Jugendbotschafterin der Organisation One Bremerin setzt sich für Flüchtlinge ein

Soraya Jasmine Rifaki setzt sich für Flüchtlinge ein – nun ist sie Jugendbotschafterin einer internationalen Organisation. Sie will Bremer Politiker und Organisationen für das Thema Entwicklungshilfe sensibilisieren.
26.08.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Bremerin setzt sich für Flüchtlinge ein
Von Kristin Hermann

Soraya Jasmine Rifaki setzt sich für Flüchtlinge ein – nun ist sie Jugendbotschafterin einer internationalen Organisation. Sie will Bremer Politiker und Organisationen für das Thema Entwicklungshilfe sensibilisieren.

Als Soraya Jasmine Rifaki vor dem Bremer SPD-Parteibüro wartet, sieht man ihr die Nervosität ein bisschen an. Sie wirft noch einmal einen Blick auf ihre Notizen und zupft ihre Jacke zurecht, damit ihr ­T-Shirt auch richtig zur Geltung kommt. „One“ steht dort in Großbuchstaben drauf. Es ist der Name einer internationalen Kampagnen-Organisation, die sich unter anderem für die Bekämpfung extremer Armut einsetzt – und Rifaki ist seit einiger Zeit für sie als Jugendbotschafterin in Bremen unterwegs.

Die 24-Jährige will an diesem Tag bei Antje Grotheer, stellvertretende Fraktionsvorsitzende Sprecherin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Entwicklungszusammenarbeit bei der SPD, nicht für konkrete Projekte werben – die gibt es bei One nicht –, sondern Aufmerksamkeit für die ­Armutsbekämpfung in strukturschwachen Länder schaffen. „PR-Arbeit für Entwicklungshilfe“, fragt Grotheer, „wie kommt man denn dazu?“

Für Rifaki ist die Antwort ganz selbstverständlich, obwohl sie dafür etwas ausholen muss. Die junge Frau will Menschen helfen, denen die Integration in Deutschland nicht so leicht fällt, wie ihr selbst. Und sie will das Problem bei der Wurzel packen, setzt sich dafür ein, dass Geld auch in die Heimatländer der Geflüchteten fließt. „Und nicht nur in die Flüchtlingshilfe in Deutschland“, sagt sie. „Kein Mensch flieht freiwillig, wenn es ihm Zuhause gut geht. Auch vor Ort muss man anpacken.“

Studentin arbeitet nebenbei in Flüchtlingsunterkunft

Das Thema Integration begleitet Rifaki schon ihr ganzes Leben. Mit sieben Jahren kam die Tochter einer Italienerin und eines Marokkaners aus Italien nach Bremerhaven. Bei ihr hätte danach alles gut geklappt: das mit der Sprache, der Schule und mit den Freundschaften. „Ich habe aber auch einige gesehen, bei denen das eben nicht so hingehauen hat wie bei mir“, sagt Rifaki.

Und deswegen sei ihr immer irgendwie klar gewesen, dass sie ihren kleinen persönlichen Beitrag dazu leisten will, damit Menschen richtig ankommen oder eben erst gar nicht flüchten müssen. Aus diesem Grund habe sie relativ schnell während ihres Studiums in Bremen angefangen, nebenbei in der Flüchtlingshilfe zu arbeiten – und in Schulklassen, um mit Jugendlichen über ­Radikalisierung islamistischer Terrorgruppen zu sprechen. In einer Flüchtlingsunterkunft in Hastedt arbeitet die Studentin ein- bis zweimal in der Woche. Sie geht mit den Bewohnern zu Ärzten, spielt Fußball oder Karten oder hört sich einfach nur ihre Geschichte an.

Das sei gerade am Anfang nicht leicht für Rifaki gewesen. „Sie erzählen davon, wie sie Teile ihrer Familie haben sterben sehen oder wie sie selbst während der Flucht gequält und misshandelt wurden“, sagt sie. „Das steckt man nicht so einfach weg.“ Oft habe sie deswegen nachts wach gelegen, manchmal auch geweint. Sie wolle am liebsten allen direkt helfen, aber ihr ist klar, dass sie das alleine nicht schafft. Aber sie will ihren eigenen kleinen Beitrag dazu leisten, dass die Integration der vielen Flüchtlinge gelingt – und damit das andere auch so sehen, will sie bei so vielen Menschen wie möglich Werbung machen.

Einzige Jugendbotschafterin in Bremen

Die 24-Jährige erstaunt es immer wieder, wie schnell die Menschen hier ankommen, besonders wenn man sie dabei unterstützt – und wie viel Dankbarkeit sie ihr dafür entgegen bringen. „Die meisten wollen einfach nach vorne schauen, weil sie sonst an dem Erlebten zerbrechen würden.“ Diese Ansicht motiviert Rifaki, wenn ihr mal wieder alles zu nah geht.

Bei dieser Arbeit habe sie aber auch erkannt, dass sie noch mehr machen will, als den Geflüchteten beim Ankommen zu helfen. Sie will Politiker und die Bevölkerung auf die Wichtigkeit von Entwicklungshilfe aufmerksam machen. „Bei den meisten herrscht doch nur Halbwissen“, sagt sie. Deswegen habe sie sich auch bei dem Programm von One beworben, dessen deutsche Vertretung in Berlin sitzt. Aktuell ist Rikfaki die einzige Jugendbotschafterin in Bremen, in Niedersachsen gibt es fünf. Wie sie auf die Themen der Organisation aufmerksam machen, bleibt ihnen überlassen.

Treffen mit Bremer Politikern

Rifaki will mit so vielen Politikern sprechen, wie es geht – und sie will mit Bremer Organisationen zusammenarbeiten, die sich für Entwicklungshilfe einsetzen. Den Anfang haben Antje Grotheer und Ulrike Hiller von der SPD gemacht, Vertreter anderer Parteien und Gruppen sollen folgen. Antje Grotheer macht ihr klar, dass man entwicklungspolitische Fragen nicht immer nur über Bremen heraus steuern kann, vieles müsse vom Bund ausgehen. Bringen diese Treffen mit den Bremer Politikern denn überhaupt etwas? Ja, sagt die junge Frau. Ihr sei es wichtig, dass Politiker die Problematik auch mal von jungen Menschen vermittelt bekämen.

Sie will an wichtige Themen erinnern und dafür kämpfen, dass Bremen sich mehr für entwicklungspolitische Themen einsetzt. Außerdem bekäme sie auf diese Weise wichtige Kontakte. Nicht nur zu den Politikern, sondern auch zu Organisationen, die sich in Bremen damit beschäftigen. Die will sie in den kommenden Wochen nutzen.

Eines hat die 24-Jährige durch ihre vielen Engagements aber auch erkannt: Hauptberuflich will sie nach ihrem Wirtschaftsrecht-Studium nicht in der Flüchtlingshilfe arbeiten. „So wichtig mir das alles ist, ich wäre zu emotional, um professionell darin zu arbeiten“, sagt sie. Bis Ende des Jahres ist Rifaki noch offiziell Jugendbotschafterin – aber auch danach will sie sich weiter einsetzen.

Das Jugendbotschafterprogramm

Das Programm existiert seit 2011. Ziel ist es, die Erfolge von Entwicklungszusammenarbeit bekannter zu machen, mehr Menschen im Kampf gegen extreme Armut zu aktivieren und von der Politik mehr Einsatz für Entwicklung zu fordern. Dazu informieren die Jugendbotschafter unter anderem Bürger in der eigenen Region und treffen Politiker. Die Programme haben jedes Jahr einen bestimmten Schwerpunkt.
In diesem Jahr geht es den Jugendbotschaftern insbesondere darum, sicherzustellen, dass die Bundesregierung die im Inland notwendigen Flüchtlingskosten zusätzlich zur bestehenden Entwicklungshilfe aufbringt und dazu beiträgt, die Finanzierung des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria zu sichern. Hauptsitz der internationalen Organisation ist Washington, D.C., die Europazentrale ist in London. Weitere Büros befinden sich in Berlin, Brüssel, Paris, Abuja und Johannesburg.
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