Bremer wollen in den Schnee

Lust auf Skireisen trotz Corona

Der Bremer Ski-Club hat gerade erst die Termine für die Wintertouren für die kommende Saison veröffentlicht und ist überrascht von der positiven Resonanz. Wie die Veranstalter für die Wintermonate planen.
15.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Florian Schwiegershausen und Christina Peters
Lust auf Skireisen trotz Corona

Für die Skifahrer der höchste Genuss: Blauer Himmel, breite Pisten. Die Lust auf den Ski-Urlaub ist bei vielen Bremern ungebrochen.

Florian Schuh/DPA

Österreich hat seit diesem Montag die Corona-Bedingungen verschärft. Von nun an müssen die Menschen in allen Geschäften einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Das gilt auch für Beschäftigte in Lokalen. In den vergangenen Tagen hat die Zahl der gemeldeten Corona-Erkrankungen zugenommen. Fast 5000 Menschen sind erkrankt. Vor zwei Wochen hatte die Zahl täglicher Neuinfektionen noch etwa halb so hoch gelegen. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz erwartet einen starken Anstieg der Corona-Zahlen, dabei vor allem in Wien. „Was wir gerade erleben, ist der Beginn der zweiten Welle“, sagte der Regierungschef.

Trotz Corona-Krise will Österreich die Skigebiete kommenden Winter offenhalten. Laut Kanzler Kurz wird Wintertourismus und Skifahren möglich sein. Dabei verwies er auf den großen Wirtschaftsfaktor in seinem Land: „Es geht um viele Arbeitsplätze.“ Derzeit werde ein Konzept ausgearbeitet. Zugleich betonte er, dass es Après-Ski in der gewohnten Form nicht geben werde. Bei Partys im Skiort Ischgl hatten sich viele Touristen gerade auch aus Deutschland und auch Bremen mit dem Virus angesteckt.

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Das hat die Lust vieler Bremer auf das Skifahren in der kommenden Saison aber nicht gebremst, wie am Zuspruch des Bremer Ski-Clubs (BSC) festzustellen ist. Der hat gerade erst seine Reisetermine für die kommende Skisaison veröffentlicht. Die 3500 Mitglieder können zwischen 40 Reisen wählen. Zum Auftakt Mitte November gibt es zwei Touren ins Stubaital nach Österreich. Nach Veröffentlichung der Termine gab es direkt zahlreiche Anfragen, wie Ulrike Weiss, die Erste Vorsitzende des BSC, sagte: „Wir sind überrascht von der positiven Resonanz unserer Mitglieder.“ Das freue sie und den Vorstand gleichzeitig auch, dass trotz der Situation den Menschen trotzdem nach einer Reise in den Schnee sei.

Gleichzeitig appelliert Weiss auch an die Eigenverantwortung der Mitglieder, für die die Reisen organisiert werden – bei den Touren gehe es um das gemeinsame Skifahren, nicht um Aprés-Skiparties im Schnee. „Nach der letzten Saison ist uns ganz wichtig, noch einmal daran zu erinnern, dass der BSC kein Pauschalreiseveranstalter ist, sondern ein Verein, der die Fahrten für die Vereinsmitglieder organisiert und dies auf Basis des Prinzips der Interessen- und Haftungsgemeinschaft.“ Im Falle von Stornierungen könne der Verein anfallende Kosten nicht erstatten, weil er dies nicht aus den geringen Mitgliedsbeiträgen kompensieren könne.

In eine ganze Reihe von Unterkünften fährt der BSC seit vielen Jahren, weshalb es dort ein großes Vertrauensverhältnis gebe. „Man kennt sich sehr gut“, ergänzt Weiss. Wer ebenso gerade dabei ist, die Skireisen vorzubereiten, ist in Oldenburg der Veranstalter Fips-Reisen. Dahinter steckt ebenso ein Verein. Einer der zwei hauptverantwortlichen Organisatoren ist Eyk Mrotzkowski.

Die Termine stehen, wie er sagt: „Trotz der Situation mussten wir natürlich den Unterkünften so früh wie sonst auch mitteilen, für wie viele Reisende wir die Tour planen.“ Momentan erarbeitet er mit seinen Kollegen gerade die Corona-Konzepte: „Dabei fragen wir uns, wie und wo beispielsweise während der Busfahrt Plätze freibleiben sollen. Außerdem ist schon jetzt klar, dass die Teilnehmer morgens beim Frühstück in den Unterkünften immer den gleichen Sitzplatz haben werden.“

Unter den Reisezielen sind auch Fahrten nach Frankreich. So hofft Mrotzkowski auch auf das Augenmaß der Bundesregierung, was die Reisewarnungen angeht: „Momentan gibt es eine Reisewarnung für Paris wegen der gestiegenen Corona-Fälle. Das hilft allen Seiten weiter, dass die Bundesregierung nicht gleich für ganz Frankreich eine Reisewarnung rausgegeben hat.“ Im Juni hatte der Reiseorganisator per Mail die 1000 Personen aus seiner Kartei angefragt, ob sie sich Skireisen vorstellen könnten. Es kamen etwa 70 Mails zurück. „Das waren nicht viel, aber die waren alle äußerst bejahend“, sagt Mrotzkowski. Erst nach Ende der Herbstferien beginnt normalerweise die Hauptbuchungsphase.

Traditionell zieht es die Touristen in den Wintermonaten auch zu wärmeren Reisezielen auf die Kanaren, nach Madeira oder aufs Festland an die Algarve. „Die Erfahrung zeigt, dass das Geschäft aktuell kurzfristiger geworden ist“, stellt Anja Braun, Sprecherin vom Reisekonzern Tui, fest. Das gelte ebenso für Skireisen nach Österreich, Deutschland oder Italien. Beim deutschen Marktführer für Portugal-Reisen, Olimar in Köln, sieht man ebenso den Trend zum kurzfristigeren Buchen. Sprecherin Evelyn Steinbach sagte dem WESER-KURIER: „Wir plädieren auch ausdrücklich für kurzfristige Portugalreisen.“ Das Unternehmen habe sich entsprechend vorbereitet. Im Gegensatz zu Spanien ist Portugal nicht von einer Reisewarnung durch das Auswärtige Amt betroffen.

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