Hochschulen wollen mehr Austausch Bremer Wirtschaft soll stärker von Wissenschaft profitieren

Damit Unternehmen mehr als bisher von der Forschung im Bereich Logistik profitieren, wollen die Hochschulen in Bremen sich gemeinsam für eine bundesweite Förderung bewerben.
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Bremer Wirtschaft soll stärker von Wissenschaft profitieren
Von Lisa Schröder

Damit Unternehmen mehr als bisher von der Forschung im Bereich Logistik profitieren, wollen die Hochschulen in Bremen sich gemeinsam für eine bundesweite Förderung bewerben.

Das geht aus einem Schreiben hervor, das dem WESER-KURIER vorliegt. Unter Federführung des Wissenschaftsressorts von Senatorin Eva Quante-Brandt (SPD) kooperieren dabei die Fachhochschulen Bremen und Bremerhaven, die Universität Bremen und die Jacobs University. Ist der Antrag erfolgreich, stellt das Bundesforschungsministerium fünf Jahre lang jeweils bis zu drei Millionen Euro zur Verfügung, um das Projekt mit der regionalen Wirtschaft im Bereich Logistik umzusetzen.

Bisher profitiere die Branche zu wenig von der Forschung vor Ort, kritisiert Michael Lawo vom Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL). Innovationen entstünden derzeit durch die Ideen von Kunden, Wettbewerbern oder Lieferanten. Hochschulen spielten dagegen kaum eine Rolle. „Die exzellente Grundlagenforschung in Bremen kommt nicht ausreichend bei den Unternehmen an“, sagte Lawo.

Die Logistik sei für den Standort von großer Bedeutung. Deshalb sei die Initiative ein wichtiger Schritt, sagt Lawo, der das Vorhaben koordiniert. Vor allem gehe es darum, Wissen über neue Prozesse und Geschäftsmodelle zu vermitteln. „Wir müssen lernen, wie sich die Welt der Logistik durch die Digitalisierung verändert.“

Mindestens 70 Prozent der Fördersumme geht an die Hochschulen

Ziel sei ein regionales Netzwerk, um Wissen und Technologien besser zu vermitteln, heißt es in einer Projektskizze der Hochschule Bremerhaven. Von der Fördersumme sollen die beteiligten Hochschulen demnach mindestens 70 Prozent bekommen, um neue Angebote für Unternehmen zu schaffen – etwa Workshops oder mehrmonatige Besuche von Wissenschaftlern im Betrieb. Der Antrag auf das Programm „Innovative Hochschule“ soll Ende Februar mit Partnern aus der Wirtschaft gestellt werden.

Das Wissenschaftsressort wollte sich zur Initiative zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern. Senatorin Quante-Brandt betont jedoch, dass der digitale Wandel ganz neue Anforderungen an Wissenschaft und Wirtschaft stelle: „Formen dauerhafter Kooperation, interdisziplinäre, anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung und neue technologie-orientierte Unternehmensgründungen werden zukünftig den Wissenstransfer bestimmen.“ Dieser sei wichtig, um als Region wettbewerbsfähig zu sein. Bremen habe sich zu einem international anerkannten Forschungsstandort mit vielen außeruniversitären Instituten entwickelt.

Bremen habe eine ausgezeichnete Wissenschaft, sagt auch Jörg Kastendiek, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU. Ob sie in der Praxis genügend genutzt werde? Hier fehlten konkrete, messbare Ziele, so der Politiker. Die Strategie der rot-grünen Regierung sei nicht zu erkennen. „Wir müssen uns fragen, ob die Unternehmen und die Wissenslandschaft voneinander wissen und die Potenziale ausgeschöpft werden.“

Fehlender Dialog hemmt den Austausch

Forscher, die sich um die Vermittlung ihrer Erkenntnisse bemühten, honoriere das System nicht ausreichend, sagte Lawo. Sie seien auch nicht für diese Aufgabe ausgebildet. Seitens der Unternehmer gebe es dagegen weiterhin das Vorurteil vom Elfenbeinturm: Wissenschaftler arbeiten weltabgeschieden ohne Interesse an einer Kooperation. Beides hemme den Austausch. „Ideen entstehen aber im Dialog. Wenn wir einen forschungsbasierten Transfer für die regionale Wirtschaft wollen, brauchen wir einen kulturellen Wandel.“

Zudem arbeiteten beide Bereiche in einem unterschiedlichen Tempo. Andreas Köhler, zuständig für Innovation bei der Handelskammer Bremen, hält dies ebenfalls für problematisch. Die Wissenschaft verlange Grundlagenforschung, die Wirtschaft dagegen schnelle Umsetzung. „Die gute Nachricht ist, dass wir eine leistungsfähige Wissenschaft haben. Sie muss sich allerdings öffnen und die Wirtschaft anleiten.“

Auch das Hochschulgesetz hemme die Zusammenarbeit, sagt Martin Heinlein, Leiter von Unitransfer, dem Büro für Wissens- und Technologietransfer der Universität Bremen. Es schreibt Transparenz vor – was jedoch viele Firmen scheuen. „Sie kooperieren lieber woanders, weil sie nicht wollen, dass ihre Pläne und ihre Investition Wettbewerbern und der Öffentlichkeit bekannt werden.“ Die Logistik-Initiative soll die Beziehung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft dagegen vertiefen und Vertrauen schaffen. „Das ist besonders“, betont Michael Lawo. „Wo gelingt es schon, alle Hochschulen für ein Vorhaben zu gewinnen?“

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