Petition soll Wende bringen

Bürger setzen sich für Erhalt des Unibads ein

Dass das Unibad geschlossen werden soll, steht bereits längst fest. Aber nicht jeder will sich damit zufrieden geben: Die Bürgerinitiative „Pro-Unibad“ setzt sich für den Erhalt der Schwimmhalle ein.
24.01.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Bürger setzen sich für Erhalt des Unibads ein
Von André Fesser
Bürger setzen sich für Erhalt des Unibads ein

In einigen Jahren soll das Unibad geschlossen werden. Anhänger der Einrichtung wollen es erhalten und haben eine Petition verfasst, um das Parlament umzustimmen.

Frank Thomas Koch

Dass das Unibad geschlossen werden soll, steht bereits längst fest. Aber nicht jeder will sich damit zufrieden geben: Die Bürgerinitiative „Pro-Unibad“ setzt sich für den Erhalt der Schwimmhalle ein.

36 Jahre lang hat Claudia Gebler in der Staats- und Universitätsbibliothek auf dem Uni-Campus gearbeitet, und all die Jahre führte sie ihr Weg regelmäßig ins Unibad. Mittlerweile ist Gebler im Ruhestand, doch das Bad besucht sie noch immer: Jede Woche geht sie dort schwimmen, und ginge es nach ihr, dann würde das auch so bleiben.

Es geht aber nicht nach ihr, weswegen Claudia Gebler nun vor dem Petitionsausschuss der Bremischen Bürgerschaft sitzt und ihre Geschichte erzählt. Gebler engagiert sich in der Bürgerinitiative „Pro-Unibad“, einer Gruppe von Menschen, die sich für den Erhalt der Schwimmeinrichtung einsetzt. Längst steht fest, dass das Bad geschlossen werden soll, zu marode ist es, sagen Experten, und eine Sanierung zu teuer.

Die engagierten Bürger wollen das nicht hinnehmen. Ihrer Ansicht nach ist das Bad auch für deutlich weniger flottzumachen als für die von einem Gutachter veranschlagten 18 Millionen Euro. Daher haben sie die Petition verfasst und 770 Unterschriften gesammelt. Ihr Ziel: Das Bäderkonzept des Senats, das die Schließung des Unibads und als Kompensation den Umbau des Horner Bads vorsieht, soll überdacht, das Unibad erhalten werden. Es ist der letzte Strohhalm, an den sich Claudia Gebler und ihre Mitstreiter klammern.

Unibad fehlt mit Wegfall des Sport-Studiengangs die Bestimmung

Der Petitionsausschuss hat zu seiner Sitzung im Börsenhof A auch Vertreter der betroffenen Institutionen geladen, von der Senatorin für Wissenschaft, dem Sportamt und auch der Uni. Deren Baudezernent Hans-Joachim Orlok macht keinen Hehl daraus, dass er in Gedanken schon sehr viel weiter ist. Mit einem Schwimmbad plant er auf seinem Campus jedenfalls nicht mehr: „Die Flächen zur weiteren Entwicklung an der Uni gehen zur Neige, und wir müssen über Möglichkeiten für die nächsten Jahrzehnte nachdenken.“ Der Sanierungsstau sei groß, man müsse Prioritäten setzen. „Und Priorität“, so Orlok, „hat die Entwicklung von Forschung und Lehre.“

Ein Argument, auf das auch Kira van Nieuwland aus der Wissenschaftsbehörde abhebt. Für ihr Haus sei die Bedeutung des Unibades für Forschung und Lehre nicht mehr erkennbar, sagt sie, woraufhin Baudezernent Orlok daran erinnert, dass das Bad seit dem Wegfall des Studiengangs Sport seine Bestimmung verloren hat: „Ohne Sportstudium ist das Unibad Luxus, der erhebliche Kosten verursacht.“

Die Unibad-Freunde bringt diese Argumentation auf die Palme: Das Bad sei stets nur zu einem kleinen Bruchteil von Sportstudenten genutzt worden, mehr noch: „Der Bedarf des Studiengangs hätte den Bau und den Unterhalt eines Bades dieser Größenordnung nie gerechtfertigt.“ Soll heißen: Das Bad war immer auch fürs Volk gedacht und nicht nur für Studenten und Vereine.

Kosten für Sanierung mittlerweile weiter gestiegen

Für Christian Zeyfang, den Vertreter des Sportamts, gibt es dennoch keine Alternative zur Schließung des Bades. Die Sanierung der von Schimmel befallenen Lüftungsanlage habe ja nicht ausgereicht: „Wir müssen ständig beobachten, wo die nächsten Probleme entstehen“, schildert er vor dem Ausschuss und betont, dass die Sanierung des Bades inzwischen nicht mehr für 18 Millionen Euro zu haben wäre – das Gutachten, das zu diesem Ergebnis kam, ist mittlerweile dreieinhalb Jahre alt.

Hans-Joachim Orlok greift diesen Hinweis auf: Man habe inzwischen mit rostenden Fassadenstützen zu tun, auch der Brandschutz erfülle nicht mehr die aktuellen Anforderungen. Vielleicht, so Orlok, könnte man die Hülle des Gebäudes erhalten und ein Zentrum für die Unterbringung wissenschaftlicher Großgeräte daraus machen. Alternativ sei auch ein Audimax denkbar, ein großer Hörsaal also.

Die Mitglieder des Petitionsausschusses werden nun in einer ihrer nächsten Sitzungen beraten, wie sie mit dem Anliegen umgehen, und dem Landesparlament eine Beschlussempfehlung zukommen lassen. Claudia Gebler und ihre Unterstützer müssen also weiter hoffen.

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