Autobranche trifft es besonders stark

Bremer Wirtschaft spürt Auswirkungen des Coronavirus

Die Ausbreitung des Coronavirus könnte schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft haben. Der Leiter des Bereiches International der Handelskammer Bremen, rechnet vor allem mit Einbußen in der Automobilindustrie.
17.02.2020, 23:08
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Von Ivonne Wolfgramm und Alexander Sturm
Bremer Wirtschaft spürt Auswirkungen des Coronavirus

Im Werk von Volkswagen in Anting bei Shanghai: Eine Studie sagt voraus, dass das Coronavirus vor allem für die Autohersteller und deren Zulieferer eine Belastung sein wird.

Ole Spata/dpa

Die Sorge um die Weltwirtschaft wächst angesichts der Ausbreitung des Coronavirus in China. Einer Studie zufolge könnte es gerade der Autoindustrie empfindlich schaden. Die Deutsche Bundesbank sieht Risiken für die deutsche Konjunktur. Nach Einschätzung des Chefs des Instituts für Weltwirtschaft, Gabriel Felbermayr, werden die Schäden „überproportional größer“ mit jedem Tag, an dem die Produktionsanlagen in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt stillstehen. Hersteller in Deutschland und anderen Ländern seien auf chinesische Vorleistungen angewiesen, die Vorräte reichten nicht ewig, sagte Felbermayr dem „Handelsblatt“.

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Die ersten Auswirkungen sind in Bremen bereits zu spüren. „Einige in der Stadt ansässige Unternehmen berichten von Einschränkungen“, sagt Volkmar Herr, Geschäftsleiter des Bereiches International der Handelskammer Bremen. Seine Prognose: „Wir werden Konsequenzen in beträchtlicher Breite zu spüren bekommen.“ Verantwortlich sind unter anderem komplexe Produktionsketten, in der asiatische Handelspartner maßgeblich involviert seien, etwa durch Zulieferungen von Produktionsteilen. „Viele Betriebe wissen aber gar nicht, dass in ihrer Produktion Teile aus China verarbeitet werden.“

Warenlager noch gut gefüllt

Tom Kreyenhop ist Geschäftsführer eines Unternehmens, das Lebensmittel aus Asien importiert: Kreyenhop und Kluge. Bisher seien die Konsequenzen, die das Coronavirus auf seine Firma habe, noch überschaubar. „Wir bemerken, dass sich unsere Kunden mit einigen Produkten bevorraten.“ Für den Importeur mit Sitz in Oyten ist China das zweitgrößte Bezugsland. Noch seien die Warenlager gut gefüllt, Umsatzeinbußen oder Lieferengpässe könne er aktuell nicht verzeichnen. „Wir werden es vermutlich im März oder April anhand unserer Einkaufslogistik feststellen“, schätzt Kreyenhop. Derzeit seien viele Fabriken in China geschlossen: Waren werden erst später verschifft. Das wirke sich schließlich auf die Lieferketten in Deutschland aus.

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Für Volkmar Herr ist der Lebensmittelbereich nicht die einzige Branche, die durch das Virus und seine Folgen betroffen sein wird. „Die Automobilindustrie ist sowohl im Im- und Export für Deutschland und China sehr wichtig.“ Auch im Bereich der Gusswaren und elektrotechnischen Produkte könne es zu Problemen kommen, sei es während der Produktion, weil Teile aus China fehlen, oder beim Export nach Fernost. „Es ist denkbar, dass China die von hier exportierten Waren nicht annehmen kann“, sagt Herr. „Durch das Virus kann es zu einer sogenannten Leistungsstörung kommen. Je nach Vertragsbeziehung ist China dann nicht verpflichtet, die exportierten Güter anzunehmen.“ Inwiefern das jedoch Bremer Unternehmen treffen könnte, lässt sich laut Herr nicht pauschal sagen.

Ein vorübergehender Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage in China könnte den deutschen Export dämpfen, erläutert die Deutsche Bundesbank im aktuellen Monatsbericht. China ist ein wichtiger Markt für Waren „Made in Germany“. Zugleich werden dort zahlreiche Produkte hergestellt – auch für die Weiterverarbeitung in anderen Ländern. Durch die Sicherheitsvorkehrungen wegen des Virus könnten einige globale Wertschöpfungsketten beeinträchtigt werden. „Lieferengpässe in einzelnen Branchen hierzulande wären die Folge“, schreiben die Bundesbank-Experten.

Wirtschaftswachstum schrumpft

Aus Sicht des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung hängen die wirtschaftlichen Auswirkungen der Epidemie davon ab, wie lange die Produktion in China behindert wird. „Nach unserer Schätzung könnte das Wirtschaftswachstum in China im ersten Quartal um etwa 2,5 Prozentpunkte gedämpft werden“, sagt Konjunkturexperte Roland Döhrn. Im Vergleich zum Vorjahr läge es dann nur zwischen drei und vier Prozent statt wie erwartet bei sechs Prozent. „Diese Entwicklung wird sich auch in Deutschland bemerkbar machen, insbesondere durch geringere Exporte und eine stockende Lieferung von Vorprodukten durch chinesische Zulieferer.“

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Wie aus einer Studie hervorgeht, könnte das Sars-Cov-2 genannte Virus vor allem die globale Autoindustrie hart treffen. Allein in der besonders betroffenen chinesischen Provinz Hubei würden an gut einem Dutzend Standorten fast zwei Millionen Autos pro Jahr gefertigt, heißt es in der Analyse der Beratungsgesellschaft BCG. Das seien etwa acht Prozent der Fahrzeugproduktion Chinas. Das neuartige Coronavirus habe schon viele Branchen in Mitleidenschaft gezogen, so die Studie der Boston Consulting Group (BCG). „Aber die Autoindustrie sticht hervor als eine, die die Auswirkungen schnell und tief spürt angesichts der entscheidenden Rolle Chinas.“ So sei das Land der größte Absatzmarkt für Neuwagen, zugleich wichtiger Standort für Hersteller und Zulieferer. „Die Autoindustrie wird lokal und rund um den Globus betroffen sein.“

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Für deutsche Hersteller wie Mercedes-Benz, Audi, BMW, Volkswagen und Porsche ist China der wichtigste Markt. Daimler hat in Peking ein Werk: In der Vergangenheit war es bereits von der Produktion her das weltgrößte des Konzerns. Bei VW steht die Volksrepublik für gut 40 Prozent der Auslieferungen. Und bei der Umstellung auf Elektro-Autos sind die Konzerne auf Batteriezellen aus China angewiesen. Auch US-Hersteller sind von Fernost abhängig: GM verkaufe mehr Autos in China als in den USA, so BCG. Die neuartige Lungenkrankheit hat die deutschen Autokonzerne schon getroffen. So hatte BMW wegen des Coronavirus die chinesischen Neujahrsferien an seinem weltgrößten Standort in der Millionenstadt Shenyang verlängert. VW musste die Produktionsaufnahme wegen der Epidemie teils weiter verschieben. Die Fertigung in den Werken des Gemeinschaftsunternehmens mit Shanghai Automotive (SAIC) solle erst am kommenden Montag wieder aufgenommen werden, erklärte der Konzern. Grund seien Probleme in den Lieferketten und der Logistik sowie nur begrenzte Reisemöglichkeiten für Mitarbeiter.

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