"Einfach typisch Bremen" Breminale: Welche Bilanz Organisatoren und Polizei ziehen

Die Breminale 2022 ist fast vorbei, nun wird Bilanz gezogen: Ob bei den Besucherzahlen das Vor-Corona-Niveau erreicht wurde, wer sich in diesem Jahr besonders freuen kann und welche kritischen Momente es gab.
17.07.2022, 18:48
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Breminale: Welche Bilanz Organisatoren und Polizei ziehen
Von Fabian Dombrowski

Welches Fazit zieht der Festivalleiter?

Nach zwei Jahren Breminale-Pause wegen Corona stand die Frage im Raum, wie die Bremerinnen und Bremer das Festival in diesem Jahr annehmen würden. "Nun sehen wir aber, dass sich alles wieder auf das Niveau von 2019 einpendelt", sagt Jonte von Döllen, künstlerischer Leiter der Breminale. Die Besucherzahl in diesem Jahr schätzt er auf rund 200.000. Vor allem am Sonnabend sei es ungefähr so voll gewesen wie auch am Breminale-Sonnabend vor drei Jahren.

Und noch etwas ist zurückgekehrt: Die bekannten Unterbrechungen, wenn die Weser über die Ufer tritt und Teile des Festival-Geländes flutet. So ist es am Freitag und Sonnabend kurz passiert. "Das sind aber keine brenzligen Situationen", beschwichtigt von Döllen und nimmt es mit Humor. "Es ist nur blöd, wenn wir das Programm unterbrechen und die Bühnen vom Strom nehmen müssen."

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Beschwerden der Nachbarn seien laut von Döllen in diesem Jahr bisher nur vereinzelt gekommen. Diese hätten sich etwa auf die Parkplatz-Situation, die nächtliche Beleuchtung oder den Müll in den Seitenstraßen bezogen. Einen kritischen Punkt habe es am Sonnabend kurz gegeben: Da sei es beim neuen Mehrweg-Geschirr zu einem "Engpass" gekommen. Ansonsten zieht der Festivalleiter eine positive Bilanz. "Mir war in diesem Jahr vor allem die Diversität der Künstlerinnen und Künstler wichtig, und die wurde vom Publikum gut angenommen." Im kommenden Jahr solle das Festival noch subkultureller und inklusiver werden, auch der Secondhand-Marktplatz soll weiter ausgebaut werden.

Was sagt die Polizei?

Diebstähle, Auseinandersetzungen und einige Schlägereien – so lautet zusammengefasst die Breminale-Bilanz der Polizei. Demnach seien an mehreren Abenden sogenannte Antänzer und andere Trickdiebe ermittelt und vorläufig festgenommen worden. Auch habe es einige sexuelle Belästigungen und Nötigungen gegeben, hier konnte die Polizei einen Täter stellen. Am Wochenende seien zudem Verdachtsfälle mit K.o.-Tropfen gemeldet worden. "In vielen Sachverhalten hatte sich dies nicht bestätigt, in zwei Fällen wurden entsprechende kriminalpolizeiliche Maßnahmen eingeleitet", teilt die Polizei mit. Die Ermittlungen dazu dauerten an.

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Neu war, dass die Polizei mit einem eigenen Container auf der Breminale präsent war. Dieser sei von den Besucherinnen und Besuchern als Anlaufpunkt für allgemeine Anfragen und Anzeigenaufnahmen "sehr gut angenommen" worden. Insgesamt habe "eine friedliche und ausgelassene Stimmung" auf dem Festival geherrscht.

Wie ging es den Gastronomen?

Die Betreiber der Essensstände zeigen sich verhalten bis euphorisch. Daniel Jakubowski, Chef des Bauernbrot-Stands, hat die Atmosphäre des Festivals sehr genossen. Schon in den Jahren vor Corona war er auf der Breminale vertreten, genauso wie auf dem Straßenfestival "La Strada". "Das ist hier einfach typisch Bremen, alle sind total locker", sagt Jakubowski. Er sei sehr zufrieden damit, wie das Geschäft in den vergangenen Tagen gelaufen sei, die Leute würden immer viel Hunger mitbringen. 

Am "Schwenkgrill" hingegen war es laut Chefin Kerstin Use etwas ruhiger als sonst. Sie vermutet, dass das mit ihrem neuen Standort zusammenhängt. Und für Hannah Esser und Sabine Fries vom veganen Falafel-Stand lief es ähnlich wie in den vergangenen Jahren. Trotz der kurzen Flut-Unterbrechung am Sonnabend würde die Bilanz "ziemlich gut" aussehen.

Wie lief es an den Secondhand- und Vintage-Ständen?

Zum ersten Mal waren lokale Secondhand- und Vintage-Läden auf der Breminale vertreten. Die zeigen sich nun begeistert darüber, wie ihr Angebot beim Publikum angenommen wurde. Die vergangenen Tage seien "der Hammer" gewesen, sagt Alexa Rasch, Gründerin der Upcycling-Initiative "Good is". "Die Leute kaufen die ganze Zeit unsere Sachen, ohne groß über die Preise zu diskutieren. Und nebenbei können wir noch etwas über Kreislaufwirtschaft und Müllvermeidung erzählen." Vor allem die Hüte, die aus alten Handtüchern gefertigt werden, seien mittlerweile überall auf der Breminale zu sehen. Sie sei dankbar für die Möglichkeit, die sie hier bekommen hätten.

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Auch für Levon Honkamp, dessen Geschäft "Wanted Vintage" eigentlich in der Lloyd-Passage zu finden ist, war die Breminale ein "einschneidendes Erlebnis". "Viele Leute, die uns vorher noch nicht kannten, sind nun auf uns aufmerksam geworden", sagt Honkamp. Trotz des anfänglichen finanziellen Risikos habe sich der Aufwand vollends gelohnt.

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