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Forderungen zum Ökoanbau
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Bremer Landwirtschaft als Prüfstein

Ralf Michel 21.05.2019 2 Kommentare

Eine Landwirtschaft ohne Pestizide ist Ziel des Agrarpolitischen Bündnisses Bremen. Für Bremens Fraktionen ist allenfalls eine Reduzierung denkbar. Wenn überhaupt.
Eine Landwirtschaft ohne Pestizide ist Ziel des Agrarpolitischen Bündnisses Bremen. Für Bremens Fraktionen ist allenfalls eine Reduzierung denkbar. Wenn überhaupt. (Patrick Pleul/dpa)

Wie gefährlich ist Glyphosat? Sollen Pestizide auf Bremens Äckern generell verboten werden? Wie viel Gentechnik verträgt die Landwirtschaft? Fragen, die das Agrarpolitische Bündnis Bremen (ABB) den Parteien stellt. Denn aus Sicht des Bündnisses sind die Themen Landwirtschaft und Ernährung im Wahlkampf 2019 viel zu kurz gekommen.

Das ABB selbst hat zu Themen wie Insektensterben, Artenrückgang oder Billigfleisch aus Massentierhaltung ein Positionspapier erarbeitet, versehen mit konkreten Forderungen für die kommende Legislaturperiode. Hierzu hat das Bündnis „Wahlprüfsteine“ für die fünf Bürgerschaftsfraktionen entwickelt. „Wir wollten wissen, was SPD, CDU, Grüne, Linke und FDP in der neuen Legislaturperiode für eine gesunde Ernährung und eine enkeltaugliche Landwirtschaft unternehmen wollen“, erklärt ABB-Sprecher Peter ­Barkfrede. Nachfolgend auszugsweise die Antworten der Parteien.

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Einsatz von Pestiziden

SPD: Wo immer es möglich ist, setzen wir uns für eine deutliche Reduzierung von Pestiziden und Ackergiften ein.

CDU: Pflanzenschutzmittel werden zum Schutz von Pflanzen oder Erzeugnissen vor Schadorganismen angewandt. Sie sind für die Produktion von hochwertigen pflanzlichen Lebensmitteln nahezu unverzichtbar.

Grüne: Wir wollen den Einsatz von Pestiziden drastisch reduzieren, indem wir die giftigsten Pestizide sofort verbieten. Für das Ende des Totalherbizids Glyphosat setzen wir uns mit aller Kraft ein.

Linke: Wir sprechen uns für ein abgestuftes Vorgehen aus. Der Verzicht auf Totalherbizide wie Glyphosat und auf Neonicotinoide muss umgehend erfolgen. Der schnellstmögliche Ausstieg aus Totalherbiziden und Neonicotinoiden wird nur möglich sein, wenn selektive Herbizide und andere Pestizide noch zur Verfügung stehen.

FDP: Damit alle Menschen in Deutschland gesichert ernährt werden können, kann leider nicht auf Pestizide verzichtet werden. Dabei ist Glyphosat ein Mittel, das nach bisherigem Kenntnisstand richtig eingesetzt nicht krebserregend ist. Zugleich muss der Einsatz von Pestiziden weiter reduziert und auf das absolut notwendige Maß beschränkt werden.

Gentechnik in Futtermitteln

SPD: Es ist gut und richtig, dass in Bremen weder gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut noch gentechnisch veränderte Tiere gezüchtet werden. Die SPD unterstützt einen freiwilligen Verzicht auf gentechnisch modifizierte Futtermittel.

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CDU: Auf freiwilliger Basis können die Landwirte gerne auf den Einsatz von gentechnischen Futtermitteln verzichten. In der Praxis werden die Landwirte jedoch Schwierigkeiten haben, dies umzusetzen.

Grüne: Wir lehnen schon seit vielen Jahren – anders als bei der Gentechnik teilweise im medizinischen Bereich und bei der industriellen Produktion – den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft ab.

Linke: Der Verzicht auf gentechnisch veränderte Futtermittel ist für eine gentechnikfreie Region konsequent. Wir befürworten eine entsprechende freiwillige Vereinbarung der Bremer Landwirte.

FDP: Wir setzen auf einen vorurteilsfreien und transparenten Umgang mit neuen Technologien, so auch bei der Gentechnik. Wir lehnen daher etwaige Verbote der Gentechnik ab und wollen es jedem Betrieb freistellen, ob er die zugelassenen Mittel nutzen will oder nicht. Produkte sind in jedem Fall entsprechend zu kennzeichnen.

Förderung des Ökolandbaus

SPD: Der Mix macht’s, das gilt auch für konventionelle und ökologische Landwirtschaft. Wir werden uns weiterhin für das verträgliche Miteinander von Landwirtschaft, Tierwohl, Ökologie und Artenschutz einsetzen.

CDU: Wir unterstützen die biologische Landwirtschaft genauso wie die konventionelle. Eine besondere Förderung für die eine oder die andere Herangehensweise streben wir nicht an. Wichtig ist, dass familiär geführte Betriebe erhalten bleiben.

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Grüne: Wir unterstützen die biologische Landwirtschaft und fördern die Umstellung von Betrieben im Land Bremen. Wir werden uns für finanzielle Unterstützung von landwirtschaftlichen Betrieben, die umstellen wollen, einsetzen.

Linke: Wir unterstützen die Zielsetzung, den Anteil des Ökolandbaus an der landwirtschaftlichen Fläche bis 2030 auf 50 Prozent zu steigern. Zu prüfen ist, ob der Betrieb oder die Gründung von Bio-Molkereien und Bio-Schlachthöfen besser unterstützt werden kann, denn hier liegt oft eine Schwachstelle.

FDP: Wir gehen davon aus, dass der Trend zum ökologischen Landbau anhalten wird. Wir freuen uns zugleich auch über die vielen konventionellen Landwirtschaftsbetriebe, tragen sie doch auch zur Versorgung bei. Die bisherigen Maßnahmen zur Förderung der Biolandwirtschaft halten wir für ausreichend.

Ernährung als Unterrichtsfach

SPD: Die Vermittlung der Themen Ernährung und Gesundheit sind in den Bremer Bildungsplänen solide verankert. Statt der Ausweitung der Stundentafel durch ein zusätzliches Pflichtfach sollten die schon vorhandenen Möglichkeiten noch stärker genutzt werden.

CDU: Es ist eine langjährige Forderung der CDU, dass das Thema Ernährung ein fester Bestandteil der Lehrpläne in den Bildungseinrichtungen wird. Kochunterricht muss selbstverständlicher Teil des Bildungsangebots von Kindergärten und Schulen werden.

Grüne: Umweltbildung und Naturerfahrung sollen zu einem festen Bestandteil in den Kindergärten und Schulen werden: durch Waldtage, Exkursionen zu Bauernhöfen, Schulgärten und die naturnahe Gestaltung von Schulhöfen und Spielplätzen.

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Linke: Wir sind sehr zurückhaltend gegenüber der Idee, auf gesellschaftliche Probleme und Herausforderungen mit zusätzlichen Unterrichtsfächern zu reagieren. Besser finden wir zum Beispiel, das Thema Ernährung fächerübergreifend zu behandeln.

FDP: Wir finden, dass Ernährungsbildung im Rahmen des bisherigen Unterrichts stattfinden muss. Ein eigenes Unterrichtsfach halten wir nicht für erforderlich. Bei Ernährungsbildung muss aber auch immer die freie Entscheidung der Menschen in den Mittelpunkt gerückt werden. Menschen dürfen sich auch bewusst ungesund ernähren.

Zur Sache

Forderungen des Agrarbündnisses

Pestizide: Ziel ist eine Landwirtschaft, die ohne Pestizide auskommt. Als Zwischenziel soll der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft bis 2030 halbiert werden. Ackergifte wie das vermutlich krebserregende Glyphosat und die insektentötenden Neonicotinoide sollen schnellstmöglich verboten werden.

Gentechnik: Bremen ist seit 2011 „gentechnikfreie Region“, es werden weder gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut noch gentechnisch veränderte Tiere gezüchtet. Der ABB möchte Landwirte zudem ermutigen, nur noch gentechnikfreie Futtermittel zu verwenden.

Ökolandbau: In Bremen werden 21,1 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen ökologisch bewirtschaftet. Bis 2030 sollen es 50 Prozent sein.

Unterrichtsfach Ernährung: In Bremen soll das Unterrichtsfach Ernährungsbildung eingerichtet werden. Jedes Bremer Grundschulkind sollte während des Unterrichts einmal auf einem Bauernhof gewesen sein.


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