Platanen sollen Deichschutz weichen Bürgerinitiative will Bäume retten

Bremen. Etwa 50 Neustädter sind dem Aufruf der neuen Bürgerinitiative „Platanen am Deich“ gefolgt und haben gemeinsam beraten, wie sie die 125 Platanen am Neustädter Deich retten können. Denn diese sollen wie berichtet entlang der Stadtstrecke zwischen der Stephanibrücke und dem Rotes Kreuz Krankenhaus abgesägt werden, wenn dort die Bauarbeiten für einen höheren Deich beginnen.
10.06.2016, 00:00
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Von Karin Mörtel

Bremen. Etwa 50 Neustädter sind dem Aufruf der neuen Bürgerinitiative „Platanen am Deich“ gefolgt und haben gemeinsam beraten, wie sie die 125 Platanen am Neustädter Deich retten können. Denn diese sollen wie berichtet entlang der Stadtstrecke zwischen der Stephanibrücke und dem Rotes Kreuz Krankenhaus abgesägt werden, wenn dort die Bauarbeiten für einen höheren Deich beginnen. Hintergrund für dieses Großbauprojekt ist der Generalplan Küstenschutz. Der Plan gibt vor, dass Bremen seine Deiche für die in Zukunft zu erwartenden Extremhochwasser vorbereiten muss. Dass alles dafür getan werden müsse, um die Deichsicherheit zu gewährleisten, bestreiten auch die Mitglieder der Bürgerinitiative nicht. Doch sie sind der Überzeugung, dass die stattliche Platanenreihe am Neustädter Weserufer dafür nicht gefällt werden muss.

„Der Erhalt vieler Bäume zwischen Beck‘s und Wilhelm-Kaisen-Brücke wäre laut Baumgutachten durchaus möglich und sogar etwa zwei Millionen Euro günstiger, daher fragen wir uns, warum die Umweltbehörde gegen den Bürgerwillen die Bäume fällen will“, erklärte Gunnar Christiansen, der für die Piratenpartei im Neustädter Beirat sitzt und die Bürgerinitiative mit ins Leben gerufen hat.

Besonders ärgerlich fand sein Mitstreiter und Beiratskollege Wolfgang Meyer (Linke), dass als Argument für die Baumfällung die mangelnde Deichsicherheit herangezogen werde. „In der Machbarkeitsstudie steht eindeutig, dass der Hochwasserschutz bei allen Varianten gewährleistet ist – also auch mit den Platanen“, betonte Meyer.

Auch der unabhängige Baumgutachter Andreas Block-Daniel war zu dem Treffen gekommen. In früheren Jahren hatte er zu dem Thema den zuständigen Behörden zugearbeitet. Der Gutachter bestätigte seine Einschätzung, dass der Großteil der Platanen auch bei einem Deichumbau erhalten werden könne, wenn stark luft- und wasserdurchlässiges Material im Wurzelbereich eingebaut werde. „Beim Einbau einer Spundwand werden die Wurzeln allerdings vermutlich stark beschädigt, was die restliche Lebenserwartung deutlich reduziert“, räumte der Experte ein. Außerdem sei ein regelmäßiger und starker Rückschnitt der Baumkronen notwendig, was zusätzlichen Stress für die Bäume bedeuten würde.

In der Umweltbehörde sehen die Verantwortlichen das ähnlich: „Theoretisch ist ein Erhalt der Bäume am Deich tatsächlich möglich, doch das wäre sehr kurzfristig und nicht nachhaltig gedacht“, sagte Jens Tittmann auf Nachfrage des WESER-KURIER. Der Sprecher von Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne) verwies darauf, dass der Krankheitsbefall der Bäume ständig voranschreite und auch die noch zu erwartende Restlebensdauer der gesunden Bäume von 20 bis 40 Jahren „in keinem Verhältnis dazu steht, was wir durch eine gut ausgeführte Nachpflanzung erreichen können“. Er verwahre sich gegen die Darstellung, das grüne Ressort treibe Baumfällungen wider besseren Wissens voran. Tittmann: „Das Gegenteil ist der Fall: Es sorgt dafür, dass auch nachfolgende Generationen dort ein grünes Stadtbild vorfinden“, betonte der Sprecher.

Die Bürgerinitiative will sich mit der Entscheidung jedoch nicht zufrieden geben und überlegt, ob sie mit einem umfassenden Bündel aus Unterschriftensammlung, Bürgerbegehren und weiteren Aktionen, die Bäume am Ende doch noch vor der Säge bewahren kann.

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