Wie Bremen vom Weihnachtsmarkt profitiert Budenzauber als Wirtschaftsfaktor

Bremen. Die Besucherzahlen des Bremer Weihnachtsmarktes steigen von Jahr zu Jahr. Davon profitieren nicht nur die Schausteller und Händler vor Ort, sondern auch Hotellerie, Einzelhandel und Reiseveranstalter.
05.12.2011, 19:20
Lesedauer: 3 Min
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Von Thomas Joppig

Bremen. Die Besucherzahlen des Bremer Weihnachtsmarktes steigen von Jahr zu Jahr. Davon profitieren nicht nur die Schausteller und Händler vor Ort, sondern auch Hotellerie, Einzelhandel und Reiseveranstalter. Laut neuesten Zahlen der City-Initiative hat die Budenlandschaft zwischen Domshof und Schlachte mittlerweile Deutschlands berühmtesten Weihnachtsmarkt in Sachen Beliebtheit eingeholt.

Neuesten Erhebungen der City-Initiative zufolge macht der Bremer Einzelhandel in der Innenstadt während der etwa einmonatigen Dauer des Weihnachtsmarktes rund 90 Millionen Euro Umsatz. Das sind etwa 40 Millionen Euro mehr als in anderen Monaten. Grund für die guten Geschäfte ist vor allem die beständig wachsende Zahl von Besuchern, die das Ereignis anlockt. Eine Untersuchung im Auftrag der Bremer Schausteller ergab vor rund zehn Jahren, dass das adventliche Markttreiben jährlich etwa 1,5 Millionen Besucher anzieht. Die City-Initiative geht inzwischen davon aus, dass sich die Besucherzahl dank des seit sechs Jahren stattfindenden Schlachte-Zaubers auf etwa zwei Millionen erhöht hat.

Damit hätte Bremen den Nürnberger Christkindlesmarkt in Sachen Beliebtheit eingeholt. Allerdings sind die Zahlen nicht hundertprozentig belastbar. In Nürnberg schätzt die Polizei die Besuchermasse, in Bremen übernimmt diese Aufgabe die marketingorientierte City-Initiative. „Es steht nirgendwo ein Zähler, der alle Menschen registriert“, erklärt deren Geschäftsführer Jan-Peter Halves. Die Angaben leite man aus früheren Erhebungen ab. „Wir vergleichen beispielsweise die Zahl der Reisebusse, die in die Stadt kommen, oder die Hotelbuchungen“, sagt Halves.

Solchen Schätzungen begegnet Günther Hribek vom Centrum für marktorientierte Tourismusforschung der Universität Passau mit Vorsicht. Sein Institut hat sich mithilfe empirischer Methoden mit dem Phänomen Weihnachtsmarkt auseinandergesetzt. „Wissenschaftlich belastbar lässt sich eine Besucherzahl kaum erfassen“, sagt er. Die Erfahrung zeige zudem, dass Schätzungen von Veranstaltern oft maßlos übertrieben seien.

Dennoch sprechen viele Indizien dafür, dass die Besucherzahlen in Bremen tatsächlich steigen. „Zahlreiche Veranstalter von Städtereisen haben Fahrten zum Weihnachtsmarkt und zum Schlachte-Zauber im Programm“, sagt Maike Lucas, Sprecherin der Bremer Touristik-Zentrale. „Allein die Zahl der Reisebusse beläuft sich an jedem Adventswochenende auf etwa 200.“ Unter den auswärtigen Besuchern seien neben Tagestouristen auch viele Übernachtungsgäste – nicht nur aus Deutschland, sondern zum Beispiel auch aus Skandinavien oder den Niederlanden. „Seit Ryanair Bremen anfliegt, kommen außerdem vermehrt Touristen aus Spanien und Italien hinzu.“ Dort wird der Weihnachtsmarkt in Zusammenarbeit mit der Fluggesellschaft gezielt beworben.

Auch Bremer Hotels, Cafés und Restaurants profitieren vom Weihnachtsmarkt. „Viele auswärtige Besucher bleiben zum Beispiel mehrere Tage und kombinieren den Weihnachtsmarkt-Besuch mit anderen Aktivitäten“, sagt Thomas Schlüter, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands in Bremen. Das wirke sich positiv auf die Umsätze im Gastgewerbe aus.

Auch für die Beschicker des klassischen Weihnachtsmarkts rund um das Rathaus ist die Veranstaltung im Laufe der Jahre immer wichtiger geworden. „Vor 30 Jahren hatte kaum ein Schausteller den Weihnachtsmarkt auf dem Zettel. Das waren einfach ein paar Buden vor dem Rathaus“, sagt Rudi Robrahn, Vorsitzender des Bremer Schaustellerverbands. Heute sei der Bremer Weihnachtsmarkt für manche Kollegen eines der wichtigsten und umsatzstärksten Feste des Jahres. Seit etwa 15 Jahren habe die Veranstaltung diesen Status. „Der Weihnachtsmarkt hat sich gut entwickelt“, sagt Robrahn.

Bremen steht mit der positiven Entwicklung seines Weihnachtsmarktes nicht alleine da. Auch Städte wie München, Hamburg oder Dresden melden stetig steigendes Besucherinteresse. In den Blick der Tourismusstrategen gerät dabei immer stärker das internationale Publikum. So leistet sich etwa Nürnberg eigens eine Christkindlesmarkt-Botschafterin, die das ganze Jahr durch die Welt reist, um für die Adventsveranstaltung zu werben. Laut Michael Schönemann vom Stadtmarketing der Frankenmetropole lohnt sich der Aufwand: „Unser Markt ist wohl das beliebteste Motiv von Winterreisekatalogen weltweit.“

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