In der Kritik

Broilers rocken die ÖVB-Arena

Die Broilers haben in der prall gefüllten ÖVB-Arena nichts anders als Hymnen gespielt. Lieder, die mit griffigen Melodien das Leben feiern, Werte wie Freundschaft und Zusammenhalt hochhalten und ab und zu auch auf die Schattenseiten blicken. Eine Kritik.
14.04.2017, 15:37
Lesedauer: 2 Min
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Von Lars Fischer

Die Broilers haben in der prall gefüllten ÖVB-Arena nichts anders als Hymnen gespielt. Lieder, die mit griffigen Melodien das Leben feiern, Werte wie Freundschaft und Zusammenhalt hochhalten und ab und zu auch auf die Schattenseiten blicken. Eine Kritik.

Fast schon paradox klingt es, wenn Sammy Amara einen Song ansagt, der „Keine Hymnen heute“ heißt. Spielen er und seine Broilers doch an diesem denkwürdigen Abend in der prall gefüllten ÖVB-Arena nichts anders als Hymnen. Lieder, die mit nicht allzu komplizierten Strukturen und griffigen Melodien das Leben feiern, Werte wie Freundschaft und Zusammenhalt hochhalten und ab und zu auch auf die Schattenseiten blicken.

Was Amara mit „Keine Hymnen“ meint, sind nationalistische, auf Ausgrenzung bedachte „Wir sind besser als ihr“-Lieder. Die gibt es bei den Düsseldorfer Punkrockern mit Oi-Vergangenheit selbstverständlich nicht, sie sind durch und durch integrativ eingestellt. Das gilt auch für ihre Musik, die so konzipiert ist, dass sie die Massen nicht nur mitnimmt, sondern dass selbst in den größten Hallen der Funke sofort überspringt. Das ist in Bremen nicht anders, selten hat man in dieser Stadt eine Punkrock-Party von solchen Ausmaßen erlebt: Tausende im Circle Pit, das schaffen sonst nur Die Ärzte und die mit den Broilers eng verbundenen Toten Hosen. Mit ein paar Ska-Ausflügen inklusive eines dreiköpfigen Bläsersatzes, etwas Rockabilly oder einigen Folkrock-Elementen hat das Quintett seine Songs so weit angereichert, dass auch über die ausgedehnte Spieldauer von rund zwei Stunden keine Langeweile aufkommt. Die Verschnaufpausen für die Feiernden sind kurz, ihre Hingabe ist groß. Genauso verhält es sich auf der Bühne, Amara und die Seinen haben genau den Grat zwischen Mainstream-Tauglichkeit und eigener Verwurzelung gefunden. Sie spielen keine Show mit vielen Effekten, sie feiern mit ihrem Publikum ohne sich groß zu verbiegen.

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Auch mit der Wahl ihrer Vorgruppe beweisen sie Haltung. Das schwedische Quartett The Baboon Show verbindet klare Botschaften mit eben solchem Punkrock. Die Gruppe um die charismatische Sängerin Cecilia Boström, die eher eine Metal-typische Reibeisenstimme hat, ist musikalisch deutlich puristischer. Ihre knappen Songs erinnern an Gründerväter wie die Ramones, nur dass die Stockholmer auf deutsch und einiges schneller einzählen. Ein stilvolles Vorglühen für die kollektive Ekstase, die dann folgt.

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