Angebote für Mieter der Schlichthäuser

Bröckelnder Widerstand am Sacksdamm

Auch nach Gesprächen mit dem Immobilienunternehmen Vonovia SE bleibt für einen Teil der Mieter der sogenannten Schlichthäuser Am Sacksdamm/Alte Landwehr in Sebaldsbrück klar, dass sie wohnen bleiben wollen.
21.07.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Hasemann
Bröckelnder Widerstand am Sacksdamm

Die Reihersiedlung - kein schöner Ort zum Wohnen. Nun soll es für die Mieter neue Angebote geben.

Roland Scheitz

Auch nach Gesprächen mit dem Immobilienunternehmen Vonovia SE bleibt für einen Teil der Mieter der sogenannten Schlichthäuser Am Sacksdamm/Alte Landwehr in Sebaldsbrück klar, dass sie wohnen bleiben wollen.

Bisher hätten nur wenige Mieter Angebote des Immobilienunternehmens Vonovia, ein Zusammenschluss der Deutschen Annington und Gagfah, angenommen und sich bereit erklärt, in andere Wohnungen zu ziehen, berichtet Anwohnerin Simone Helber. Ein Teil der angebotenen Wohnungen befinde sich in der Reihersiedlung in Gröpelingen, so Simone Helber weiter, die selbst mit ihrer Familie am Sacksdamm wohnt.

Ob die Reihersiedlung, die in der Vergangenheit als Problemviertel galt, dauerhaft erhalten bleibt und damit eine Wohnalternative für die Mieter aus Sebaldsbrück darstellt, ist allerdings fraglich. Der dortige Beirat steht dem Viertel, dass die Vonovia erst im Mai für einen symbolischen Preis an den Verein Wohnungshilfe Bremen verkaufte, eher ablehnend gegenüber und hatte sich gegen den Erhalt ausgesprochen.

Andere Bewohner aus der Alten Landwehr und dem Sacksdamm hätten sich außerdem auf eigene Faust neue Wohnungen gesucht, berichtet Simone Helber. „Besonders die, die so einen Kampf nicht durchstehen würden.“ Sie meint damit eine möglicherweise folgende rechtliche Auseinandersetzung.

Nur wenige schriftliche Zusagen

Bisher setzt die Vonovia aber offensichtlich auf Angebote und Anreize, um die Bewohner zum Auszug zu bewegen. In Gesprächen seien den Bewohnern Hilfe bei der Wohnungssuche und bei der Übernahme von Deponaten angeboten worden, sagt Helber. „In einigen Fällen wird wohl also auch Geld geflossen sein“, mutmaßt sie. Sie bemängelt zugleich, dass es nur wenige schriftliche Zusagen gebe. Das Vorgehen der Vonovia hat zumindest teilweise Erfolg: Die letzten verbleibenden Mieter in der Alten Landwehr werden voraussichtlich zum ersten September ausziehen. Damit stünde die gesamte Straße leer.

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Nach einer Sitzung des Beirats Hemelingen im Sacksdamm im Mai hatten die Bewohner sich mietrechtlich beraten lassen. Das Resultat: Eine Kündigung der bestehenden Mietverträge ist nicht ohne Weiteres möglich, denn die Kündigungsfristen richten sich nach der Länge des bisherigen Mietverhältnisses. „Wenn es zu Kündigungen seitens der Vonovia kommen sollte, werden wir eine Sammelklage einreichen“, kündigt Simone Helber an, die fest entschlossen ist, am Sacksdamm wohnen zu bleiben. „Auch uns wurde ein Haus angeboten, das war ein lange leer stehendes Haus mit einer sehr langen Mängelliste“, sagt Simone Helber. Schimmel und ein kaputtes Dach seien die gravierendsten Mängel gewesen. Außerdem sei es für die neunköpfige Familie viel zu klein. „Dann wurde uns noch eine Wohnung in Kattenturm angeboten. Aber wie soll das gehen?“, fragt sie. Die Kinder gingen in Sebaldsbrück zur Schule, in den Kindergarten und engagierten sich dort im Sportverein. „Ich habe dann der Vonovia klargemacht, dass ich hier bleibe bis die Bagger anrücken.“

Ob es dazu in näherer Zukunft kommen wird, ist momentan fraglich. Nach Auskunft des Bauressorts sind bisher keine Abriss- oder Bauabsichten für die Siedlung eingegangen. Die Vonovia dagegen geht weiter von einer recht baldigen Lösung aus. Am Zeitplan habe sich bisher nichts geänderte, teilte auf Nachfrage Max Niklas Gille, Pressesprecher der Vonovia mit. „Wir wollen weiterhin neuen Wohnraum am Sacksdamm schaffen“, sagt Gille. Man befinde sich in engem Kontakt mit den Mietern und bemühe sich, um für jeden Mieter eine praktikable Lösung zu finden. Für Familie Helber bedeutet das weiter ein Leben im Ungewissen. „Es ist nicht angenehm hier zu sitzen und nicht zu wissen, was los ist“, sagt Simone Helber. „Und natürlich haben wir auch Angst davor, dass, wenn man gar kein Angebot annimmt, im schlimmsten Fall nichts hat. Wir haben die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben, dass jemand kommt und die Siedlung erhalten werden kann.“

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