Parlament kritisiert bisherige Regelung als diskriminierend

Bürgerschaft: Homosexuelle Männer dürfen Blut spenden

Bremen. Große Einigkeit herrschte gestern in der Bürgerschaft in der Frage, ob es homosexuellen Männern künftig erlaubt sein soll, Blut zu spenden. Die einhellige Meinung aller Fraktionen lautete: ja.
23.01.2014, 00:00
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Bürgerschaft: Homosexuelle Männer dürfen Blut spenden
Von Matthias Lüdecke

Große Einigkeit herrschte gestern in der Bürgerschaft in der Frage, ob es homosexuellen Männern künftig erlaubt sein soll, Blut zu spenden. Die einhellige Meinung aller Fraktionen lautete: ja. Bisher dürfen sie das nicht. Wenn ein Mann, der Blut spenden möchte, in einem Fragebogen angibt, dass er Sex mit Männern hat, wird er von der Blutspende ausgeschlossen. Die Bürgerschaft hat sich nun einstimmig dafür ausgesprochen, auf eine Änderung dieser Regelung auf Bundesebene hinzuwirken.

„Wir sprechen immer wieder über versteckte Diskriminierung – hier tritt sie ganz offen zutage“, sagte der Grünen-Abgeordnete Björn Fecker. Natürlich müsse die Sicherheit bei Blutspenden auch künftig gewährleistet sein, aber Sex mit vielen wechselnden Partnern oder ungeschützter Verkehr kämen bei Heterosexuellen ebenso vor wie bei Homosexuellen. Das sexuelle Verhalten mit der sexuellen Orientierung gleichzusetzen, bediene ein Klischee aus der Mottenkiste. „Die derzeitige Richtlinie atmet den Geist einer vergangenen Zeit, in der Aids noch als Schwulenseuche galt“, sagte Winfried Brumma (SPD). Das schüre Vorurteile und sei diskriminierend. Jede Infektion durch Spenderblut sei eine zu viel, so Brumma, doch habe es von 2000 bis 2010 fünf solcher Infektionen gegeben – und das trotz der bisher gültigen Regelungen. Deswegen müsse der Fragebogen sich am sexuellen Verhalten orientieren und nicht an der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe.

Der CDU-Abgeordnete Rainer Bensch sieht in der momentanen Regelungen zugleich ein falsches Signal an die Gesellschaft. „Das signalisiert: Wenn du nicht schwul bist, bist du ,sauber’“, sagte Bensch und plädierte ebenfalls für ein Ende der Diskriminierung homosexueller Männer. Peter Erlanson und seine Linksfraktion wären sogar tendenziell noch einen Schritt weitergegangen und hätten auch andere Gruppen – wie etwa Prostituierte – zur Blutspende zugelassen, wenn dem keine medizinischen Gründe oder ein Risikoverhalten entgegenstehen. Ein entsprechender Änderungsantrag fand jedoch keine Mehrheit.

Gesundheitsstaatsrat Peter Härtl freute sich über die fraktionsübergreifende Einigkeit. Er sei zuversichtlich, dass es bald zu einer Änderung komme, sagte er.

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