Ausgezeichnetes Ehrenamt

Bürgerpreis an engagierte Bremerinnen und Bremer verliehen

Am Donnerstag hat die Bremer Sparkasse den Bürgerpreis für besonderes, ehrenamtliches Engagement verliehen. Viele Preisträger sind stadtbekannt und zwölf davon sehr jung.
22.11.2018, 21:51
Lesedauer: 3 Min
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Von Eva Przybyla
Bürgerpreis an engagierte Bremerinnen und Bremer verliehen

Mit zwölf Jahren ist Anna Ikonik in die Politik gestartet – in den Jugendbeirat Hemelingen. Für den holte sie als Sprecherin am Donnerstagabend den Preis ab.

Christina Kuhaupt

Anna Ikonik ist 15 Jahre alt und schon in ihrer zweiten Legislaturperiode im Jugendbeirat Hemelingen aktiv. Er ist am Donnerstagabend mit dem Bremer Bürgerpreis ausgezeichnet worden. Ikonik nahm als gewählte Sprecherin den Preis der Bremer Sparkasse im Finanzcentrum am Brill entgegen. „Wir wollen nicht immer nur sagen ’Das stört mich!’, sondern auch mal selbst etwas machen“, sagt sie stellvertretend für die insgesamt zwölf Jugendlichen im Beirat. Geändert haben sie bisher eine Menge, beispielsweise das Fußballturnier „Jubicup“ ins Leben gerufen und zwei Bücherschränke aufgestellt.

Besonders stolz ist Ikonik auf ein großes Graffitiprojekt in Sebaldsbrück. Das nächste Vorhaben steht auch schon fest: ein Winterball für alle Jugendlichen im Stadtteil. In der Kategorie U 21 erhielt der Jugendbeirat Hemelingen 1000 Euro, weil er mit seinen Aktionen zur Verbesserung der Lebensqualität von Jugendlichen in Hemelingen beitrage, heißt es in der Begründung der Veranstalter.

Neben den Jugendlichen zeichnete die Sparkasse Bremen sechs weitere Personen und Vereine für ihr ehrenamtliches Engagement aus. Die Jury wählte Martina Krause und Stefan Wolfestieg für ihr Lebenswerk aus. Krause organisiert seit 1988 den Spieltreff im Bürgerpark. Wolfestieg leitet die Jugendfeuerwehr Bremen-Blumenthal und hat schon 29 Feuerwehr-Dienstjahre hinter sich. Beide Preisträger erhielten jeweils 1500 Euro.

Alle Preisträger sind stadtbekannt

Die meisten Preise wurden in der Kategorie „Alltagshelden“ vergeben, also an Menschen, Gruppen oder Vereine, die sich „in ihrem Lebensumfeld engagieren“. Alle Preisträger sind stadtbekannt, so auch das „Künstlerhaus Ausspann“ im Schnoor, in dem sich seit 2016 rund 100 Ehrenamtliche für Flüchtlinge engagiert haben.

Etwa 400 Personen nutzen das Kursangebot und besuchen die Ausstellungen in dem Altbremer Haus. Für Wohnungslose engagieren sich die „Bremer Suppenengel“, ebenfalls Preisträger in der Kategorie „Alltagshelden“. An vier Tagen in der Woche kochen sie nach Angaben des Geschäftsführers Peter Valtink für bis zu 250 Bedürftige. Für kostenloses Internet sorgt der Förderverein „Freifunk Bremen“ an diversen Orten der Stadt. Dafür erhielt er ebenfalls eine Auszeichnung.

Ein Signal wollte die Jury mit der Verleihung des Bürgerpreises an Martin Reincke von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Bremen setzen. Er ist für die Wasserrettung zuständig, deren Unverzichtbarkeit gerade in diesem Sommer mit sechs Ertrunkenen deutlich wurde. Insgesamt 250 Einsätze habe die DLRG in den warmen Monaten ausgeführt, sagte Reincke. 30 000 Helferstunden zähle er. Der Vorsitzende leitet den Wasserrettungsdienst Bremen und bildet Rettungsschwimmer aus. Außerdem organisiert er die Ausbildung von Nichtschwimmern. „Jedes Kind muss schwimmen können“, sagte er auf der Preisverleihung. Alle „Alltagshelden“ erhielten 1500 Euro Preisgeld.

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In diesem Jahr würdigte die Sparkasse Projekte, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt förderten, heißt es von den Veranstaltern. „Innovative Entwicklungen und digitale Technologien verändern unser Leben und unser Arbeiten immer mehr“, betonte Thomas Fürst, Vorstandsmitglied der Sparkasse Bremen in seiner Festrede zu Beginn der Preisverleihung.

Diese Technologien ermöglichten zwar den Kontakt mit zahlreichen Personen überall auf der Welt, dennoch empfänden viele Menschen heute einen Verlust an echten, persönlichen Beziehungen. „Dieses Bedürfnis nach Nähe, Verbindung, Zuwendung und einem sozialen Miteinander wird spürbar größer“, sagte Fürst, der dies bei allen Generationen beobachtet. Er rief die Gäste auf, an einer „Kultur des Miteinanders“ mitzuwirken.

Bewerben können sich alle, die sich in Bremen gemeinnützig einsetzen

Seit 2003 wird der deutsche Bürgerpreis verliehen, den Bremer Bürgerpreis als regionalen Wettbewerb gibt es seit 2006. Letzteren richtet die Sparkasse Bremen aus und vergibt insgesamt 10.000 Euro jährlich für ehrenamtliches Engagement. Bewerben können sich alle Menschen, die sich in Bremen gemeinnützig einsetzen, nur in der Kategorie „Lebenswerk“ müssen Dritte die Kandidaten nominieren.

Die Veranstalter verzeichneten in diesem Jahr eine Rekordbeteiligung. Es gingen insgesamt 40 Bewerbungen ein. Ausgewählt wurden die Preisträger von einer vierköpfigen Jury mit Hellena Harttung (Ortsamt Bremen Mitte), Klaus Sondergeld (Wirtschaftsförderung Bremen) Elke Heussler (Sparkasse Bremen) und Robert Lürssen (­Weser-Report).

Auf der Veranstaltung wurden auch kritische Töne laut: Sabina Schoefer, Direktorin der Bremer Volkshochschule, gab zu Bedenken, dass viele Ehrenamtliche unentgeltlich staatliche Arbeit leisten würden.

In den vergangenen Jahren ging es für Bürgerpreisträger noch eine Runde weiter, zum deutschen Bürgerpreis. Doch in diesem Jahr findet er nicht statt – wegen einer „Kreativ-Pause“ wie es auf der Internetseite der Veranstalter heißt.

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