Tach auch

Bremisch?

Neulich stutzte ich, als ich im Radio eine Freimarktwerbung hörte, die mit den Worten „… auf der Bremer Bürgerweide“ endete. Erster Reflex: Das muss doch „Bremische“ heißen! Zu meiner Verteidigung: Ich habe häufiger mit der Bremischen Bürgerschaft zu tun, und natürlich muss das ebenso beginnende Wort Bürgerweide auch mit dem Begriff „Bremisch“ gebildet werden.
09.11.2016, 00:00
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Von Christian Walter

Neulich stutzte ich, als ich im Radio eine Freimarktwerbung hörte, die mit den Worten „… auf der Bremer Bürgerweide“ endete. Erster Reflex: Das muss doch „Bremische“ heißen! Zu meiner Verteidigung: Ich habe häufiger mit der Bremischen Bürgerschaft zu tun, und natürlich muss das ebenso beginnende Wort Bürgerweide auch mit dem Begriff „Bremisch“ gebildet werden. Sagte mir mein Gehirn. Was Quatsch ist. Oder doch nicht?

Laut der Germanistin Dr. Ute Siewerts von der Uni Bremen bedeutet „bremisch“ sprachhistorisch so viel wie „zu Bremen gehörig.“ So wie die Stadtmusikanten, denke ich mir. Wenn etwas zu Bremen gehört, dann die vier Tiere, wichtige Werbeträger der Stadt. Einzig: Sie werden nicht als „Bremische“, sondern als „Bremer“ Stadtmusikanten bezeichnet. Ein anderer Fall: Wieso soll das Bremische Hochschulgesetz eher zu Bremen gehörig sein als der Bremer Roland? Und was unterscheidet sprachlich eigentlich die Bremer Landesbank und die Bremische Volksbank? Die Liste lässt sich fortführen.

Der Ursprung sowohl von „bremisch“ als auch von „Bremer“ liegt laut Dr. Siewerts im Mittelniederdeutschen (brêmisch/bremeren). Vieles spricht historisch für eine synonyme Verwendung, wenn auch nicht alles. Es kommen laut ihrer Kollegin Dr. Claudia Happe nämlich feste Phrasen hinzu, die man nicht verändern darf. Vielleicht lässt es sich so erklären: Die Bremische Bürgerschaft, der Bremische Deichverband, die Bremische Evangelische Kirche – sie alle tragen unabänderliche Eigennamen. Die Bremer Bürgerweide hingegen, das Bremer Weserstadion, der Bremer Hauptbahnhof – das alles befindet sich lediglich in der Stadt.

Das Gedankenspiel der austauschbaren Begriffe lohnt dennoch, nicht nur zur Entlastung derjenigen, die fälschlicherweise „Bremer Bürgerschaft“ sagen. Klängen denn „Bremische Straßenbahn AG“, „Bremischer Bürgerpark“ oder „Bremische Kunsthalle“ nicht viel stolzer, erhabener, würdevoller? Ich finde ja. Mit diesem Begriff könnte man sogar der Finanzlage der Stadt einen besseren Klang verpassen. Denn die „Bremischen Schulden“ sind ja auch schon seit Längerem zu Bremen gehörig.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+