Tag der Deutschen Einheit Bürgermeister zählt die Tage bis zum Fest

Bremen. Freitag geht`s los: Die Einheitsfeier beginnt in Bremen. "Endlich", stöhnte jemand aus dem Böhrnsen-Gefolge auf der finalen Pressekonferenz. Bremen drei Tage in Saus und Braus, ein Bürgerfest mit Hunderttausenden von Besuchern. Ein Staatsakt mit großem Gepräge.
29.09.2010, 06:00
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Bürgermeister zählt die Tage bis zum Fest
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Freitag geht`s los: Die große Einheitsfeier beginnt in Bremen. "Endlich", stöhnte jemand aus dem Böhrnsen-Gefolge auf der finalen Pressekonferenz. Bremen drei Tage in Saus und Braus, ein Bürgerfest mit Hunderttausenden von Besuchern. Ein Staatsakt auch mit großem Gepräge.

Ein- und Aussichten zum Einheitsfest gab es von hoher Warte: Der Bürgermeister hatte in den Weser Tower gebeten, nach ganz weit oben in den 21. Stock. Wer von dort hinunter schaute in die Überseestadt, sah die untrüglichen Zeichen für ein Megaereignis. Bis hin zum Europahafen ziehen sich die Zelte, Pagoden und Pavillons. Überall wird gewerkelt, Strom gelegt und für Wasseranschlüsse gesorgt. Aufbauphase für die Ländermeile entlang der alten Reeperbahn. Jedes der 16 Bundesländer will sich von seiner besten Seite zeigen. So lange der Tag der deutschen Einheit gefeiert wird, ist das Fest der Länder für die Besucher immer der absolute Höhepunkt.

'Ein wunderbarer Zufall'

Böhrnsen umriss noch einmal die Bedeutung der drei kommenden Tage für Bremen: 'Ein wunderbarer Zufall, dass wir just zum 20. Tag der Deutschen Einheit Gastgeber sein dürfen.' Der Bürgermeister wünscht sich zum Anlass der Feier ein 'Nachdenken und Innehalten' - etwas, was wohl mehr beim ökumenischen Gottesdienst am Sonntag um 10 Uhr im Dom und zwei Stunden später beim Festakt in der Bremen Arena gelingen wird. Dann ist die gesamte politische Klasse des Landes versammelt und dazu noch eine Vielzahl von Staatsgästen, darunter die Spitzen von Nato und der Europäischen Union.

Christian Wulff hat angekündigt, seine erste große Rede als Bundespräsident halten zu wollen, sollte ihm das gelingen, wird es für die Historiker die 'Bremer Rede' sein, so wie es bei früheren Bundespräsidenten stets die 'Berliner Rede' war.

Das werden Stunden sein am Sonntag, die von großem Ernst getragen sind. Den Festakt gibt es live im Fernsehen, ein Ereignis für die ganze Nation, und Bremen ist für kurze Zeit der Nabel, in dem sich alles konzentriert.

Der Staat zelebriert sich selbst, seine wiedererlangte Einheit, das kostet, und Bremen bezahlt: 1,7 Millionen Euro stehen regulär im Haushalt bereit, ein knappes Drittel davon entfallen auf die protokollarischen Veranstaltungen, mit dem großen Rest wird das Bürgerfest finanziert. Dazu kommen noch eine halbe Million von Sponsoren - für Böhrnsen, wie er sagte, etwas typisch Bremisches: bürgerschaftliches Engagement und Mäzenatentum. Der Bund schließlich gibt auch noch etwas dazu: 184000 Euro, wie die Protokollabteilung des Rathauses berichtete.

Obendrauf dann allerdings noch die Kosten für die Sicherheit. Rund 3000 Polizisten werden am Wochenende in der Stadt nach dem Rechten sehen. Auch dafür wird Bremen sein Säckel öffnen - 2,1 Millionen Euro, eine Summe, die nachträglich aus dem Haushalt herausgequetscht werden muss. 'Das ist insgesamt viel Geld', sagte Böhrnsen, 'aber ich betrachte diese Ausgaben nicht in erster Linie als Last, sondern als Ehre.' Bremen wolle ein lebendiger Bestandteil aller Bundesländer sein, und da gehöre es einfach dazu, alle 16 Jahre die Einheitsfeier auszurichten. Zumal die Stadt ja durchaus profitiere, unter anderem so: 'Die Hotels sind alle ausgebucht.'

Während der Bürgermeister noch sprach, hatte jemand an der Schlachte vor dem Weser Tower schwer zu tun. Der Mann schrubbte an einem Graffiti herum: '3. Oktober. Wir kommen auch!' Was als nette Ankündigung verstanden werden könnte, ist wohl eher als Drohung gedacht. Die Gegner der Einheitsfeier haben sich längst formiert - auch in dieser Hinsicht stehen Bremen bewegte Tage bevor.

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