Außengastronomie in Corona-Zeiten

Bremer Wirte bereiten sich auf den Winter vor

In Corona-Zeiten bleiben die Stühle auch in der kalten Jahreszeit draußen: Bremens Gastronomen bereiten sich mit Decken, Zelten und Wärmflaschen auf eine Open-Air-Saison im Winter vor.
25.10.2020, 10:34
Lesedauer: 4 Min
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Bremer Wirte bereiten sich auf den Winter vor
Von Pascal Faltermann

Ganz gleich, wie kalt es ist, wie groß das Bibbern, wie stark der Regen peitscht oder der Wind durch die Gassen pustet – Tische und Stühle bleiben draußen. Bremens Gastronomen bereiten sich auf eine Open-Air-Saison im Winter vor. Wegen der Corona-Krise, wegen Hygiene- und Abstandsregeln ist etwas anderes schwer möglich. Die Gäste sollen sich warm anziehen, klar. Mit Wärmestrahler, Decken oder Kissen soll es aber auch nicht ganz so kühl werden für die Kunden. Der neuste Trend unter den Wirten sind Wärmflaschen oder aus Infektionsschutzgründen: heißes Wasser für die mitgebrachten hitzebeständigen Kunststoff-Behälter.

Für Brommy’s Garten an der Hamburger Straße haben sich mit Kim Döhling vom Taubenschlag, Herwig Renkwitz (Wirtshaus), Christian Fuchs (Hopfen und Schmalz) und Lüder Kastens (Union) im Sommer mehrere Kneipiers zusammengetan. Der Außenbereich des Gemeinschaftsprojektes direkt vor dem Spielplatz soll nun wetterfest werden. „Wir wollen einen Corona-konformen, winterlichen Biergarten“, sagt Döhling. Dafür plane man mit einer kleinen und großen Version und stehe mit dem Bauamt im Austausch.

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Die Wirte hoffen darauf, dass beispielsweise Pavillons geduldet werden. Und: „Wir werden Wärmflaschen, heiße Getränke und dicke Bundeswehrdecken anbieten, damit den Gästen warm wird“, sagt Döhling. Der Plan: Mitte November soll es den ersten Glühwein geben. Der Umwelt zuliebe verzichtet das Wirte-Team vorerst auf Heizstrahler. „Die sind eine ökologische Vollkatastrophe“, sagt Christian Fuchs, Inhaber des Hopfen und Schmalz. Mit seiner Frau Anita setzt er auf der eigenen Terrasse auf Wärmflaschen. Und er sagt auch: „In den Skigebieten trinken die Leute ihre Getränke auch in dicken Klamotten.“

Am Litfass im Viertel können sich die Gäste die Wärmflaschen selbst mitbringen und bekommen vom Personal heißes Wasser dafür. „Aus Infektionsschutzgründen halten wir das für den besten Weg“, sagt Litfass-Chefin Sandra Schütz. Decken und Kissen gibt es bei Wunsch obendrauf. „Die werden regelmäßig gewaschen“, so Schütz. Sie plant zudem, dass es statt der gewohnten Glühwein-Bude auf dem Ulrichsplatz im Prinzip einen Außentresen geben soll. Das Holzhäuschen soll also umfunktioniert werden, damit es auch draußen einen Tisch-Service geben kann.

Umgang mit diversen Oberflächen

Konkrete Vorgaben oder Corona-Regeln gibt es, was Decken, Wärmflaschen oder Kissen angeht, nicht. „Die Gastronomen sind dazu verpflichtet, für ihre Gaststätten ein Hygienekonzept vorzuhalten“, sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitsbehörde. Teil dieses Hygienekonzepts seien die Zahl der Gäste, die Wege innerhalb der Gaststätte, Maßnahmen zum Abstand und unter anderem auch der Umgang mit diversen Oberflächen. „Dazu gehören dann auch die angesprochenen Wärmflaschen, Decken und Kissen“, so Fuhrmann.

Mit Holzbuden, Zelten oder Pavillons in den Außenbereichen der Betriebe ist das allerdings nicht ganz so einfach. „Wir haben die Hoffnung, dass wir eine Pagode oder ein Zelt auf der Terrasse aufstellen können“, sagt Paulina Solar, Chefin des Engel Weincafés am Ostertorsteinweg. Derzeit stehen vor der Tür sieben Tische, die durch Markise oder Schirm überdacht sind. Damit die Gäste aber nicht im Luftzug sitzen, soll ein Zelt her, ausgestattet mit Infrarotstrahler und Decken. Aus der Baubehörde bekam Solar die Information, dass entweder ein Zelt ohne Seitenwände geht, das täglich abgebaut werden muss. Oder sie müsse einen Bauantrag stellen, was viel Papierkram bedeute. Die Gastronomin wünscht sich, dass das Verfahren schnell und unkompliziert vonstattengeht, das habe bei der Ausweitung der Außengastronomie bei ihr geklappt. „Ich kann durch die Corona-Regeln wesentlich weniger Gäste bewirten. Der Winter wird noch lang genug“, sagt Solar.

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„Für ein geschlossenes, beheiztes Zelt ist ein Bauantrag erforderlich, weil der Brandschutz und die Fluchtwege sicher gestellt sein müssen“, sagt Jens Tittmann, Sprecher der Baubehörde. Die Anträge versuche das Ressort schnellstmöglich zu bearbeiten, da sie im Umfang nicht vergleichbar seien mit denen für ein Wohnhaus.

Für den Klimaschutz spenden

Funktioniert hat es in Schwachhausen: Vor Leopold’s Restaurant & Weinbar (Kirchbachstraße, Ecke Kurfürstenallee) hat Betreiber Marvin Villegas eine kleine Holzhütte stehen: Ab November soll es dort heiße und kalte Getränke geben. Das Kulturlokal Gastfeld in der Neustadt hat auf der Terrasse Heizstrahler aufgestellt, die 30 Prozent CO2-Ausstoß reduzierend sein sollen. Wirt Thorben Köhn hat sich zudem ein eigenes Kompensationsprogramm einfallen lassen – er wird über Myclimate für Klimaschutz spenden.

Gäste von Kneipen oder Restaurants sollen möglichst draußen sitzen, weil in schlecht belüfteten Räumen die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch Aerosole laut Experten höher sein soll. Das Coronavirus wird maßgeblich über die Luft übertragen. Dagegen schütze draußen der Luftzug. Bei Aerosolen handelt es sich um winzige Atemlufttropfen, die sich wegen ihrer geringen Größe lange in der Luft halten können. Virologe Andreas Dotzauer sagte im Interview mit dem WESER-KURIER: „Ein Infizierter kann einen Raum schon verlassen haben, und trotzdem können sich noch andere durch die Aerosole anstecken, die er in dem Raum hinterlassen hat.“

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