Nach Antisemitismusvorwurf

Bürgerhaus Weserterrassen streicht Veranstaltung

Eigentlich sollte im Bürgerhaus Weserterrassen ein Vortrag stattfinden, in dem sich der Bremer Publizist Arn Strohmeyer kritisch mit Israels Palästina-Politik auseinandersetzt. Doch der Leiter des Bürgerhauses sagte die Veranstaltung kurzfristig ab.
27.01.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Bürgerhaus Weserterrassen streicht Veranstaltung
Von Alexandra Knief

Eigentlich sollte am Dienstagabend im Bürgerhaus Weserterrassen ein Vortrag stattfinden, in dem sich der Bremer Publizist Arn Strohmeyer kritisch mit Israels Palästina-Politik auseinandersetzt. Doch der Leiter des Bürgerhauses sagte die unter anderem von der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft (DPG) getragene Veranstaltung kurzfristig ab. Und das sorgt nun für Diskussionen.

Der Absage vorausgegangen war eine E-Mail von Benjamin Weinthal, er ist Korrespondent der israelischen Tageszeitung „Jerusalem Post“. Sein Vorwurf: Strohmeyers Buch „Antisemitismus – Philosemitismus und der Palästina-Konflikt“ und auch die Veranstaltung seien antisemitisch. Weinthal wirft Strohmeyer, der DPG und anderen Bremer Organisationen vor, Boykott-Aktivitäten gegen den jüdischen Staat zu unterstützen. Strohmeyer wird in einem Artikel der Jerusalem Post am Montag obendrein als „Hardcore-Anti-Israel-Aktivist“ bezeichnet.

Zwischen diesen Fronten steht nun Stephan Pleyn, der Leiter des Bürgerhauses Weserterrassen. Er könne als Außenstehender nicht sagen, ob die Vorwürfe in irgendeiner Form begründet seien. Er selbst habe auf den ersten Blick keine bösen Absichten hinter der Veranstaltung erkannt. „Die Deutsch-Palästinensische Gesellschaft macht immer mal wieder Vorträge bei uns, da sehen wir kein Problem“, sagt Pleyn. „Im Zweifel bin ich aber dafür, erst einmal Luft aus der Situation zu lassen.“ Es sei das oberste Ziel des Bürgerhauses, den kontroversen Austausch und die friedvolle Verständigung zwischen den Generationen und Nationen zu fördern. „Verständigung kann aber nicht funktionieren, wenn sich eine Seite diffamiert fühlt. Das haben wir mit der Absage respektiert.“ Ein weiterer Grund für die Absage war Pleyn zufolge die zeitliche Nähe der Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag am Mittwoch.

Arn Strohmeyer selbst zeigt sich empört über die Vorwürfe: „Ich halte Antisemitismus im Hinblick auf die deutsche Geschichte nicht nur für eine Dummheit, sondern für ein schlimmes Verbrechen“, sagt er. „Wenn ich Israels Politik aus dem Blickwinkel des Völkerrechts kritisiere, hat das aber nichts mit Antisemitismus zu tun.“ Grigori Pantijelew, stellvertretender Vorsitzender der jüdischen Gemeinde, wiederum begrüßt die Absage. „Der Antisemitismus ist in Deutschland nicht verboten, es ist aber Konsens, dass er nicht in öffentliche Räume transportiert werden dürfe. Wenn alle sich daran halten, ist dem gesellschaftlichen Frieden geholfen.“ Rolf Verleger, ehemaliges Mitglied im Zentralrat der Juden in Deutschland, drückte in einer E-Mail hingegen Verständnis für Strohmeyers Kritik an Israels Politik aus: „Menschenrechte müssen für alle gelten“, so Verleger.

Stephan Pleyn überlegt nun, zu einer Podiumsdiskussion ins Bürgerhaus einzuladen, bei dem der Nahost-Konflikt thematisiert wird. So lange wollten Arn Strohmeyer und die DPG aber nicht warten: Sie riefen am Dienstagabend zu einer Protestkundgebung vor dem Bürgerhaus auf.

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