Junge Wissenschaftler sollen helfen Bremerhaven:Frischer Wind im Schiffahrtsmuseum

Das Deutsche Schiffahrtsmuseum schwamm zuletzt in schwierigen Gewässern: Der Grund waren die unsichere Zukunft in der Leibniz-Gemeinschaft und die dümpelnden Besucherzahlen. Mit neuen Ansätzen soll sich das jetzt ändern.
09.02.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Frank Miener

Das Deutsche Schiffahrtsmuseum schwamm zuletzt in schwierigen Gewässern: Der Grund waren die unsichere Zukunft in der Leibniz-Gemeinschaft und die dümpelnden Besucherzahlen. Mit neuen Ansätzen soll sich das jetzt ändern. Auch, um die noch vorhandenen Mängel abzufangen. Ein erster Schritt sind die fünf neuen Forscher, die die Einrichtung nun beherbergt.

Die Erleichterung war groß in dem nationalen Forschungsmuseum, als die renommierte Leibniz-Gemeinschaft Ende vergangenen Jahres grünes Licht für die weitere Mitgliedschaft gab – auch wenn sie den Bremerhavenern einige Hausaugaben mit auf den Weg gab. „Ich bin sehr froh, dass es jetzt ruhiger ist“, sagt die geschäftsführende Direktorin des Deutschen Schiffahrtsmuseums (DSM), Sunhild Kleingärtner. Jetzt könne man den Strukturwandel angehen und sich für die Zukunft rüsten.

Sichtbares Zeichen sind dabei gleich fünf neue Wissenschaftler, die seit Jahresbeginn am DSM arbeiten. „Wir richten die Forschung nicht nur neu aus, sondern erweitern sie auch“, sagt Kleingärtner. Zugleich würden die neuen Kolleginnen und Kollegen, von denen drei Doktoranden und zwei sogenannte Postdocs sind, die Kultur im Haus und die Wissenschaft bereichern. Außerdem, so hofft sie, verändert es auch die Wahrnehmung des DSM in der Stadt. Denn das Deutsche Schiffahrtsmuseum hat innerhalb der Fachwelt einen guten Ruf – in Bremerhaven aber wird es fast nur als Museum wahrgenommen. „Das und was wir hier forschen, ist wenigen in der Stadt wirklich bekannt und bewusst“, bedauert Kleingärtner. Das soll sich auch durch die fünf neuen Wissenschaftler jetzt ändern, die auch für einen Generationswechsel am Museum stehen.

Die Neuen haben deshalb nicht nur den Auftrag, ihre Arbeiten zu erstellen – dabei handelt es sich sowohl um historische Betrachtungen aller Facetten der Schifffahrt, aber auch um die öffentliche Darstellung der Ergebnisse. „Ich bin unter anderem damit beschäftigt, Sonderausstellungen vorzubereiten und auch unsere Jubiläumsausstellung zu planen“, sagt Doktorandin Marleen von Bargen. Die Historikerin arbeitet dabei der Geschäftsführung zu, die unter anderem die Forschung sehr viel mehr öffnen will als bisher. „Wir werden unsere Arbeit transparenter machen“, sagt Direktorin Kleingärtner. Besucher sollen zum Beispiel über Vorträge informiert werden, aber auch ab und zu direkt über die Schulter der Wissenschaftler sehen können.

Neben den personellen Veränderungen ist die Neukonzeption der Ausstellung und die die bauliche Sanierung und Erweiterung des Museums geplant. In einem ersten Bauabschnitt soll der Kern des DSM, der Hans-Scharoun-Bau, für 42 Millionen Euro saniert und erweitert werden. Dann würde auch die Besucherführung und die Informationsvermittlung verändert werden, sagt Kleingärtner. Multimediale Darstellung der Wissenschaft sei heute Standard. Daran arbeite man.

Außerdem werden auch einige der Forschungsergebnisse der „Neuen“ zu sehen sein. Die brennen darauf, ihre Arbeit zu erstellen und zu präsentieren. „Das ist wirklich spannend“, sagen die Doktoranden Katharina Bothe, Zümriye Erkovan sowie Dr. Christian Ebhardt und Dr. Martin Weiss. „Unsere Arbeit und die Teilhabe an den Veränderungen wird länger hier bleiben als wir“, prophezeit Erkovan, die sich mit der berühmten Kogge des DSM auseinandersetzt. Bothe wiederum erforscht den Schiffbau im „Kontext globaler Prozesse und dem Wandel kultureller Identitäten“ und untersucht dabei unter anderem auch die Zuwanderung speziell in die Arbeitsplätze auf den Werften. Die stehen auch im Fokus von Ebhardt, der sich mit Interessengruppen und personalen Netzwerken im Schiffbau auseinandersetzt – mithin untersucht er die Lobbyarbeit und deren Einfluss auf werftpolitische Entscheidungen. Weiss schließlich beschäftigt sich mit der Forschungsschifffahrt und pflegt engen Kontakt mit dem Alfred-Wegener-Institut. Dazu arbeitet er unter anderem mit dem Archiv des AWI zusammen.

Auch das gehört zum neuen Konzept: Übergreifende Zusammenarbeit, speziell mit dem AWI, soll die Forschung am Deutschen Schiffahrtsmuseum beflügeln - zumal es bereits viele Exponate zu dem Thema gibt.

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