Gemeinsamkeit prägt Innenstadt-Debatte Bürgerschaft stellt sich hinter Zechs Innenstadtpläne

Die Stadtbürgerschaft hat sich nahezu einmütig hinter die Pläne des Bauunternehmers Kurt Zech für eine Einkaufspassage in der Bremer City gestellt. Das Senat soll das Projekt konstruktiv begleiten.
22.08.2017, 20:59
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Bürgerschaft stellt sich hinter Zechs Innenstadtpläne
Von Jürgen Theiner

Die Pläne des Bauunternehmers Kurt Zech für eine Einkaufspassage im Bereich des Parkhauses Mitte finden in der Bürgerschaft breite Unterstützung. Das ist am Dienstag in einer Debatte über die Zukunft der Innenstadt deutlich geworden. Mit Ausnahme der Linken bekannten sich Sprecher aller Fraktionen zu dem Projekt, das die Einzelhandelsfläche in der City deutlich ausweiten und für neue Rundläufe sorgen soll.

Für die rot-grüne Koalition sprach der grüne Baupolitiker Robert Bücking von „dramatischen und weitreichenden Entwicklungen“, die sich durch Zechs Vorhaben und weitere Immobilienprojekte im Ansgariviertel sowie zwischen Obernstraße und Martinistraße ergeben. Bücking machte darauf aufmerksam, dass sich der Einzelhandel in der Bremer Innenstadt gegenwärtig in keiner komfortablen Situation befinde.

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Karstadt und Kaufhof machten mit gemeinsam rund 70.000 Quadratmetern rund die Hälfte der Gesamtfläche aus. Dabei seien es ja gerade die Warenhäuser, die – nicht nur in Bremen – bislang keine Antworten auf den Strukturwandel in der Geschäftswelt gefunden hätten.

Wenn vor diesem Hintergrund private Investoren neue, zeitgemäße Einzelhandelsimmobilien im Stadtkern errichten wollten, sei das ermutigend. Auch SPD-Wirtschaftspolitiker Dieter Reinken fand viel Positives an der aktuellen Entwicklung. Es sei „gut, wenn Optimismus die Debatte prägt“. Die Herausforderungen seien beschrieben. Nun gelte es, „einen Schritt nach dem anderen zu machen“.

Neuordnung des Parkraums

Welche Schritte er meinte, stand in einem gemeinsamen Dringlichkeitsantrag der Koalitionsfraktionen, der schließlich sogar die Zustimmung von CDU und Liberalen fand. Darin wird der Senat aufgefordert, „die unternehmerischen Planungen mit eigenen Ideen und Konzepten begleitend zu unterstützen“.

Dazu gehört unter anderem eine Neuordnung des Parkraums. Bei der Ausdehnung der Fußgängerzonen soll darauf geachtet werden, dass „keine neuen Rückseiten und Sackgassen“ entstehen, wie es in dem Antrag heißt. Gefordert wird unter anderem auch ein Konzept des Senats für eine verbesserte Aufenthaltsqualität.

Grünen-Verkehrspolitiker Ralph Saxe griff in seinem Debattenbeitrag die jüngsten Vorschläge des CDU-Kreisverbandes Bremen-Stadt auf. Dessen Vorsitzender Jens Eckhoff hatte unter anderem Ideen für eine bessere Verzahnung von Altstadt und Stephaniviertel gemacht. „Dieses Diskussionsangebot nehmen wird gern an“, sagte Saxe.

Lohse kündigte Parkraum-Bewirtschaftungskonzept an

Erstaunlich kühl sprach Heiko Strohmann (CDU) über das Papier seines Parteifreundes Eckhoff. „Was der CDU-Kreisverband vorgeschlagen hat, ist auch nicht so falsch“, urteilte Strohmann. Das Konzept greife aber weit über die Kernstadt aus.

Aus seiner Sicht tue man gut daran, mit Martinistraße und Am Wall zunächst die „Außenachsen“ des Zentrums attraktiver zu gestalten, so Strohmann. Auch warnte er davor, „die Autofahrer zu verteufeln“. Eckhoffs Papier setzt gerade darauf, möglichst viel Autoverkehr aus dem Zentrum herauszuziehen.

Auch Bau- und Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne) schaltete sich in die Debatte ein. Er kündigte für die nahe Zukunft ein Parkraum-Bewirtschaftungskonzept an. Es befinde sich behördenintern gerade in der Endabstimmung. Lohse stellte sich hinter den Plan, das Parkhaus Mitte zugunsten der von Kurt Zech geplanten Einkaufspassage abzureißen.

Bernhard sorgte für Heiterkeit

„Das Parkhaus Mitte ist eine Nachkriegsbausünde“, urteilte Lohse. Wie das Grundstück anschließend für das Projekt nutzbar gemacht werden kann, sei noch offen. Neben einem Verkauf an Zech sei es auch denkbar, dass die Stadt die Immobilie in das Vorhaben einbringt, sich also gewissermaßen beteiligt.

Die Linke ließ sich von der Aufbruchstimmung, die große Teile der Bürgerschaft erfasste, nicht anstecken. „Ich werde dem überschäumenden Optimismus entgegentreten müssen“, sagte ihre Baupolitikerin Claudia Bernhard gleich zu Beginn ihres Redebeitrags. Es seien Zweifel angebracht, ob die beabsichtigte Ausdehnung der Einzelhandelsflächen den erhofften Effekt bringe.

Für Heiterkeit sorgte Bernhard, als sie sich kritisch mit der Anregung auseinandersetzte, im Bereich der geplanten Einkaufspassage zusätzliche Rundläufe zu schaffen. Das möge vielleicht den Einkaufsgewohnheiten von Männern entsprechen, bemängelte Bernhard. Frauen bevorzugten beim Shopping einen Zickzackkurs.

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