CDU-Versammlung zu Betreuungsprojekt für junge Flüchtlinge

Bürger-Protest in Rekum

Rund 300 Bürger haben am Mittwochabend im und vor dem Gasthaus „Zum grünen Jäger“ auf Einladung der CDU Farge-Rekum gegen die Betreuung von straffällig gewordenen jugendlichen Flüchtlingen in der Rekumer Straße protestiert.
23.10.2014, 19:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Klaus Grunewald
Bürger-Protest in Rekum

Die Anwohner versammeln sich im Saal der Gaststätte „Zum grünen Jäger“, um ihrem Unmut Luft zu machen.

Christian Kosak

Die Volksseele kochte, aber sie kochte nicht über. Rund 300 Bürger haben am Mittwochabend im und vor dem Gasthaus „Zum grünen Jäger“ auf Einladung der CDU Farge-Rekum gegen die Betreuung von zehn bis zwölf straffällig gewordenen jugendlichen Flüchtlingen in einem Haus an der Rekumer Straße protestiert. Sie halten den Standort für völlig ungeeignet und wollen das Projekt zusammen mit der Initiative „Nicht mit uns“ kippen.

Die Stimmung in Farge-Rekum ist aufgeheizt. Und nicht wenige fürchteten am Mittwochabend, dass die Informationsveranstaltung der örtlichen Christdemokraten in tumultartige Szenen ausarten könnte. Die Polizei war denn auch vorsichtshalber angerückt. Doch die bislang wohl größte Versammlung in der Geschichte des CDU-Ortsverbandes lief in disziplinierten Bahnen ab. Dafür sorgten der Kreisvorsitzende Rainer Bensch und Ortsverbandschef Ralf Schwarz als Moderatoren.

Sie nahmen Druck vom Kessel, wie sich im Laufe der gut anderthalbstündigen Versammlung zeigen sollte. Denn viele Farger zeigten sich höchst ungehalten über die „Geheimniskrämerei“, die von Sozialbehörde und Blumenthals Ortsamtsleiter Peter Nowack um das Betreuungsprojekt gemacht worden sei. Ohne die betroffene Bevölkerung aufgeklärt zu haben, so der Vorwurf vieler Anwesender, solle ein fragwürdiges Resozialisierungsprojekt an völlig ungeeignetem Platz stattfinden.

Die Lage des Hauses an der Rekumer Straße 12 hatten Sozial- und Innenbehörde sowie der ehemalige Boxer und heutige Erziehungsexperte Lothar Kannenberg als besonders geeignet eingestuft, um die straffällig gewordenen 14- bis 17-Jährigen wieder auf den rechten Weg zu bringen. Kannenberg, der bereits in dem Haus übernachtet, gegenüber dieser Zeitung: „Sportplatz und Sporthalle in der Nähe sind ideale Voraussetzung für ein intensivpädagogisches Arbeiten mit den Jugendlichen.“ Obwohl ihn der „heftige Widerstand“ vor Ort nach eigenen Worten überrumpelt hat, will Kannenberg zunächst an dem Haus festhalten: „Allerdings nicht auf Biegen und Brechen.“

Von dem Vorhaben abbringen will ihn die erst vor einigen Tagen von Fritjof Balz ins Leben gerufene Facebook-Protestgruppe „Rekumer Straße 12 – nicht mit uns“, die über Facebook bereits rund 2500 Unterstützer zählt. Insbesondere an die Adresse seiner Kritiker aus der antifaschistischen Szene versicherte Balz im Gasthaus „Zum grünen Jäger“: „Alles Rechte und Rechtspopulistische wird von der Internetplattform entfernt.“

Zahlreiche Bürger wehrten sich im überfüllten Saal dagegen, als Rechtsradikale abgestempelt zu werden, nur weil sie Bedenken äußerten und Angst vor allem um ihre Kinder hätten. Es sei auch für die betroffenen Jugendlichen unzumutbar, wenn sich vor dem Haus in Rekum künftig ständig Neugierige drängelten.

Lothar Kannenberg widersprach gestern im Gespräch indes all jenen, die die elternlosen Jugendlichen aus Marokko und Algerien am Mittwochabend als Schwerkriminelle eingestuft hatten. Sie seien bei Diebstählen und Schlägereien erwischt worden, aber keine Straftäter aus Haftanstalten. In der Rekumer Straße sei beabsichtigt, die pädagogische Arbeit zunächst mit zwei bis drei Jugendlichen aufzunehmen und interessierte Bürger zum Gespräch einzuladen.

Fortsetzung des Protests

Denn die Protestwelle wird nach den Worten von Fritjof Balz nicht abebben. Balz verwies am Mittwochabend auf ein ähnliches Projekt, das in Hannover gescheitert sei „und aus der Bevölkerungsmitte herausgenommen werden musste“. Dem Rekumer Projekt prophezeite er unter dem Beifall der großen Mehrheit ein ebensolches Schicksal.

Freilich gab es auch einige Gegenstimmen. So kritisierte ein Farger Bürger das St.-Florians-Prinzip, wonach es zwar in Ordnung sei, die elternlosen Jugendlichen irgendwo in der Stadt, aber eben nicht in Farge auf den richtigen Weg zu bringen. Ralf Schwarz und Rainer Bensch durften nach der friedlich verlaufenen Veranstaltung aufatmen. „Was hier heute Abend stattgefunden hat, war gelebte Demokratie“, resümierte Bensch.

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