Auf Stippvisite bei den verschiedenen Nutzern

Bürgerhaus besteht Belastungsprobe

Vegesack. Nach den Eröffnungsreden am Freitag hat das Bürgerhaus auch den ersten Belastungstest am Sonnabend mit Bestnoten bestanden. Der Tag der offenen Tür mit vielen Aktionen auf allen Ebenen des Hauses mündete in eine stimmgewaltige Vorstellung von Carmina Burana durch die Europa-Chor-Akademie und den Schulchor der Grohner Schule am Wasser.
09.02.2014, 17:15
Lesedauer: 3 Min
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Von Volker Kölling

Nach den Eröffnungsreden am Freitag hat das Bürgerhaus auch den ersten Belastungstest am Sonnabend mit Bestnoten bestanden. Der Tag der offenen Tür mit vielen Aktionen auf allen Ebenen des Hauses mündete in eine stimmgewaltige Vorstellung von Carmina Burana durch die Europa-Chor-Akademie und den Schulchor der Grohner Schule am Wasser.

Hausleiterin Heike Gronholz guckt am Sonnabend gegen eins erst einmal nach, ob das Buffet für all die freiwilligen Helfer steht, dann geht es weiter Richtung Foyer. Rechts haben die Mitstreiter der Farger Tanklagerinitiative ihren Stand aufgebaut, im Treppenhaus macht Heike Gronholz auf die farbigen Papierobjekte der Künstlerin Irmgard Spark aufmerksam.

Eigentlich soll es in den dritten Stock zum Hörfunkstudio gehen, aber an der Leselounge legen Besucher an diesem Tag gerne einen Zwischenstopp ein. Hartmann Vandré von der Stadtkirche hat Vegesacks öffentliche Skulpturen bereimt: „Gleich überm Strand – das Pflaster, belastet einst durch Laster – liegt jetzt ein Wal: ganz trocken. Tut alle Kinder locken zu rutschen – rauf und runter. Der Wal: Kuckt stets gleich munter.“

Ab in den Fahrstuhl: Heike Gronholz hat einen Besuch im Medienzentrum empfohlen, das jetzt so richtig einsatzfähig ist. Im dritten Stock können Neulinge angesichts der Halbetagen immer noch durcheinander kommen. Olaf Jürss vom Bürgerrundfunk Radio Weser TV interviewt im Hörfunkstudio mit Blick auf den Sedanplatz gerade die VHS-Leiterin Ute Pahlow. Medienberater Stephan Hänke von der Bremischen Landesmedienanstalt sitzt an den Reglern und sorgt bei der Livesendung für den guten Ton: „Wir hatten ja erst Befürchtungen, die Steinwand hier und die Glaswand dort könnten der Akustik schaden. Aber die Architekten haben das durch die neue Decke sehr gut in den Griff bekommen,“ lobt Hänke die Akustik.

Die Technik in dem Studio ist bewusst halbdigital gehalten. Hier gibt es noch Regler und Knöpfe neben den Laptops. Hänke: „Da haben wir einfach auch an die Nutzer gedacht, die am Computer nicht so firm sind.“ Drei Stunden Crash-Kursus braucht es, um Interessierten die Technik nahe zu bringen. „Wir wünschen uns, dass noch viele Bremen-Norder mitmachen möchten. Am liebsten hätten wir ganz viele tolle Magazinsendungen, die auch Bremen-Nord zum Thema haben“, so Hänke. Ute Pahlow hat Moderator Olaf Jürss gerade erzählt, dass jetzt schon 400 Nutzer der Volkshochschulangebote täglich ins Bürgerhaus kommen und dass die Unterbringung in einem Trakt ein wesentlicher Fortschritt im neuen Bürgerhaus sei. „Die Räume haben sich vergrößert, in den Fachräumen haben wir in jedem Raum Internet, Beamer und Leinwand, so dass jetzt ganz neue Formen des interaktiven Lernens möglich werden,“ so Ute Pahlow. „Das ist hier schon ein richtiger Sprung nach vorne.“

Das Haus ist „richtig fit“

Einmal in den Nachbarraum gesprungen, wo „Elf“ über der Tür für Erstes Lesumer Fernsehen zu lesen ist. Die Fernsehleute hängen praktisch in einem Glasarm des Gebäudes wie in der Luft. Hier lässt sich prima über Kamera- und Schnittsysteme fachsimpeln, während hinten an der Leinwand Bewegtbildproben der Fernsehmacher zu sehen sind.

Wieder hinaus und den Blick nach oben zur Internationalen Friedensschule. Hier muss irgendwo auch Gerd Meyer zu finden sein, der das Bürgerhaus 26 Jahre lang geleitet hat. Tatsächlich sitzt er im Archiv der Friedensschule und ist froh, dass er als Rentner bei dem ganzen Trubel entspannt zusehen kann: „Natürlich ist das Haus für mich ein Stück Heimat geblieben. Ich freu mich richtig, dass es durch den Umbau wieder so richtig tagesfit ist.“ Jetzt gehe es darum, Leute zurück zu gewinnen und neue zu finden, „die für das Haus brennen“.

Heute ist auf jeden Fall Feuer unterm Dach: Friedrich der Zauberer verzaubert Kinder im Mitmachzirkus Tohuwabohu. Kapitän Säbelzahn zieht ein Stockwerk höher sein Entermesser und erzählt Kindern vom wilden Leben der Piraten. Der Seniorenkreativtreff tanzt auf seinen Stühlen.

Kurz vor sechs wird es feierlich im Bürgerhaus, im Saal geht das Licht fast aus. Mit dem Einzug der Glücksgöttin Fortuna in einem Kinderheer sorgt das Stimmgebraus der Europa-Chor-Akademie für Gänsehaut-Gefühle.

70 Aktive machen bei Carmina Burana mit. Die Eltern der jungen Künstler vom Chor der Schule am Wasser haben auch die ganz kleinen Geschwister mitgebracht und drehen den Auftritt eifrig mit ihren Smartphones mit.

Maestro Joshard Daus wird später bei der After-Show-Party im Haus Kränholm sagen, dass er normalerweise sehr empfindlich auf Lärm reagiere: „Normalerweise hätte ich so ein Konzert abgebrochen.“ Aber andererseits seien eben auch viele der Eltern zum ersten Mal in einem klassischen Konzert gewesen und genau diese Annäherung auch Sinn des Nordbremer Projekts. Grundschul-Musiklehrer Sebastian Bültmann ist jedenfalls stolz auf seine Jungen und Mädchen: „Die haben unheimlich von der Arbeit mit den Profis profitiert.“

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