Equal Pay Day

Bremerinnen demonstrieren für Lohngleichheit

Bremen. Ulrike Hauffe war in ihrem Element. Mit Dutzenden roter Einkaufsbeutel über dem Arm marschierte Bremens Landesfrauenbeauftragte über den Marktplatz und verteilte Informationsmaterial zum 'Equal Pay Day'.
26.03.2010, 18:41
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Von Meike Lorenzen
Bremerinnen demonstrieren für Lohngleichheit

Die Stelzenläuferinnen und Stelzenläufer vom Bremer Karneval unterstützten den Equal Pay Day auf dem Marktplatz.

Frank Thomas Koch

Bremen. Ulrike Hauffe war in ihrem Element. Mit Dutzenden roter Einkaufsbeutel über dem Arm marschierte Bremens Landesfrauenbeauftragte über den Marktplatz und verteilte Informationsmaterial zum 'Equal Pay Day'.

Die englische Bezeichnung formuliert eine wesentliche Forderung berufstätiger Frauen: Sie wollen so bezahlt werden wie ihre männlichen Kollegen. Seit drei Jahren kommen sie daher bundesweit am 26. März zusammen. Der Tag markiert die Grenze, die Frauen über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssen, um im Durchschnitt das Gehalt zu erreichen, das Männer bereits am 1. Januar auf ihrem Konto haben. Deutschland gehört mit einer Lohndifferenz von 23 Prozent zu den Schlusslichtern Europas.

Die „Rote-Taschen-Aktion“ hat der Verein Business and Professional Women (BPW) 1998 erstmals ausgerufen. „Dass gleiche Arbeit auch gleichen Lohn verdient, muss sich in den Köpfen der Handelnden festsetzen. Dafür ist der Aktionstag wichtig“, erläuterte Christiane Niebuhr-Redder, Vorsitzende des BPW in Bremen.

Das massive Lohngefälle empfinden auch viele Bremer Frauen als ungerecht. Daher kamen sie gestern auf dem Marktplatz zusammen. „Ich bin froh über die positive Resonanz“, sagte Landesfrauenbeauftragte Ulrike Hauffe. Durch diesen Tag sei die Öffentlichkeit stärker auf das Problem der ungerechten Entlohnung aufmerksam geworden.

Unternehmen in Erklärungsnot

„So langsam kommen viele Unternehmer in Erklärungsnot“, so Hauffe. Denn eine wirkliche Erklärung dafür, dass Frauen, die in gleichen Positionen wie Männer sind, trotzdem oft schlechter bezahlt werden, gebe es nicht. „Ein großes Problem ist, dass allgemein nicht gerne über Geld gesprochen wird“, sagte Hauffes Mitarbeiterin Regine Geraedts von der Bremischen Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF). In vielen Verträgen sei sogar schriftlich verankert, dass Mitarbeiter nicht über ihr Einkommen sprechen dürften. Eine wesentliche Forderung der ZGF ist daher Transparenz. Geraedts: „Unternehmen sollten offenlegen müssen, wie und nach welchen Maßstäben sie ihre Mitarbeiter bezahlen.“

In Bremen stünden die Frauen besonders schlecht da. Die Lohnlücke betrage hier durchschnittlich 26 Prozent. „Umgerechnet auf den Bruttoverdienst bei einer Vollzeittätigkeit verdienen Frauen jeden Monat gut 1000 Euro weniger als Männer“, rechnete Regine Geraedts vor.

Entsprechend fand der Equal Pay Day auch in diesem Jahr wieder viele Unterstützerinnen. Neben den Stelzenläuferinnen des Bremer Karnevals war auch Christine Renken vom Straßentheater Interaktiwo auf dem Marktplatz dabei. Sie schlüpfte in das Kostüm einer Frau aus der Zeit vor gut 100 Jahren, in der die Frauenbewegung einen starken Aufschwung erlebte. So verwickelte die Schauspielerin die umstehenden Passanten und Neugierigen in Gespräche. „In den letzten hundert Jahren hat sich ja nicht so viel getan“, behauptete sie. Um wirklich etwas zu verändern, müsse nicht nur auf Arbeitgeberseite umgedacht werden. „Frauen sollten selbstbewusst auftreten und auch etwas einfordern“, sagte Renken.

Ulrike Hauffe unterstützt diesen Gedanken: „Männer wie Frauen müssen umdenken, damit Rollenbilder aufgebrochen werden.“ Noch immer übten vor allem Frauen soziale Berufe aus. Diese würden deutlich schlechter bezahlt. Andererseits sagt Ulrike Hauffe: „Wir müssen uns überlegen, ob wir es für sinnvoll halten, dass die Arbeit am Menschen schlechter bezahlt wird als die am Material.“

Das Thema Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen ist komplex und noch lange nicht ausdiskutiert. Sofern sich die Gehaltssituation für Frauen nicht ändert, werden Ulrike Hauffe und ihre Mitstreiterinnen wohl auch in den nächsten Jahren am 26. März auf die Straße gehen.

Neben der Aktion auf dem Marktplatz gab es weitere Veranstaltungen. Interessierte Frauen konnten sich unter anderem bei der Sparkasse Bremen in Honorarfragen beraten lassen. Am Abend wurde eine Podiumsdiskussion geboten.

 

 

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