Bremen Bündnis für freie Sonntage bildet sich

In Bremen hat sich eine "Allianz für einen freien Sonntag" gebildet. Dies will verhindern, dass es immer öfter verkaufsoffene Sonntage gibt.
19.06.2018, 13:22
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Bündnis für freie Sonntage bildet sich
Von Silke Hellwig

Eine „Allianz für den freien Sonntag“, wie es sie bereits in anderen Bundesländern gibt, haben die Gewerkschaft Verdi, der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (KDA) und die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) nun auch für Bremen gegründet. Anlass sei die Sorge, „dass ohne entschiedene Gegensteuerung weitere Lockerungen gefordert werden“. Es verstärke sich die Tendenz, "eine rein ökonomische Betrachtungsweise als absolut zu setzen und ihr alle Dimensionen des menschlichen und gesellschaftlichen Lebens unterzuordnen“. Bernhard Siepker von der KAB: „Die Wirtschaft hat sich dem Menschen unterzuordnen, nicht umgekehrt.“

Gerade in jüngster Zeit habe es Anfechtung des im Grundgesetz verankerten Ruhetags gegeben, sagt Ingeborg Mehser (KDA): Karstadt, Kaufhof und das Kadewe starteten die Initiative „Selbstbestimmter Sonntag“; in Nordrhein-Westfalen wurde die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage erhöht. Es spreche nichts dagegen, dass es in Bremen einige wenige verkaufsoffene Sonntage gebe, Anlässe wie „La Strada“ rechtfertigten solche Ausnahmen. Doch auch in Bremen gebe es die Tendenz, Events zu kreieren, um die Geschäfte öffnen zu können, sagt Gewerkschaftssekretär Herbert Behrens. Der Allianz gehe es auch darum, die Parteien vor der Bürgerschaftswahl zu mahnen, Sonntagsöffnungen weiterhin enge Grenzen zu setzen. Notfalls schrecke die Gewerkschaft nicht vor einer Klage zurück.

Kleinere Geschäfte finden nicht genug Mitarbeiter

In Bremen ist es Einzelhändlern an neun Sonntagen und 15 Veranstaltungen in den Stadtteilen erlaubt, von 13 bis 18 Uhr Waren zu verkaufen. Die Vereinbarung ist bis 2020 befristet. Nicht alle Händler seien willens und in der Lage, an weiteren Sonntage Kunden zu bedienen, so Jan König vom Handelsverband Nordwest. Kaufhäuser fänden genug Mitarbeiter für freiwillige Sonntagsdienste, in kleineren Geschäften sehe das anders aus. Dennoch seien die verkaufsoffenen Sonntage für den Handel wichtig. Fielen sie ganz weg, wäre das „wieder ein kleiner Baustein, den der Online-Handel dem stationären Handel voraushätte“.

Die Parteien sind sich in der Frage uneins. Die FDP ist für eine Ausweitung: „Wir müssen anders als durch starre Regeln unsere Work-Life-Balance in der Waage halten. Da helfen nicht die Schlachten von gestern, sondern moderne Arbeitszeitregeln und Flexibilität für Arbeitnehmer und Arbeitgeber", sagt der Vize-Fraktionschef Magnus Buhlert. Für die CDU soll der Sonntag laut Landeschef Jörg Kastendiek "grundsätzlich den Familien gehören und deshalb arbeitsfrei sein. Eine begrenzte Zahl von verkaufsoffenen Sonntagen sind trotzdem sinnvoll, gerade um die Stadtteile und die Einzelhändler dort zu stärken."

Linke begrüßen die Allianz

„Das Anliegen der ,Allianz für den freien Sonntag‘ ist auch das Anliegen der SPD“, sagt Sascha Aulepp. „Der Sonntag muss als gemeinsamer freier Tag verlässlich bestehen bleiben, vor allem auch in Zeiten zunehmender Entgrenzung der Arbeitszeit.“ Die Linken begrüßen die Allianz. „Es sind schon jetzt eher zu viele verkaufsoffene Sonntage“, so der wirtschaftspolitische Sprecher Klaus-Rainer Rupp, „Sonntagsöffnungen bringen auch nicht mehr Kaufkraft“.

Die Grünen argumentierten in der Vergangenheit ähnlich, was kommerzielle Interessen betrifft. Anders sieht es bei Bibliotheken aus: Die grüne Fraktion verabschiedete am Montag dieser Woche einen Antrag, der auf Bundesebene die Gleichstellung von Bibliotheken mit Museen und Theatern befördern soll, so der Abgeordnete Nima Pirooznia. Damit wäre eine Sonntagsöffnung und Nutzung dieser Begegnungs-, Bildungs- und Kultureinrichtungen für mehr Arbeitnehmer möglich. Die CDU setze sich dafür parlamentarisch bereits seit Jahren ein, so Kastendiek. Auch Verdi kann sich laut Behrens dafür öffnen, sofern nachgewiesen werde, dass Menschen sonntags die Bibliotheken nutzten, die anders nicht erreicht werden können.

(Dieser Artikel wurde um 16.26 Uhr aktualisiert.)

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+