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1400 Wahlhelfer in Bremen gesucht

Lisa Boekhoff 12.04.2019 1 Kommentar

Wahlhelferinnen und Wahlhelfer müssen am Wahltag wahlberechtigt sein.
Wahlhelferinnen und Wahlhelfer müssen am Wahltag wahlberechtigt sein. (arifoto UG/ZB/dpa)

An diesem Freitag sind es noch 45 Tage bis zur Bürgerschaftswahl. Bevor die Bremerinnen und Bremer am 26. Mai abstimmen, hat das Wahlamt noch ein gutes Stück Arbeit vor sich – auch bei der Suche nach Hilfe. Denn derzeit fehlen für den Superwahltag 1400 Wahlhelfer. Weil diesmal nicht nur Bürgerschaft und Beiräte gewählt werden, sondern parallel die Europawahl stattfindet und es einen Volksentscheid zur Bebauung der Galopprennbahn gibt, werden deutlich mehr Helfer gebraucht: 3800.

Allein für das Auszählzentrum im Alten Postamt sind bis zu 600 Wahlhelfer nötig. Dort werden sie in der kompletten Woche nach dem Wahlsonntag die Stimmzettel verarbeiten. Weil es für die Bürger mehr zu entscheiden gibt, gibt es statt sieben gleich acht Wahlhelfer pro Wahllokal.

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Um möglichst viele Bürger für das Ehrenamt zu finden, hat das Wahlamt eine neue Kampagne aufgesetzt. „Wahlhelden gesucht!“ heißt es auf 10 000 Postkarten und in Videos. „Wir haben viele neue Wege beschritten, um freiwillige Wahlhelfer zu gewinnen. Das ist eigentlich auch ganz gut gelaufen“, sagt Martin Kesper, Referatsleiter im Wahlamt. Insgesamt 1000 neue Wahlhelfer hätten sich dieses Mal gemeldet: „Das haben wir noch nie geschafft.“ Der Großteil der Wahlhelfer gehört traditionell zu den „Wiederholungstätern“: Der erste Schritt in der Wahlwerbung sei es, sagt Kesper, die rund 4000 ehemaligen Wahlhelfer aus der Datenbank wieder um ihre Mithilfe zu bitten.

Durchsage im Weserstadion

Dennoch fehlen sieben Wochen vor der Wahl viele Helfer. Kesper ist darum nicht ganz zufrieden. Gerne hätte er bereits mehr Freiwillige gewonnen. Doch die Zahl 1400 bringt ihn nicht aus der Ruhe, denn Hilfe von Verwaltungsprofis naht. Das Wahlamt ist auf den öffentlichen Dienst zugegangen. „Wir bitten um Meldung der Dienststellen. Das ist das übliche Verfahren, wenn Wahlhelfer fehlen.“ Trotzdem sei man weiterhin auf der Suche. Immer wieder gebe es Absagen und brauche es Ersatz bis kurz vor dem Tag der Tage, sagt Martin Kesper: „Das ist ein Geschäft bis zum Wahltag. Wir sind immer noch in der Werbung.“ 800 Wahlhelfer mehr als bei der Bürgerschaftswahl 2015 seien nötig. Vergangenen Montag ist ein neues Video herausgekommen.

Vereine und Gewerkschaften haben die Suche in den vergangenen Wochen unterstützt und Plakate aufgehängt. Im Weserstadion gab es bei einem Heimspiel eine Durchsage; darin ging es vor allem darum, wie wichtig der Weg ins Wahllokal sei, und dass noch Wahlhelfer gesucht werden. Uni und Hochschulen schickten Mails an Studenten und Mitarbeiter. „Das waren sehr positive Aktionen“, sagt Referatsleiter Kesper. „Wahlheld“ – das passe für die Aufgabe und in diesem Jahr mit gleich drei Wahlen und dem Volksentscheid erst recht.

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Martin Kesper geht es ums Prinzip: Die Bürger sollen die Wahl organisieren. „Ich glaube, viele Menschen wissen gar nicht, dass Ehrenamtliche bei der Wahl auszählen und jeder gefragt ist.“ Außerdem wolle man die Verwaltung so wenig wie möglich belasten. In Bremer ist geregelt, dass Behördenmitarbeiter für ihren Einsatz Sonderurlaub bekommen.

Auszählung in der Eisarena

Die Kampagne „Wahlhelden gesucht!“ lief auch in Bremerhaven. In der Seestadt sind die benötigten 1100 Helfer bereits gefunden. „In Bremerhaven ist die Situation etwas entspannter“, sagt Thomas Herbrig, Leiter des Bürger- und Ordnungsamts, mit Blick auf die Suche der Kollegen. Dennoch seien Freiwillige weiterhin willkommen, um bei der Wahl der Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung zu unterstützen. Der Aufruf geht dort direkt an Mitarbeiter in Behörden und Eigenbetrieben, an Vereine, Hochschulen und die Bevölkerung. „Das ist seit Jahren geübte Praxis, dass wir das zeitgleich in alle Richtungen streuen.“ In Bremerhaven landen die Stimmen in einem im wahrsten Sinne spektakulären Auszählzentrum: in der Eisarena. Wo sonst die Fischtown Pinguins um Punkte ringen, werden die Wahlzettel ausgezählt.

2015 und 2011 halfen in einem Projekt 700 Schüler der Oberschulen und Gymnasien bei der Auszählung der Stimmen. „Die Idee war, junge Menschen für Demokratie zu begeistern“, sagt Herbrig. Allerdings gab es im Anschluss an die Wahl vor vier Jahren eine juristische Auseinandersetzung, ob dabei alles richtig gelaufen ist. Am Ende kam der Staatsgerichtshof zum Ergebnis, dass die Bremerhavener nichts falsch gemacht haben.

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In diesem Jahr werden keine Schüler eingesetzt, weil die Auszählung zu lang dauert und Donnerstag auf einen Feiertag fällt. Herbrig, erst seit Kurzem Leiter des Amts, erlebt die erste Wahl zur Stadtverordnetenversammlung in neuer Funktion. Als Mitarbeiter des Magistrats sei er bereits selbst Wahlhelfer gewesen. Es habe sich bewährt, dass Mitarbeiter der Verwaltung helfen. „Viele Kollegen haben das schon ganz häufig gemacht. Sie kennen das Geschäft.“ Grundsätzlich kann jeder Wahlberechtigte – bis auf wenige Ausnahmen – zur Mithilfe verpflichtet werden. In Hannover gehe man diesen Weg. Die Bürger würden mit Hilfe des Einwohnermelderegisters ausgemacht, sagt Kesper. „Wir machen das nicht.“

In den nächsten Tagen geht die sogenannte Berufung an die bisher 2400 Freiwilligen heraus. Als Wahlvorstand in den Wahllokalen, im Auszählzentrum oder als Briefwahlvorstand werden sie im Einsatz sein. Für die Hilfe gibt es pro Tag ein Erfrischungsgeld von bis zu 70 Euro. An Himmelfahrt fällt es doppelt so hoch aus.


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