Inklusion an Bremer Schulen Bündnis fordert mehr Personal und Geld

Nicht vergessen: Alle Kinder sollen gemeinsam lernen. Unter diesem Motto haben sich 24 Institutionen, Vereine und Interessenvertretungen zusammengetan und ein Memorandum für schulische Inklusion verfasst.
16.04.2015, 00:00
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Bündnis fordert mehr Personal und Geld
Von Antje Stürmann

Nicht vergessen: Alle Kinder sollen gemeinsam lernen. Unter diesem Motto haben sich 24 Institutionen, Vereine und Interessenvertretungen zusammengetan und ein Memorandum für schulische Inklusion verfasst. Am Mittwoch stellten sie es im Konsul-Hackfeld-Haus vor. In dem Papier fordern die Unterzeichner, die Inklusion weiter voranzutreiben. Dazu gehöre eine deutliche Erhöhung der personellen, räumlichen und Sachausstattung, heißt es.

„Inklusion ist nicht mehr nur ein Konzept, sondern ein Grundrecht“, erinnerte der Landesbehindertenbeauftragte Joachim Steinbrück. Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf müssten heute wie alle anderen die Möglichkeit haben, an allgemeinen Schulen zu lernen. Steinbrück weiter: „In der Praxis haben wir dabei einige Probleme.“ Es sei darum dringend erforderlich, das schulische System zu verbessern und weiter zu entwickeln, um eine gleichberechtigte Teilhabe für alle zu schaffen. „Wir sind noch lange nicht am Ziel“, so Steinbrück.

Konkret heißt das: Im Land Bremen fehlt es an Geld und Personal, um die Ideen der Behörden umsetzen zu können. Geschätzte 6,5 Millionen Euro seien jährlich nötig, um mehr Personal einstellen zu können, den Lehrern Zeit für Ausarbeitungen zu verschaffen, Ausweichräume auszustatten und geeignetes Lehrmaterial zu kaufen. Bislang, berichtet Meike Wittenberg von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), bastelten Lehrer Unterrichtsmaterialien teilweise selber. Nur langsam beginnen die Verlage, Material für den gemeinsamen Unterricht von unterschiedlich entwickelten Kindern herzustellen, die im gleichen Klassenverband lernen. „Das klappt an der einen Schulen besser, an der anderen schlechter.“ Doch selbst wenn die Verlage soweit sind, fehle das Geld, um die Materialien kaufen zu können. „Das betrifft alle Fächer“, sagt Meike Wittenberg.

Auch räumlich und personell stoßen die Schulen bei dem Versuch der Inklusion an ihre Grenzen. „In vielen Fällen findet die Förderung einzelner Schüler auf dem Flur statt“, weiß Rudolf Siemer von der GEW. Er glaubt, dass Bremen mindestens 100 Lehrkräfte einstellen müsste, um hochbegabten Schülern, dem Mittelfeld und den beeinträchtigten Kindern gleicher Maßen gerecht werden zu können. „Allein in den Oberschulen fehlen 25 Sonderpädagogen“, sagt Siemer, außerdem fehlten Vertretungskräfte für die Sonderpädagogen. Laut Meike Wittenberg können die Schulen wegen dieses Personalmangels auch nicht das Versprechen der Politik einlösen, je Klasse 17 Schüler und höchstens fünf Kinder mit Problemen beim Lernen, Sprechen oder im Verhalten zu unterrichten. „Wir können die Inklusion nicht ohne zusätzliche Ressourcen umsetzen“, mahnte Albrecht Bohnenkamp vom Grundschulverband Bremen. An dieser Stelle müsse die Politik unbedingt nachsteuern.

Es gebe viele Dinge, bei denen die Akteure in der Praxis nicht vorankommen, weil die Ressourcen fehlen, bestätigte Bastian Hartwig vom Landesverband Sonderpädagogik. Das betreffe aber nicht nur die Bildung, und das habe auch nicht immer unbedingt mit Geld zu tun. Selbstkritisch merkte Carsten Schlepper vom Landesverband Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder an: „Wir unterscheiden noch viel zu sehr zwischen behinderten und nicht behinderten Kindern.“ Helmut Peter vom Landesverband Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien beklagte das ausgrenzende Verhalten einiger Pädagogen. Wie er fordert auch Elke Gerdes vom Verein „Eine Schule für alle“ mehr Offenheit in der Gesellschaft, überprüfbare Qualitätsstandards für Inklusion, Pädagogen in der Ausbildung besser vorzubereiten und mehr Zeit, Ideen in der Praxis umzusetzen. Gerd Wenzel vom Paritätischen kritisierte, dass Schulen und Initiativen vieles gegen den Widerstand der Behörden durchsetzten. „Wir müssen immer wieder feststellen, dass die Ressorts nicht zusammenarbeiten“, monierte er.

Zu diesen Kritikpunkten und Forderungen sollen nun die Politiker Stellung beziehen. Die Bündnispartner indes überlegen, ob sie weitere Aktionen und Veranstaltungen anbieten.

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