Protest

Bremerin will Petition gegen Abfallgebühren

Dass in den meisten Wohnanlagen die Müllgebühren nach der Anzahl der Quadratmeter und nicht pro Kopf erhoben werden, findet Danielle Drosdowski unerhört. Sie will dagegen mit einer Petition vorgehen.
02.03.2017, 18:35
Lesedauer: 3 Min
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Bremerin will Petition gegen Abfallgebühren
Von Kristin Hermann
Bremerin will Petition gegen Abfallgebühren

Danielle Drosdowski will eine Petition starten.

Christina Kuhaupt

Dass in den meisten Wohnanlagen die Müllgebühren nach der Anzahl der Quadratmeter und nicht pro Kopf erhoben werden, findet Danielle Drosdowski unerhört. Sie will dagegen mit einer Petition vorgehen.

Danielle Drosdowski wohnt in ihrer 74 Quadratmeter großen Wohnung alleine. In einer Woche produziert sie etwa einen Beutel Restmüll. Trotzdem muss sie das Gleiche zahlen, wie die drei Personen eine Etage über ihr, bei denen logischerweise mehr Abfall entsteht, die aber die gleiche Fläche bewohnen. Die Müllgebühren werden nicht pro Person in einer Wohnung, sondern pro Quadratmeter abgerechnet. So hat es die zuständige Wohngesellschaft Vonovia für ihre Wohnanlagen festgelegt. Das ist nicht neu, doch Drosdowski ist das erst jetzt richtig bewusst geworden. Die Mieterin findet diese Abrechnungsmethode so ungerecht, dass sie dagegen mit einer Petition vorgehen will. „Das geht doch zulasten etlicher Single-Haushalte“, sagt sie.

Rückendeckung bekommt Drosdowski mit ihrer Beschwerde vom Bremer Mieterschutzbund. Dort kennt man die Klagen der Mieter über Müllgebühren. „Es ist ja auch nicht nachvollziehbar, warum ein Ein-Personen-Haushalt genauso viel zahlen soll, wie eine Familie mit Kindern“, sagt Gert Brauer, Geschäftsführer des Mieterschutzbundes. In Wohnanlagen sei eine solche Abrechnungsmethode jedoch gängig, sagt Brauer. Dazu sei vor einigen Jahren auch ein Gesetz verabschiedet worden, dass diese Vorgehensweise legitimiert.

Mieterschutzbund sieht Korrekturbedarf

Würde Drosdowski nicht in einer Wohnanlage leben, sondern in einem Einfamilienhaus, würden sich ihre Gebühren für eine 60-Liter-Tonne auf 112,42 Euro belaufen, hat der Mieterschutzbund für die Frau ausgerechnet. In solchen Wohnverhältnissen zahlen Mieter oder Eigentümer eine Grundgebühr und dann für die Größe der Tonne und die Anzahl der Bewohner. Tatsächlich hat Drosdowski für den Abrechnungszeitraum von Juni 2014 bis Mai 2015 insgesamt 215,93 Euro für ihre Müllentsorgung gezahlt. „Es besteht hiernach ein Korrekturbedarf von 103,51 Euro“, so der Mieterschutzbund.

Seit 38 Jahren wohnt Drosdowski in ihrer Wohnung. Im Jahr 2008 hat die Wohnungsgesellschaft Vonovia die Gebühren auf die Anzahl der Quadratmeter umgestellt. Das Unternehmen halte sich damit an die Empfehlungen des Gesetzgebers und empfindet die Berechnung – anders als Drosdowski und der Mieterschutzbund – als fair. Die Abrechnung per Personenschlüssel sei schwer umsetzbar, weil dazu die Anzahl der Personen innerhalb eines Haushaltes ständig überprüft werden müsste. „Diesen Eingriff in die Privatsphäre möchten wir unseren Kunden nicht zumuten“, sagt Vonovia-Sprecherin Jana Kaminski. Jeder gehe anders mit dem Thema Müll um. „Viele Personen trennen ihren Müll gewissenhaft, oder achten auf die Vermeidung von Restmüll. Andere Personen sind selten zu Hause und produzieren deshalb einen geringen Umfang an Müll“, so Kaminski weiter.

Drosdowski sucht deutschlandweit Unterstützer

Ganz ähnlich sieht das auch das Bremer Wohnungsunternehmen Gewoba. „Nicht immer werden uns Mieterwechsel mitgeteilt, und auch Besucher werden in die Pro-Kopf-Berechnung nicht einbezogen“, sagt Evelyn Loock, Leiterin des Betriebskosten-Managements bei der Gewoba. Eine Berechnung nach den Personen in den Wohnungen sei auch nicht für alle gerechter. „Die Kosten werden so nur umverteilt und gehen dann zulasten von Familien“, sagt sie. Die Gewoba vermietet etwa 42.000 Wohnungen in Bremen. Für 10.000 davon hat sich das Wohnungsunternehmen ein besonderes Müllsystem ausgedacht. „In diesen Bereichen wird erfasst, wer wie viel wegwirft und danach bezahlen die Kunden auch“, sagt sie. Das lasse sich aber nicht auf alle Wohnungen der Gewoba übertragen.

Für Danielle Drosdowski zählen diese Argumente nicht. Sie kann nicht verstehen, wie Richter diese Regelungen absegnen konnten. Deshalb will sie mit ihrer Petition dagegen vorgehen und im Notfall klagen – im besten Fall mit anderen Mietern. „Ich suche Gleichgesinnte im ganzen Bundesgebiet“, sagt sie. Unterstützung vom Mieterschutzbund hätte sie dabei – auch wenn der ihre Erfolgschancen für gering hält.

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