Unzureichende Umsetzung von Vorgaben? Bündnis fordert mehr Spielflächen in Bremen

In Bremen gibt es nicht genügend Spielplätze, kritisiert die Initiative Grünes Bremen. So sei nicht einmal die Hälfte der angestrebten Auslastung erreicht.
19.12.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Bündnis fordert mehr Spielflächen in Bremen
Von Jan-Felix Jasch

In Bremen gibt es nicht genügend Spielplätze, kritisiert die Initiative Grünes Bremen. So sei nicht einmal die Hälfte der angestrebten Auslastung erreicht.

Kinder brauchen Platz, um zu spielen. Sie sollen toben, laut sein, rennen. All das, was Kindsein ausmacht. Aber dazu benötigen die Kinder sichere Wege und vor allem genügend Platz, um sich im Freien zu bewegen. Der ist in Bremen aber nicht vorhanden – zumindest nicht in ausreichendem Umfang, sagt die Initiative „Grünes Bremen: Bündnis für eine lebenswerte Stadt“ und kritisiert damit die Behörden.

Bremen hat sich das Leitbild einer sogenannten bespielbaren Stadt gegeben und strebt drei Quadratmeter Spielplatz pro Einwohner an. Auf die Gesamtfläche Bremens gerechnet, entspricht das ungefähr einem halben Prozent. Dieser Wert wird jedoch nicht erzielt, so das Bündnis. Mit rund 43 Prozent der angestrebten Auslastung sei nicht einmal die Hälfte erreicht. In einigen Stadtteilen würden die selbst gesteckten Vorgaben zwar erfüllt, in den meisten sei dies jedoch anders.

Das Bündnis fordert, Pläne über die Bebauung von Spielplätzen, wie in der laufenden Debatte über den zusätzlichen Bedarf an Kindergärten, nicht weiter zu verfolgen, sondern stattdessen konkrete Vorschläge zu erarbeiten, wie eine ausreichende Versorgung mit guten Spielflächen in weniger versorgten Stadtteilen sichergestellt werden kann.

Sorge um Standort in Findorff

Streitpunkt ist dabei der Spielplatz in der Corveystraße in Findorff. Da in unmittelbarer Nachbarschaft eine Kita gebaut werden soll, könnten Teile des Spielplatzes für den Bau genutzt werden. Allerdings lägen eine Reihe von Alternativvorschlägen vor, die eine Bebauung verhindern könnten, so das Bündnis Grünes Bremen. Demnach käme eine Fläche auf einer benachbarten Sportfläche als Standort in Frage und der Spielplatz könnte erhalten bleiben.

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Ein Thema, mit dem sich auch die Kinderreporter des Deutschen Kinderhilfswerks auseinandergesetzt haben. Die vier Neun- bis Elfjährigen wohnen in unmittelbarer Nähe der Corveystraße, spielen nahezu täglich auf dem Spielplatz und kämpfen für den Erhalt. Die Kinderreporter hatten sich Anfang des Jahres mit einem kurzen Videoclip beworben und waren vom Kinderhilfswerk ausgewählt worden. Sie wurden während ihrer Arbeit mit Workshops unterstützt und führten eine Umfrage unter Betroffenen durch. Die Ergebnisse präsentierten sie in der vergangenen Woche. Sie zeigen, dass Kinder gerne und häufig auf Spielplätzen Zeit verbringen, ihr Weg dorthin aber nicht immer sicher ist. Auch eine Bebauung ihres Lieblingsspielplatzes finden 86 Prozent der Befragten „blöd“.

Ortsgesetz gibt nötige Spielfläche pro Wohnungseinheit vor

In Bremen gibt es ein Ortsgesetz, das vorsieht, dass für jede neu gebaute Wohnung – ab einer bestimmten Größe – eine bestimmte Spielfläche zur Verfügung gestellt werden muss. Je nach Anzahl der gebauten Wohnungen variiert die Quadratmeterzahl und Beschaffenheit der Spiel­flächen. Das Gesetz sieht jedoch auch zwei Ausnahmen vor: So könnte man von den Vorgaben abweichen, wenn sich in ausreichender Nähe zu dem entstehenden Wohnhaus – das heißt, in maximal 250 Metern Entfernung – eine öffentliche Spielfläche befindet, erklärt Jens Tittmann, Sprecher des Bauressorts.

Und auch, wenn die baulichen Gegebenheiten den Bau eines Spielplatzes nicht zulassen, kann auf den Bau einer Spielfläche verzichtet werden. „In beiden Fällen wird eine Abstandssumme bezahlt, die dann zweckgebunden an das Sozialressort weitergeleitet wird“, so Tittmann. Mit diesem Geld würden dann Spielflächen gebaut oder instandgesetzt – vorzugsweise im gleichen Stadtteil, in dem auch der Neubau entsteht. Dieses Gesetz werde auch eingehalten.

Eine Million Investition

Bernd Schneider, Sprecher des Sozialressorts weist sogar daraufhin, dass seit 2010 neue Spielflächen auf einer Fläche von 30 000 Quadratmetern entstanden sind. Im vergangenen Jahr sei insgesamt eine Million Euro in Spielflächen investiert worden und somit 700 000 Euro mehr als im Jahr zuvor. „In diesem Bereich passiert eine Menge“, sagt er. Was aber nicht bedeute, dass man die Anstrengungen zurückschrauben wolle.

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Schneider erläutert auch, dass es sich bei den drei Quadratmeterwerten, die im Leitbild festgeschrieben sind, um aus verschiedenen Teilen zusammengesetzte Zahlen handele. „35 Prozent dieser drei Quadratmeter sollen öffentliche Spielplätze sein, der Rest fällt auf Schulhöfe und Kindergärten, die öffentlich zugänglich sind. Außerdem private Spielflächen“, so Schneider.

Öffentliche und private Spielflächen Es gibt öffentliche Spielplätze. Diese Spielplätze sind mit Spielgeräten für Kinder aller Altersstufen ausgestattet. Auch Spielflächen, die zu Mehrfamilienhäusern gehören, werden als öffentlich bezeichnet. Es gibt außerdem auch private Spielplätze. Sie befinden sich auf nichtöffentlichem Grund, sind jedoch allen Kindern zugänglich. Als letzte Art gibt es auch noch den „Sonstigen Spielraum“. Dazu zählen Schulhöfe und Spielplätze von Kitas. Da Besondere ist, dass auch sie öffentlich zugänglich sind. Zu den „Sonstigen Spielräumen“ können auch verkehrsberuhigte Straßen gehören.
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