Weltweit wird Sonntag Wasser untersucht

Bürger können mitforschen

Beim zweiten Ocean Sampling Day am Sonntag, 21. Juni, können sich interessierte Bürger an einer weltweiten Beprobung von Gewässern beteiligen.
18.06.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Iris Messerschmidt
Bürger können mitforschen

Ein schöner Ort, um kurz eine Probe zu nehmen: Sonnenuntergang an der Ostsee.

Marina Köglin

Beim ersten Ocean Sampling Day (OSD) in vergangenen Jahr standen noch rechtliche Probleme im Weg. Interessierte Bürger konnten sich nur mit eine Smartphone-App an der globalen Beprobung des Wassers beteiligen. Das Interesse der Bürger war groß, allerdings wenig befriedigend. „Das haben wir in diesem Jahr geändert“, erklärt Frank Oliver Glöckner, Professor für Bioinformatik an der Jacobs University und Koordinator des Projektes.

Bürger können diesmal - am Sonntag, 21. Juni - ganz praktisch mitmachen und die Erforschung von Mikroorganismen im Wasser unterstützen – mit einem eigenen Wasserset. Doch Achtung: „Das Interesse ist schon jetzt so groß, dass wir bereit 250 Sets in Grohn ausgegeben haben. Wer noch mitmachen möchte, muss sich beeilen“, erklärt Professor Glöckner. Er ist über den Enthusiasmus der Bürger erfreut, aber auch etwas überrascht.

Von der EU gefördert

Der Ocean Sampling Day ist ein von der EU gefördertes Projekt, das zur globalen Erprobung des Meeres aufruft. 150 Wasserproben von allen Kontinenten – aus subtropischen Gewässern in Hawaii bis zu extremen Orten wie der Framstraße im Nordpolarmeer – haben am OSD im vergangenen Jahr den umfassendsten, jemals an einem einzigen Tag genommenen, marinen Datensatz erzeugt. Am 21. Juni, zur Sommersonnenwende, soll das Projekt wiederholt werden. Das Ziel: Mit weltweit genommenen Proben soll die aus dem letzten Jahr gewonnene Datenbasis erweitert werden.

Ein Novum bei der Erforschung der marinen Mikroorganismen ist dabei das Bürgerwissenschaftsprojekt „MyOSD“. Alle Bürger sind aufgerufen, sich zu beteiligen. Dafür stellt MyOSD kostenlos die Ausrüstung zur Probennahme sowie eine Smartphone-App zur Verfügung. „Wir haben die Sets schon an rund 25 internationale Forschungsstationen gegeben. Von dort aus wird die Aktion koordiniert und die Probensets an die Bürger verteilt. Auch in Grohn an der Jacobs University gibt es Probensets“, erzählt Professor Glöckner.

Neues Kapitel in der Erforschung der Meere

Die Ergebnisse, die am 21. Juni gesammelt werden, werden zur DNA-Extraktion und Sequenzierung an das Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen geschickt. So wird die größtmögliche Vergleichbarkeit der Ergebnisse gewährleistet. Sobald erste qualitätsgeprüfte Ergebnisse vorliegen, werden diese umgehend veröffentlicht. „So kann jeder mitforschen“, erläutert Glöckner und führt weiter aus: „Die enge Vernetzung von Wissenschaft mit Bürgern ist dabei von unschätzbarem Wert.“ Schon die länderübergreifende Zusammenarbeit im vergangenen Jahr und der Erfahrungsaustausch haben laut Frank Oliver Glöckner ein neues Kapitel in der Erforschung der Meere eröffnet. „Mit den Bürgerwissenschaftlern brechen wir jetzt in eine neue Dimension auf“, ist er sich sicher.

Ziel des Ocean Sampling Days und des Projekt MyOSD ist es, die Vielfalt und die Funktion der im Meer enthaltenen Mikroorganismen zu erforschen und diese zu vergleichen. Der OSD und MyOSD werden von der Jacobs University zusammen mit der Oxford University koordiniert und sind Teil des von der EU geförderten wissenschaftlichen „Ocean of Tomorrow“-Forschungsprojektes „Mikro B3“.

Spritze und Filter

Und so einfach geht es: Das Probenset beinhaltet eine Spritze, mit der das Wasser aufgezogen wird. Auf die Spritze wird dann der mitgelieferte Filter gesetzt. Das Wasser aus der Spritze wird durch den Filter gedrückt. So bleiben die entsprechenden Mikroorganismen im Filter hängen. Der Filter wiederum wird dann untersucht. „Wir haben dieses Set getestet, mit Kindern und weiteren Laien. Es ist wirklich einfach zu bedienen“, verspricht Frank Oliver Glöckner und scherzt: „Wer kochen kann, kann auch mit diesem Probenset umgehen.“

Wer Interesse hat, sich am 21. Juni an diesem Projekt zu beteiligen, hat noch die Möglichkeit, ein Probenset an der Jacobs University zu erhalten. Informationen gibt es bei Sandra Nowack, Telefon 04 21 / 202 89 44. Allgemeine Informationen gibt es unter www.microb3.eu.

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