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Die CDU im Kurzportrait
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Ein schwerer Stand

Silke Hellwig 04.05.2018 1 Kommentar

Die Hoffnung der CDU ruht nun auf Neuling Carsten Meyer-Heder.
Die Hoffnung der CDU ruht nun auf Neuling Carsten Meyer-Heder. (Christina Kuhaupt)

Wer sich in Bremen entscheidet, CDU-Mitglied zu werden, darf nicht sensibel sein. Die Partei hatte es in Bremen schon immer schwerer als andernorts, starke Gewerkschaften und eine große Arbeiterschaft in Werften und Schwerindustrie machten das Land zur (bis heute letzten) SPD-Hochburg. Die Christdemokraten machen es sich selbst auch nicht leichter, nicht in der jüngsten Parteigeschichte. Bis vor wenigen Jahren drang selten interner Zwist nach außen, womöglich auch, weil er unter der Decke gehalten wurde und im Stillen gärte.

Denn es gab Konkurrenzen – die Junge Union und die sogenannten jungen Wilden mit Jens Eckhoff lehnten sich gegen Bernd Neumann auf, der als Landeschef die Zügel der CDU jahrzehntelang fest in den Händen hielt. Ein Streitpunkt unter anderen war die Option Schwarz-Grün. Eckhoff sah darin schon früh Chancen und genug Berührungspunkte, um die SPD in die Opposition zu schicken. Neumann hatte Bedenken, konservative Stammwähler zu überfordern. Als Neumann nicht den eigenwilligen, aber strategisch gewieften Eckhoff, sondern Schwiegermutters Liebling Röwekamp zum Kronprinzen machte, schlug die Konkurrenz zwischen den beiden politischen Talenten nach und nach in Feindschaft um. Eckhoff zog sich für einige Jahre zurück.

Björn Tschöpe
Eva Quante-Brandt
Martin Günthner
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Fotostrecke: So (un-)zufrieden sind die Bremer mit ihren Politikern

Die internen Probleme gipfelten in der öffentlich ausgetragenen Schlammschlacht zwischen Landeschefin Rita Mohr-Lüllmann und dem derzeitigen Fraktionschef Thomas Röwekamp, die zunächst als ideales Gespann galten. Den Machtkämpfen zum Opfer fiel eine Reihe verdienter Christdemokraten und Neumann-Getreuer. Offiziell sind die Wogen inzwischen geglättet, inoffiziell hat sich das Meer nur geteilt, in das Team Röwekamp und die anderen. Der Fraktionschef ist auch in der CDU umstritten, die Mehrheit der Parlamentarier hat er jedoch hinter sich.

37,1 Prozent der Stimmen

Von 1951 bis 1959, als Teil von Bürgermeister Wilhelms Kaisens politischem Alle-Mann-Manöver, sowie weitere zwölf stolze Jahre (1995 bis 2007) durften die Christdemokraten mitregieren. Das brachte ihnen 1999 mit 37,1 Prozent der Stimmen ihr bislang bestes Ergebnis ein. Die Tiefpunkte: 1951 reichte es nur für gut neun Prozent der Stimmen, 2011 entschied sich ein Fünftel der Wähler für die Christdemokraten.

Die Bewertung für Carsten Meyer-Heder (CDU).  Grün bedeutet sehr zufrieden, rot steht für weniger zufrieden oder gar nicht zufrieden und grau bedeutet nicht bekannt oder nicht zu beurteilen.
Die Bewertung für Carsten Meyer-Heder (CDU).  Grün bedeutet sehr zufrieden, rot steht für weniger zufrieden oder gar nicht zufrieden und grau bedeutet nicht bekannt oder nicht zu beurteilen. (Karsten Klama)

Mit der jüngeren Großen Koalition hatte die CDU allerdings auch ihre Probleme – sie war der Junior-Partner und wurde auch so behandelt, personifiziert im harmonischen, aber ungleichen Bürgermeister-Gespann Henning Scherf und Hartmut Perschau. Koalitionäre Konflikte wurden durch (kostspielige) Kuhhandel aus der Welt geschafft. Indes gelang es der CDU, in der praktischen Politik ihre Kernthemen zu besetzen: Inneres, Finanzen und Wirtschaft, später auch Bau und Verkehr.

Mit ihren Spitzenkandidaten für die Bürgerschaftswahl tut sich die CDU seit geraumer Zeit schwer. In die Kandidatur Röwekamps (2007) wurden große Hoffnungen gesetzt, die sich nicht einlösen ließen. Die CDU erhielt gut ein Viertel der Stimmen. Mit Rita Mohr-Lüllmann büßten die Schwarzen vier Jahre später gut fünf Prozentpunkte ein (20,3 Prozent). 2015 opferte sich Elisabeth Motschmann gewissermaßen, obgleich von Beginn an klar war, dass sie ihr Bundestagsmandat nur gegen einen Senatorinnenposten eintauschen würde.

Be Bewertung für Thomas Röwekamp (CDU).  Grün bedeutet sehr zufrieden, rot steht für weniger zufrieden oder gar nicht zufrieden und grau bedeutet nicht bekannt oder nicht zu beurteilen.
Be Bewertung für Thomas Röwekamp (CDU).  Grün bedeutet sehr zufrieden, rot steht für weniger zufrieden oder gar nicht zufrieden und grau bedeutet nicht bekannt oder nicht zu beurteilen. (Frank Thomas Koch)

Die Unzufriedenheit mit der derzeitigen Regierungskoalition versteht Bremens Opposition als historische Chance für einen Machtwechsel. Der CDU fehlte dazu bis vor Kurzem erneut ein geeigneter Spitzenkandidat. Es hätte eine interne Lösung gegeben, Eckhoff hatte Befähigung und Interesse, aber die gepflegten Feindschaften in der Partei ließen seine Kandidatur nicht zu. Ohne die CDU Bremerhaven, aus der Röwekamp kommt, wird kein christdemokratischer König gekrönt, aber ohne den Kreisverband Bremen-Stadt auch nicht, an dessen Spitze Eckhoff steht.

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Gesucht wurde also ein neues Gesicht, ein unverbrauchter Kandidat, bestenfalls ein Bremer Unternehmer, idealerweise ein Tagenbaren, perfekterweise aus einer Familie stammend, nach der eine Allee benannt ist. Kurz: ein Pfeffersack im besten Sinne. Es gab Wunschkandidaten, die sich nicht überzeugen ließen. Carsten Meyer-Heder kommt den Ansprüchen ziemlich nahe, er musste offenbar nicht lange überredet werden, die Straße muss er sich noch verdienen. Es gilt zu zeigen, wie viel Politiker in dem Neuling steckt, wie viel CDU in dem Unternehmer und wie viel Wechselwunsch in den Wählern.

Die Umfrage

Das Institut Infratest-Dimap hat im Auftrag des WESER-KURIER vom 13. bis zum 18. April 1002 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte im Land Bremen telefonisch befragt. Alle Daten der repräsentativen Umfrage stellen wir seit Dienstag vor.

Alles zur Bremer Bürgerschaftswahl 2019

In Bremen steht im Frühjahr 2019 Bürgerschaftswahl an. Auf unserer Sonderseite lesen Sie alles über die aktuellen Umfragen, Interviews mit Spitzenkandidaten und die Themen des Wahlkampfes.  mehr »


Sonntagsfrage
Zufriedenheit mit den Spitzenkandidaten