Buchpräsentation bei Online-Lesung Schräge Geschichten mit A

Nach den „Tee-Geschichten“, deren Titel mit T anfangen, hat sich Fabian Schefold einem neuen Buchstaben gewidmet: dem A. Seine A-Geschichten stellte er in einer Online-Lesung vor.
15.02.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt

A wie Arbeitsamt, Allergie, Anwalt oder Arzt – Fabian Schefold hat „Arbeits-Geschichten“ geschrieben, deren Überschriften alle mit A beginnen – nach den Tee-Geschichten, deren Titel mit T anfangen, legt er damit sein zweites Buch vor und präsentierte es auf einer Online-Lesung, organisiert vom Sujet Verlag, in dem sein neues Werk erschienen ist.

25 Teilnehmer waren dabei und mussten stockenden Ton und für mehrere Sekunden stehende Bilder der Liveübertragung in Kauf nehmen, doch die technischen Probleme wurden noch größer, als das Frauen-Duo Mars & Marbles zwischen den Texten musikalische Einlagen spielte: Für die Übertragung wurde ein Laptop vor die Kamera gestellt, auf dessen Bildschirm die beiden Musikerinnen unscharf und nur schemenhaft zu erkennen waren, und auch die Tonqualität war schlecht.

Fabian Schefold las eine Auswahl aus seinen Storys und zum Abschluss auch ein Gedicht aus den „Arbeits-Geschichten“, in denen sich ein Max Fish, der mit seinem Namen nur wenig vom berühmten Schweizer Autor Max Frisch abweicht, als Restaurantprüfer vorstellt. Der erweist sich als extrem streng und gibt unter den 1000 weltbesten Restaurants seinem eigenen den ersten Platz.

Collagen von Mutter Monica

Die Arbeits-Geschichten von Fabian Schefold sind heitere, reichlich schräg daherkommende Texte aus einem surreal anmutenden Alltag. Dazu passen die Collagen seiner Mutter Monica Schefold, die in Dublin Kunstpädagogik und in Basel Grafik studiert und in London und New York als Grafikerin gearbeitet hat. Ihr farbiges Ineinander aus Fotos, Comics oder Malereien wirkt wie Traumfetzen und lässt, ähnlich wie die locker geschriebenen kurzen Texte, viele Freiräume für Assoziationen und eigene Erinnerungen. Denn so manches aus ­Schefolds Geschichten hat man selber erlebt – in einem Alltag, der so manche Schwierigkeiten bereiten kann – besonders, wenn man, wie der Held des Buches, allergisch gegen Arbeit ist. Zwar wird er als Kellner angestellt, doch das währt nicht lange, denn er zerbricht ein Glas und wird gefeuert.

Andere Arbeiten, die ihm aufgetragen werden, füllen ihn nicht aus, zum Beispiel, wenn er täglich Briefe von der zehnten in die erste Etage bringen muss. Und sein Alltag wird von lauter eher meidenswerten Typen erfüllt, seien es Anwalt, Arzt, Mitarbeiter einer IT-Firma oder auch Freunde, die nur noch aufs Handy schauen. Der Held der Geschichten jedenfalls schaut anders, er durch-schaut, wie zum Beispiel bei einer Vernissage das Geschwätz, das eitle Kunstexperten von sich geben. In seiner Freizeit probt er am Spiegel das Küssen, bevor er sich in die Disco begibt, und er trifft auf Leute, die einem Leid tun können, wie den Lottogewinner, der mit seinem neuen Reichtum sein schönes, überschaubares Leben verliert, das er vorher hatte.

Fabian Schefold wurde 1968 in Berlin geboren und lebt seit mehr als 30 Jahren in Bremen und Berlin. Er promovierte 1998 an der Universität Hannover über britische Kolonialliteratur und ist seitdem im Deutschunterricht tätig. „Ich gebe in verschiedenen Einrichtungen Kurse ‚Deutsch für Ausländer‘, unterrichte aber auch ­Englisch und Französisch“, sagt Fabian Schefold.

Nächstes Mal das H

Er sei vor etwa 20 Jahren zum Schreiben gekommen und habe seine Texte verschiedenen Verlagen angeboten, aber keinen Erfolg gehabt, erzählt Fabian Schefold. Deshalb habe er seine Kurzgeschichten zunächst im privaten Kreis vorgelesen, bis er sie im Bremer Sujet-Verlag veröffentlichen konnte. Das Schreiben sei für ihn zwar nur eine Nebentätigkeit, aber dennoch eine wichtige Sache. „Ich schreibe fiktive Geschichten, aber auch Gedichte, die aus meiner Inspiration entstehen“, sagt der Autor, „Realismus liegt mir fern.“ Nach den Geschichten, deren Überschriften alle mit einem T oder einem A beginnen, hat Fabian Schefold sein drittes Buch in Arbeit – auch diese Geschichten, wie sollte es anders sein, tragen alle Titel mit demselben Anfangsbuchstaben – diesmal ist es das H.

Weitere Informationen

Fabian und Monica Schefold: Herr A – Arbeits-Geschichten. Sujet Verlag, Bremen. 127 Seiten, 12,80 €.

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