der Bremer Büroleiter Oliver Pietschmann: 'Wir werden uns mit den Fragen noch intensiv beschäftigen.' Zunächst stehe noch die Berichterstattung von der Feier zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit am 3. Oktober in der Hansestadt im Vordergrund.

Noch keine Absagen

Parlamentspräsident Christian Weber ist Hausherr in der Bürgerschaft, wo traditionell alle akkreditierten Medienvertreter am Wahlabend ihren Haupteinsatzort haben. Absagen von Berichterstattern, die nicht bis zu später Stunde auf sichere Wahlergebnisse warten mögen, sind bei ihm bisher nicht eingegangen. 'Ich gehe davon aus, dass alle kommen, auch wenn sie vielleicht nur in abgespeckter Form berichten können, weil die Hochrechnungen nicht schon um 20 Uhr da sind', so der Präsident.

Christian Weber ist darauf eingestellt, dass der Ablauf am Wahlabend bei ihm nicht anders ist als früher auch. Im Plenarsaal und in den Gängen sei Platz für Rundfunk- und Zeitungsjournalisten, der Festsaal werde je zur Hälfte zum Wahlstudio von ARD und ZDF. Dort gebe es dann auch wie üblich die ersten Interviews mit den Spitzenpolitikern, wenn um 18 Uhr die ersten Prognosen eingingen. 'Sie geben ja doch schon immer einen Fingerzeig, wie die Wahl ausgegangen sein könnte,' erklärt der Bürgerschaftspräsident.

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