Bürgerfest auf dem Rennbahngelände

Ein Fest für die Zukunft der Bremer Galopprennbahn

Die Bürgerinitiative hat auf dem Rennbahngelände in Sebaldsbrück ein Bürgerfest veranstaltet. Neben einem Schaurennen gab es viele Ideen zur künftigen Nutzung der Fläche und auch Kritik am Pferderennsport.
20.09.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Ein Fest für die Zukunft der Bremer Galopprennbahn
Von Jean-Pierre Fellmer
Ein Fest für die Zukunft der Bremer Galopprennbahn

Pferderennen auf der Pferderennbahn: Was früher auf dem Gelände gang und gäbe war, war beim Bürgerfest die Attraktion.

Christina Kuhaupt

Keine Wohnhäuser auf der Galopprennbahn – das hatten die Bremerinnen und Bremer schon vor einem Jahr beim Volksentscheid geklärt. Was stattdessen auf der rund 34 Hektar großen Fläche in Sebaldsbrück entstehen könnte, das haben Vereine und Gruppen am Sonnabend beim Bürgerfest an der Rennbahn vorgestellt.

Veranstalter des Bürgerfests war die Bürgerinitiative Rennbahngelände Bremen (BI). „Es gibt ganz unterschiedliche Gruppen von Sportvereinen bis Schulen, die Interesse am Platz haben“, sagte Andreas Sponbiel, Sprecher der BI. „Auch der Reit- und Galoppsport gehört dazu.“ So gab es am Sonnabend zum ersten Mal seit zweieinhalb Jahren wieder ein Pferderennen auf der ehemaligen Rennbahn. Bei einem Schaurennen traten acht Reiterinnen und Reiter gegeneinander an. Sechs der acht Pferde kamen aus dem Achimer Rennstall von Pavel Vovcenko. „Wir alle wünschen uns, wieder Rennen in Bremen zu haben“, sagte er Ende Juli dem WESER-KURIER. Auch der Bremer Reitverein hofft, in den nächsten Jahren vereinzelte Renntage zu organisieren.

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Mit leichter Verzögerung startete das Bürgerfest um kurz nach 12 Uhr mit einer kurzen Begrüßung und einem Schaurennen – gewonnen haben das Pferd Häppchen und Reiterin Zofia Marcinkiewicz. Während des Programms stellten die Gruppen und Vereine auf dem „Marktplatz der Ideen“ an Ständen ihre Konzepte für eine weitere Nutzung der Rennbahn vor. Zudem gab es Rundfahrten in Pferdekutschen und Ponyreiten, Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff (CDU) sprach ein Grußwort. Laut Sponbiel waren 400 Besucherinnen und Besucher gekommen, rund 350 hatten sich vorab angemeldet. Ihm sei es wegen der Hygienevorschriften wichtig gewesen, nicht übermäßig Werbung für das Fest zu machen, um große Menschenansammlungen zu vermeiden.

„Wir möchten einen Teil der Fläche für Unterricht im Freien nutzen“, sagte Claudia Bundesmann, Leiterin der Oberschule Sebaldsbrück. „Schule draußen in allen Facetten“, sagte sie. Denkbar sei etwa ein Schulgarten, die Schüler entwickelten aber auch eigene Ideen wie etwa einen Barfußwanderweg oder einen Wasserpark. „Ich habe eben eine Gruppe von Schülern gesehen, die heute gekommen ist, um an ihrer Hütte weiterzubauen“, sagte Bundesmann. Sie findet das toll, weil die Schüler auch in ihrer Freizeit an dem Projekt weiterarbeiteten. Im Dezember sei auf dem Gelände ein Fest geplant, bei dem es Musik und Licht geben soll, ähnlich dem Freiluftkonzert am Hollersee. Auch kritische Beiträge zum Tierschutz stünden auf dem Programm. „Viele Schüler haben sich mit dem Thema Pferderennsport auseinandergesetzt und finden den nicht gut“, sagte die Schulleiterin.

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Den Luftraum über der Rennbahn hat vor allem der Flugsportclub (FSC) Stieglitz ins Auge gefasst. „Von hier zu unserem Flugplatz in Ristedt in Syke sind es 27 Kilometer“, sagte Schriftführer Reiner Gerecke. Der Verein hatte beim Fest einen Tisch mit unterschiedlichen Modellflugzeugen aufgebaut, darunter auch diverse Drohnen. Sie gelten als Kleinfluggeräte und bekommen laut FSC Fluggenehmigungen auch innerhalb der Stadt. Mit dem Luftraum über dem Rennbahngelände könne der Verein seine Jugendarbeit fördern. „Ich bin mit 24 Jahren das jüngste Mitglied im Verein“, sagte Daniel Meißner. Ein Flugplatz innerhalb der Stadt würde helfen. Sein Vereinskollege Malte Menzel pflichtete ihm bei: „Als Stadtbremer kenne ich das Problem, es fehlen die Gelegenheiten zum Fliegen.“

Auch Frank Koopmann von der DJ- und Künstleragentur Park 34 hat eine Idee für das Gelände: eine Open-Air-Bühne. Eine Tribüne gebe es bereits, rund 1500 Menschen könnten darauf Platz finden. „Hier könnten hochwertige Konzerte, Kulturveranstaltungen und auch ganz andere Events stattfinden“, sagte Koopmann. Die Lage sei optimal, es fühle sich kein Anwohner durch Musik gestört und nebenan sei das Atlantik-Hotel, in denen Gäste unterkommen könnten.

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Kritik am Schaurennen sowie an Pferderennsport allgemein gab es von Peta. Die Tierrechtsorganisation protestierte vor dem Eingang zum Rennbahngelände. „Bei den Rennen verletzen sich die Pferde, die dann sogar noch an der Rennbahn getötet werden“, kritisierte Johanna Mahlow von Peta. „Wir sind froh, dass es hier zwei Jahre lang keine Pferderennen mehr gegeben hat.“ Laut Mahlow sei Natur und Naherholung ein sinnvoller Nutzen. Der Bremer Tierschutzverein hatte dazu aufgefordert, das Bürgerfest zu boykottieren.

Viktor Briken wohnt gegenüber der Rennbahn, er hat bei der Bürgerinitiative mitgewirkt. Er findet es sinnvoll, die Rennbahn als grünen Platz zu nutzen, auch als Sportstätte für Schulen etwa. Seiner Meinung nach müsse es hier künftig nicht unbedingt Pferderennsport geben. Eine Besucherin, die gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer Tochter beim Fest war, sieht das ähnlich: „Mein erster Gedanke beim Anblick des Geländes: das wäre eine tolle Parklandschaft.“ Und obwohl die eine Tochter reitet und die andere voltigiert, fänden beide den Pferderennsport nicht toll, sagt sie.

Info

Zur Sache

Volksentscheid zur Rennbahn

Bei den Bremer Landtagswahlen im vergangenen Jahr gab es einen Volksentscheid über die Zukunft der Rennbahn. Die Bürger stimmten mehrheitlich für das Ortsamtsgesetz ab, das eine Bebauung mit Wohnhäusern auf dem Gelände verbietet. Es gab zuvor Pläne seitens der Politik, die Fläche zumindest anteilig als Bauland zu nutzen. Am Volksentscheid gab es wegen der Fragestellung starke Kritik: Wenn die Bürger gegen die Bebauung waren, mussten sie für das Gesetz stimmen, auf dem Stimmzettel also „Ja“ ankreuzen. Weitere Informationen zur Bürgerinitiative im Internet unter www.bi-rennbahngelaende-bremen.de

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