Wolfgang Loose im Alter von 96 Jahren gestorben – seine Lebensaufgabe hatte er im Schnoor gefunden

Bürgermeister einer Kleinstadt

Bremen. Viele glaubten, dass er tatsächlich der „Schnoor-Bürgermeister“ sei, und wenn es diesen Posten gäbe, so wäre Wolfgang Loose dafür wohl die Idealbesetzung gewesen. Der 96-Jährige starb, schon vor einigen Wochen, allerdings nicht in seinem geliebten Stadtteil nahe der Weser, sondern weiter landeinwärts, in Schwachhausen.
29.10.2014, 00:00
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Von Erika Thies
Bürgermeister einer Kleinstadt

Wolfgang Loose

Petra Stubbe

Viele glaubten, dass er tatsächlich der „Schnoor-Bürgermeister“ sei, und wenn es diesen Posten gäbe, so wäre Wolfgang Loose dafür wohl die Idealbesetzung gewesen. Der 96-Jährige starb, schon vor einigen Wochen, allerdings nicht in seinem geliebten Stadtteil nahe der Weser, sondern weiter landeinwärts, in Schwachhausen. Weil es Anneliese Loose nicht mehr so gut ging, war das Ehepaar 2003 umgezogen ins Landhaus Horn der Bremer Heimstiftung. Dort ist, sieben Jahre nach seiner Frau, nun auch Wolfgang Loose gestorben. Überraschend und ohne Krankenlager. Am Donnerstag findet in Horn eine Trauerfeier statt.

Er stammte ursprünglich aus Dresden, hatte dort nach dem Abitur eine Banklehre absolviert und lernte 1943 als kriegsverletzter Leutnant bei einem Erholungsurlaub eine junge Bremerin kennen: Anneliese, die Tochter vom Schnoor-Bäckermeister Christian Hartke.

„Jung’, wir haben hier so viel Arbeit“, sagte der Schwiegervater zum Schwiegersohn, als es nach Krieg und Gefangenschaft mit einer Anstellung bei der Bremer Bank nicht geklappt hatte. So kam Wolfgang Loose in den Schnoor – und zu seiner eigentlichen Lebensaufgabe.

Nicht wenige Bauten, die den Krieg einigermaßen heil überstanden hatten, sind danach noch dem Bauboom zum Opfer gefallen. Von den 120 Häusern im Schnoor standen bis auf sieben noch alle, als die Stadt – auf der Suche nach Baugrund für Banken und Versicherungen – den Abriss des historischen Quartiers erwog. Nicht nur Bäckermeister Hartke und fast alle Schnoor-Ansässigen waren empört. Auch in den Ämtern fanden sich Verteidiger, allen voran Denkmalpfleger Rudolf Stein und dessen späterer Nachfolger Karl Dillschneider.

Seit Februar 1959 stand der Schnoor dann durch ein Ortsstatut unter Denkmalschutz. Auf dieser Basis arbeitete Wolfgang Loose unermüdlich in vielen Richtungen weiter. Er baute sein „Schnoor-Archiv“ auf, das später im Jakobus-Packhaus unterkam, er gab mit Dillschneider mehrere Schnoor-Bücher heraus, er beantworte geduldig jede den Schnoor betreffende Frage. Er gründete, in Erinnerung an seine Frau, die Anneliese-Loose-Hartke-Stiftung.

Als 80-Jähriger nach dem Traumberuf seiner jungen Jahre befragt, antwortete er spontan: „Mein heimlicher Wunsch war: Bürgermeister einer Kleinstadt.“ Und so ähnlich war es dann ja auch gekommen.

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