Straßenbahnen in Bremen BSAG feiert drei runde Geburtstage

Bremen. Angefangen hat alles 1876 mit einer Pferdebahn vom Herdentor nach Horn. Heute fahren für das Nachfolgeunternehmen BSAG rund 350 Straßenbahnen und Busse durch Bremen. Für Fahrgäste und Mitarbeiter gibt es in diesem Jahr gleich drei Gründe zu feiern.
08.08.2010, 05:20
Lesedauer: 4 Min
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Von Daniel Goerke

Bremen. Angefangen hat alles 1876 mit einer Pferdebahn vom Herdentor nach Horn. Heute fahren für das Nachfolgeunternehmen BSAG rund 350 Straßenbahnen und Busse durch Bremen. Für Fahrgäste und Mitarbeiter gibt es in diesem Jahr gleich drei Gründe zu feiern.

20 Pferde, vier offene und acht geschlossene Wagen sowie 20 Beschäftigte waren 1876 für das damals noch als Bremer Pferdebahn bekannte Unternehmen im Einsatz. Heute transportiert die BSAG täglich knapp 300.000 Fahrgäste. Aus den anfangs 20 Beschäftigten sind mittlerweile etwa 2000 geworden.

Im Jahr 1960 wurden die Weichen gestellt: Der Betriebshof Neue Vahr-Süd ging - zunächst als reiner Busbetriebshof - ans Netz, die Verlängerung der damaligen Linie 15 über den Schwachhauser Ring hinaus bis zur Kulenkampffallee wurde fertiggestellt und die Große Weserbrücke, heute besser bekannt als Wilhelm-Kaisen-Brücke, wurde eingeweiht. Der Verein 'Freunde der Bremer Straßenbahn' veranstaltet daher am Sonntag, 15. August, eine Sonderfahrt mit einer historischen Straßenbahn unter dem Motto '3 x 50'. Die Fahrt mit der Themenfahrt-Linie 7 beginnt um 14 Uhr am Hauptbahnhof. Die Route führt vorbei an der Haltestelle Kuhlenkampffallee, über die Wilhelm-Kaisen-Brücke bis zum Betriebshof in der Neuen Vahr. Ein Schaffner erzählt unterwegs spannende Geschichten aus der Vergangenheit.

Für die Fahrt soll der Hansa-Gelenkzug mit der amtlichen Kennung 446/1458 aus den 60er Jahren zum Einsatz kommen. Die Ausstattung des Zuges ist zwar nicht gerade luxuriös, erinnert aber an eine Zeit, als das Straßenbahnfahren wieder in Mode kam. Eintönig graue Seitenwände, Leuchtstoffröhren und Sitze aus Pressholz zeugen vom Zeitgeschmack der 60er Jahre.

Die Straßenbahnstrecke durch das Bürgerparkviertel bis zur Kulenkampffallee gehört in Bremen zwar nicht zu den bekanntesten, hat durchaus aber eine lange Tradition. Bereits im Jahr 1902 begannen die Bauarbeiten für die Straßenbahnstrecke vom Gustav-Deetjen-Tunnel durch die damalige Kaiser-Friedrich-Straße (heute Hermann-Böse-Straße) bis zur Parkallee, Höhe Am Stern. Nach und nach wurde die Strecke weiter ausgebaut: 1911 zunächst vom Stern bis zur Wachmannstraße, 1914 wurde die Trasse durch die Hartwigstraße bis zum Schwachhauser Ring verlängert.

Um die neuen Wohngebiete in Schwachhausen besser bedienen zu können, verlängerte die BSAG nach dem Krieg die Straßenbahnstrecke durch die Wachmannstraße bis nach Riensberg. Ein Jahr später schließlich verlängerte die Gesellschaft die Trasse vom Schwachhauser Ring über die Crüsemannallee durch die Neubaugebiete des Bürgerparkviertels bis zur Kulenkampffallee.

Universität gab Anschub

Mit dem Bau der Bremer Universität Anfang der siebziger Jahre gewann die Strecke durch die Hartwigstraße und die Crüsemannallee weiter an Bedeutung. An der Kulenkampffallee bestehen bis heute Umsteigemöglichkeiten zu mehreren Buslinien in Richtung Technologiepark. Nach mehrmaligen Umbenennungen der Linien und Netzreformen bedient heute die Linie 8 die Crüsemann- und Kulenkampffallee. Die Linie 5, die zeitweilig ebenfalls die Haltestellen anfuhr, wurde 2002 eingestellt.

Fünfzigsten Jahrestag kann auch das Bus- und Straßenbahndepot an der Kurt-Huber-Straße in der Neuen Vahr feiern. Eng damit verknüpft ist die Entwicklung der Wohngebiete im Bremer Osten in der frühen Nachkriegszeit. Zwar gab es schon vor dem Zweiten Weltkrieg erste Überlegungen, die Vahr an den öffentlichen Nahverkehr anzubinden, verwirklicht wurde jedoch nichts. Als nach dem Krieg in Bremen rund 100000 Wohnungen fehlten, wurde 1954 damit begonnen, auf der Hastedter Feldmark, die Gartenstadt Vahr zu errichten. Von 1957 bis 1962 wurde zu beiden Seiten der Franz-Schütte-Allee die Neue Vahr gebaut. Nur drei Jahre später wohnten dort bereits 30000 Menschen.

Starker Bedarf in der Vahr

Die Bewohner des neuen Stadtteils benötigten dringend eine Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz. Zunächst mussten das neue Buslinien bewerkstelligen, denn die konnten die Planer schneller realisieren als Schienenverbindungen. 1957 wurde die Linie 25 in die Gartenstadt Vahr in Dienst gestellt, ein Jahr später folgte die Linie 23, die die Neue Vahr bediente. Die neuen Busverbindungen machten auch den Bau eines neuen Betriebshofs erforderlich. Das alte Depot in Horn platzte aus allen Nähten. Es war so geplant, dass später dort auch Schienenfahrzeuge gewartet werden konnten. 1960 nahm das Depot seine Arbeit auf.

Immer mehr Menschen zogen in den folgenden Jahren in die Neue Vahr. Die Busse konnten den Anforderungen bald nicht mehr gerecht werden. Eine leistungsfähige Schienenverbindung wurde immer dringlicher. 1967 wurde schließlich die Straßenbahnlinie 1 eröffnet, die die überlasteten Busverbindungen ablöste. Mit der größer werdenden Einwohnerzahl stieg auch das Verkehrsaufkommen in der Hansestadt immer weiter an. 1957 veranlasste daher die Bremer Baudeputation einen Neubau der Großen Weserbrücke. Das Bauunternehmen plante eine sogenannte dreifeldrige Spannbeton-Hohlkastenbrücke. Richteten die Planer in den vergangenen Jahrzehnten die Hauptverkehrsadern und damit auch die Brücken immer zum Stadtzentrum aus, sollte die neue Brücke den Verkehr um das Zentrum herum führen. Im Vergleich zur alten Brücke wurde das neue Bauwerk 40 Meter weseraufwärts errichtet, so dass sie auf der Altstadtseite nicht mehr als Verlängerung der Wachtstraße diente.

Am 1. August 1958 wurde der Grundstein gelegt. Die Bauarbeiten begannen gleichzeitig an beiden Uferseiten. Ende des Jahre 1959 trafen sich beide Bauabschnitte über der Weser. Zwischen die beiden Abschnitten wurde eine Gelenkfuge eingebaut, die beiden Brückenhälften etwa drei Zentimeter Spielraum lässt. Die Kosten für den Bau beliefen sich auf 17,5 Millionen Mark. Am 22. Dezember 1960 schnitt Wilhelm Kaisen, damaliger Bürgermeister und Präsident des Senats mit einer goldenen Heckenschere ein weißes Band durch und eröffnete damit die neue Große Weserbrücke. 'Ich nenne sie Große Weserbrücke', sagte Kaisen bei der Eröffnung. 'Der Übergang trägt ihn seit Jahrzehnten, und so soll es auch bleiben.' Erst seit dem 1. Januar 1980 trägt die Brücke im Gedenken an den zwei Wochen zuvor verstorbenen Wilhelm Kaisen seine Namen.

Die Sonderfahrt mit der historischen Straßenbahn unter dem Motto '3 x 50' findet am Sonntag, 15. August, statt. Die Fahrt beginnt um 14 Uhr am Hauptbahnhof auf Gleis E. Angefahren werden die Kulenkampffallee, die Wilhelm-Kaisen-Brücke und der Betriebshof in der Neuen Vahr, der auch besichtigt werden kann. Gegen 17 Uhr endet die Fahrt wieder am Hauptbahnhof. Fahrgäste können sich unter den Telefonnummern 0421 / 55 96 48 1 oder 0421 / 55 96 7642 anmelden. Oder eine E-Mail an die Adresse info@fdbs.net. Eine Fahrkarte kostet 15 Euro.

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