Neuer Akteur auf Bremer Wohnungsmarkt

LEG-Vorstand im Interview: „Man braucht eine Mischung im Quartier“

Ende 2019 hat die Düsseldorfer LEG ein Paket von 1100 Bremer Wohnungen übernommen. Im Interview nimmt Vorstand Volker Wiegel Stellung zu der Frage, was die Mieter vom neuen Eigentümer erwarten können.
29.05.2020, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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LEG-Vorstand im Interview: „Man braucht eine Mischung im Quartier“
Von Jürgen Theiner
LEG-Vorstand im Interview: „Man braucht eine Mischung im Quartier“

Dieser Wohnblock im Einmündungsbereich Stralsunder und Parchimer Straße gehört jetzt zum Bestand der LEG.

Frank Thomas Koch

Herr Dr. Wiegel, Ihr Unternehmen hat vor einem halben Jahr rund 1100 Bremer Wohnungen gekauft. Der Vorsitzende des Deutschen Mieterbundes in Nordrhein-Westfalen meint, man könne Bremen dazu nicht beglückwünschen. Können Sie sich das erklären?

Volker Wiegel: Nein, kann ich nicht, denn wir stellen unsere Mieter in den Fokus der Unternehmenstätigkeit. Wir bieten einwandfreie Wohnungen und gute Erreichbarkeit. Außerdem übernehmen wir Verantwortung für die Quartiere, in denen sich die Immobilien befinden.

Die LEG ist in Bremen neu auf dem Markt. Was hat Sie bewogen, das Wohnungspaket vom Vorbesitzer zu übernehmen?

Bremen ist ein attraktiver Markt. Es gibt dort eine starke demografische Entwicklung, was natürlich aus Sicht eines Vermieters ein wichtiger Faktor ist. Bremen ist außerdem als Stadt sehr lebenswert und damit ein attraktiver Wohnstandort. Es sprach vieles für das Investment.

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Sie planen also weitere Zukäufe?

Wenn sich die Chance dazu bietet – durchaus.

Um die 1100 Wohnungen bewarb sich auch ein Konsortium aus kommunalen Unternehmen, darunter die Gewoba und die Brebau. Nach Darstellung von Insidern bot das Konsortium rund 170 Millionen Euro, auch weil hoher Instandsetzungsbedarf gesehen wurde. Sie sollen 240 Millionen auf den Tisch geblättert haben. Korrekt?

Ich bitte um Verständnis, dass ich mich zu solchen Zahlen nicht näher äußere, da wir mit dem Verkäufer vertraglich Stillschweigen vereinbart hatten, und daran möchte ich mich auch halten.

Volker Wiegel, Chief Operating Officer der LEG Immobilien AG.

Volker Wiegel, Chief Operating Officer der LEG Immobilien AG.

Foto: Rüdiger Nehmzow
Aber wenn wir mal unterstellen, dass die Beträge ungefähr zutreffen: Ihr hoher Einstandspreis muss sich doch rechnen. Geht das nicht zulasten der Instandhaltungsinvestitionen?

Was unsere Mitbewerber gerechnet haben, das wissen wir schlichtweg nicht. Aber klar, unser Investment soll einen wirtschaftlichen Erfolg haben. Wir haben uns die Gebäude intensiv angesehen und dort einige Probleme entdeckt, die wir auch angehen werden. Insgesamt steht der Bestand aber nicht schlecht da. Das sind in keiner Weise schlechte Immobilien, sondern sie sind größtenteils in einem guten technischen Zustand. Für die nächsten fünf Jahre haben wir Investitionen von insgesamt sechs Millionen Euro veranschlagt, davon vier Millionen in größere Projekte und zwei in reine Instandhaltung.

Was dürfen Ihre neuen Mieter von der LEG erwarten?

Vor allem, dass wir ihnen ein gutes Zuhause bieten. Wir sind auch nah am Kunden. Das heißt nicht, dass wir in den Gebäuden ständig auch Sprechstunden anbieten, sondern einen Mix, der aus meiner Sicht für die Kunden Vorteile bietet. Dazu zählt neben einer gewissen Präsenz unserer Mitarbeiter vor Ort auch eine gute Erreichbarkeit per Telefon und online.

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Die Gröpelinger Quartiersmanagerin hält die verlässliche Präsenz eines Hausmeisters oder sonstigen Vertreters des Eigentümers vor Ort für sehr wichtig. In Ihrer Düsseldorfer Zentrale anrufen zu können, ist für viele Mieter kein wirklich guter Weg, um Probleme loswerden zu können.

Deshalb bieten wir ja auch unterschiedliche Wege der Kontaktaufnahme an. Gerade Menschen mit Migrationshintergrund oder ältere Menschen haben Interesse an Sprechstunden vor Ort, und die werden wir auch anbieten. Wir haben jetzt in Bremen schon zwei sogenannte Objektbetreuer, die kontinuierlich in den Beständen unterwegs sind. Darüber hinaus haben wir das Gröpelinger Quartiersmanagement in unseren Kundenbeirat aufgenommen. Ich bin nämlich sehr an Feedback interessiert. Wir wollen wissen, was tatsächlich an Leistung beim Kunden ankommt und nicht nur, was bei ihm ankommen sollte.

Von der Gewoba, ihrer örtlichen Konkurrenz, ist bekannt, dass sie sich um eine soziale Durchmischung ihrer Mieterschaft bemüht. Soll heißen: Wenn etwa schon vier russlanddeutsche Familien in einem Block wohnen, dann holt man sich nicht noch eine fünfte dazu, sondern jemanden mit anderem kulturellen Hintergrund.

Ich kann mich da nur wiederholen: Wir wollen Verantwortung für das jeweilige Quartier übernehmen. Deshalb schauen wir uns genau an, wie wir die Mieterschaft in einem Gebäude zusammenstellen und setzen beispielsweise nach Möglichkeit keinen kurdischstämmigen Menschen in ein überwiegend von türkischen Bürgern bewohntes Haus. Wir versuchen auch, soziale Schieflagen zu vermeiden. Es ist sicher keine gute Idee, ein Gebäude beispielsweise nur mit Transferleistungsbeziehern oder ausschließlich mit Rentnern zu belegen.

Man braucht eine Mischung im Quartier und auch im einzelnen Block. Unsere Mitarbeiter vor Ort sind entsprechend sensibilisiert. Wir haben in unseren Computersystemen Auswertungsmöglichkeiten für freigegebene Daten, um näherungsweise zu sehen, wie eine Hausgemeinschaft aktuell zusammengesetzt ist und wer dort gegebenenfalls gut als Neumieter hineinpasst.

Das ist mit dem Datenschutz vereinbar?

Rechtlich ist es nicht ganz einfach, wir haben es aber selbstverständlich geklärt. Letztlich ist aber die Expertise und Menschenkenntnis unserer Kollegen vor Ort entscheidend.

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Welche Beiträge leisten Sie sonst für ein funktionierendes Quartier?

Wir haben Anfang des Jahres eine neue Stiftung gegründet. Sie heißt „Stiftung – Dein Zuhause hilft“ und ist mit 16 Millionen Euro ausgestattet. Es handelt sich um eine Verbrauchsstiftung. Das heißt – bis auf eine Million Euro Grundstock – können davon jedes Jahr anderthalb Millionen Euro ausgegeben werden. Wir unterstützen damit zum Beispiel Begegnungstreffs, Jugend- und Seniorenarbeit und andere Projekte, die verhindern, das Quartiere abrutschen.

Das Abrutschen von Quartieren beginnt oft mit Vermüllung. Ihnen gehört ein Mehrfamilienhaus Ecke im Einmündungsbereich Stralsunder / Rostocker Straße mit rund 130 Wohneinheiten. Dort sah es in den letzter Zeit häufig nicht gerade blitzblank aus.

Das kennen wir auch aus anderen Quartieren. Das Problem fängt mit denjenigen an, die den Abfall dort hinstellen und sich falsch verhalten. Aber wir betrachten es natürlich auch als unser Problem. Deshalb fahren wir den Müll häufig ab. Denn man kennt das ja: Wenn erst einmal was rumliegt, kommt schnell noch sehr viel mehr dazu. Gröpelingen ist aus meiner Sicht kein vermülltes Quartier, aber eines, wo wir sensibel agieren und schauen müssen, dass es sich auch künftig nicht in diese Richtung entwickelt.

Das Gespräch führte Jürgen Theiner.

Info

Zur Person

Volker Wiegel (43) ist Chief Operating Officer der LEG Immobilien AG. Er steuert und organisiert also die Betriebsabläufe des Unternehmens mit Sitz in Düsseldorf.

Info

Zur Sache

Die LEG

Seit Ende 2019 gehören dem Düsseldorfer Immobilienunternehmen rund 1100 Wohnungen in verschiedenen Bremer Stadtteilen, unter anderem in Gröpelingen, aber auch in Horn-Lehe und der Neustadt sowie in citynahen Lagen wie dem Fehrfeld und am Altenwall. Die LEG, ein 2008 privatisiertes Unternehmen, das früher überwiegend dem Land Nordrhein-Westfalen gehörte, erwarb das Paket von der in Hannover ansässigen Baum-Gruppe.

Zu dem Geschäft gab es kritische Stimmen aus der Politik, weil es als sogenannter Share deal abgewickelt wurde. Bei dieser Form der Eigentumsübertragung erwirbt der Käufer nicht die Immobilien als solche, sondern eine Besitzgesellschaft, der die Objekte gehören. Dadurch wird die Zahlung von Grunderwerbssteuer vermieden.

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